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Kultur 1700 Fans rocken mit BAP und Bläsern
Nachrichten Kultur 1700 Fans rocken mit BAP und Bläsern
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00:21 20.10.2018
Bravourös: BAP mit Bläser. Die  Kölsch-Rocker um Sänger Wolfgang Niedecken (rechts) bringen alte, neue und vergessene Lieder auf di e Bühne.
Bravourös: BAP mit Bläser. Die Kölsch-Rocker um Sänger Wolfgang Niedecken (rechts) bringen alte, neue und vergessene Lieder auf di e Bühne. Quelle: Fotos: Heusel
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Hannover

Die Glocken des Kölner Doms ertönen, das ist traditionell der Beginn eines BAP-Konzerts, auch bei „Live & Deutlich“, so wie der mit viel Beifall begrüßte 67-jährige Wolfgang Niedecken seine diesjährige Tour nennt.

Mit „Drei Wünsch frei” und „Waschsalon“ starten Niedeckens BAP ihre musikalische Zeitreise, gut 1700 Zuschauer sind in die be­stuhlte Swiss-Life-Hall gekommen, das Publikum ist angegraut, Nachwuchs-Baptisten sind nicht in Sicht.

Und für die treuen Fans sind die alten Gassenhauer natürlich besonders wichtig. Frontmann Wolfgang Niedecken hat die Kölsch-Rock-Formation 1976 gegründet, er ist heute das einzige originale Bandmitglied einer der erfolgreichsten deutschen Bands überhaupt. Rock ’n’ Roll mit Tiefgang, Rocksongs mit Botschaft, doch auch das aktuelle Solo-Werk „Reinrassije Strooßekööter – das Familienalbum“ wird be­spielt. Es wurde in New Orleans mit amerikanischen Studiomusikern aufgenommen, die Songs schmückt das Klanggewand der Südstaaten.

Mit Geige, Waschbrett, Akkordeon und Bottleneck-Gitarre sind sie dabei nicht nur musikalisch abwechslungsreich, BAP pendeln zwi­schen Kölsch- und Sou­thern-Rock, Cajun- und akus­tischen Ausflügen. Da nimmt Niedecken mit seinen Kollegen gern mal Platz, denn „Man wird ja nicht jünger“.

Das Bühnendesign hat Charme, eine prächtige Südstaaten-Villa mit roter Show-Treppe, nur die Plastikpalmen irritieren etwas. Niedecken erzählt Anekdoten mit seinem speziellen kölschen Zungenschlag, glücklicherweise plaudert er auch auf Hochdeutsch, spricht von seiner Mutter oder wie er zu seiner ersten Gitarre kam.

Seinen Eltern hat er mehrere Lieder gewidmet, bebildert werden die Geschichten auf einer großzügigen Leinwand mit nostalgischen Fotos und Filmsequenzen. Es ist eine musikalische Reise von der Kölner Südstadt in die amerikanischen Südstaaten. Und mittendrin die „Ruut wieß blau querje­striefte Frau“.

Die Kölsch-Rocker um Sänger Wolfgang Niedecken bringen alte, neue und vergessene Lieder auf die Bühne. Und Hannover hört zu: 1700 Fans sind in der Swiss-Life-Hall dabei.

Eine Neuheit bei BAP: Niedecken hat ein Bläsertrio, bestehend aus Trompete, Saxofon und Posaune eingeladen. Es ist der Bläsersatz der „Sing-meinen-Song“-Band. Sie geben den Liedern neuen Schwung, bei „Diss Naach ess alles drin“ kann das Trio zum ersten Mal richtig aufspielen, „Nemm mich met“ gerät sogar noch druckvoller.

Und das sind nicht die einzigen instrumentalen Highlights. Gitarrist Ulrich Rode bekommt viel Raum für seine Soli, Anne de Wolff gewinnt unter anderem mit Geige, Cello und Mandoline, Schlagzeuger Sönke Reich ist ein Uhrwerk. „Absurdistan“ und „Vision von Europa“, Lieder mit gesellschaftlichem Anspruch und politischer Verantwortung.

Sein Statement zu der Flüchtlingssituation – „Wir müssen diesen Menschen helfen!“ – „Arsch huh“! Der Klassiker „Jupp“ und das intime „Do kanns zaubere“ wurden neu arrangiert, bei Liedern wie „Kristallnaach” oder „Nemm mich met” brandet schon bei den ersten Klängen Jubel auf. Niedeckens Stimme ist da, das Publikum steht.

Beeindruckende Bläser-Soli, ehrwürdige Kölschrock-Hits wie „Et ess, wie’t ess“ oder „Bahnhofskino“ stehen für Chuzpe und Drama.

Auf „Frau, ich freu mich“, freuen sich hier alle, ebenfalls auf „Ne schöne Jrooß“ und „Anna“. Mit zwei ihrer besten und bekanntesten Songs – Verdamp lang her“ und „Jraaduss“, beenden BAP nach über drei Stunden ihr Konzert.

Es wird ein Abschiedsgruß mit dem Hinweis, bitte so zu bleiben wie bisher, nämlich geradeaus, ehrlich und aufrichtig. Gut so, und egal, wie lang du rockst, BAP rocken länger.

Von Kai Schiering

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