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Kultur Asmus Petersen und die Schlacht
Nachrichten Kultur Asmus Petersen und die Schlacht
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00:22 26.04.2018
DREIST: Der Spruch, der Deutschen das Selbstbewusstsein wieder gab – als Kunstwerk von Asmus Petersen.
DREIST: Der Spruch, der Deutschen das Selbstbewusstsein wieder gab – als Kunstwerk von Asmus Petersen. Quelle: Queren
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Hannover

Zutiefst pazifistisch – und das mit extra kühl kalkulierter Kunst: Asmus Petersen ist durch seine bemerkenswerten Schlachten-Gemälde bekannt geworden, die so gar nichts Offensichtliches vom Krieg zeigen.

Insofern ist er in einer „Unfavourable Tactical Position“. Unter diesem Titel zeigt des Sprengel Museum aus Anlass des 90. Geburtstags des beliebten hannoverschen Künstlers einige herausragende Werke aus dem umfangreichen Gesamtschaffen.

Wobei die Kunstwerke in keiner Weise eine „ungünstige Position“ beziehen, wie der Titel suggeriert – sondern eine in jeder Hinsicht klare Haltung.

Wie das auffälligste Werk der Schau in der Halle. Gischtweiße Lettern auf meerblauem Plexiglas verkünden kurzerhand „Wir sind wieder wer“, rücken diesen heute ein wenig unverschämt wirkenden Nachkriegsslogan ins Bewusstsein und liefern hintersinnig das Echo dieses Spruches. Aus einem bestimmte Winkel blickt man in die Tiefe dieses optischen Blocks – und liest die Namen der deutschen Konzentrationslager.

Die anderen Werke zeigen die bekannten Petersen-Arbeiten, die Schlachtanordnungen, die Diagramme, in denen sich die waffenstarrenden Systeme – meist Kriegsschiffe – in Richtung Sieg oder Niederlage bewegen. Unterbrochen sind die klaren Linien, die Vektoren, geometrischen Muster immer wieder durch Zitate aus Funksprüchen, mit denen die Militärs versuchen, den ganzen Wahnsinn zu steuern. Und an der Wand hängt ein wie militärisch wirkendes, ramponiertes Banner, das scheinbar große Schlachten mitgemacht hat – und den, je nachdem, doch ziemlich heroischen Spruch verkündet: „Ich liebe Dich“. Wer sich gut mit Asmus Petersen und auf dessen Werk versteht, ist Filmdenker Alexander Kluge, dessen profunde Interviews als Begleitung in der Ausstellung laufen.

Da muss man Angst um die Kunst haben. Im Graphischen Kabinett stehen die filigranen Meisterwerke des ein wenig in Vergessenheit geratenen Bildhauers Günter Haese (1924–2016).

Das Ausgangsmaterial sind dünne Drahtteile, Uhrenfedern, kleine Messing-Netze, aus denen dann wunderliche, zarte Dinge entstanden, die so kraftvolle Namen wie „Geschmolzener Äquator“, „Minotaurus“, „Typhon“ oder „Turm“ bekamen.

Besonders reizvoll die Schattenspiele, die Kuratorin Carina Plath im Halbdunkel ausrichtet. Und man sollte schon genauer hinschauen, viele der feinen Körper sind nur Umhüllung von noch winzigeren Gebilden, die seriell wirken, aber von ausgeprägter Eigenständigkeit sind.

Der gelernte Ingenieur Hans Uhlmann (1900–1975) ist der dritte im Bunde, den das Sprengel Museum als altmeisterliches Trio präsentiert. Seine Spezialität sind Konstruktionen aus schwarzen Stahlplatten, die benutzbar scheinen – als Design für Tischlampen. „Fetisch“ heißen die erstaunlichen Objekte. Die auch im öffentlichen Raum zu bewundern sind. In der Schmiedestraße steht seine Stahlplastik von 1965. Erfolgreich war der gebürtige Berliner auch mit der Kunst am Bau und vielen Großplastiken. Deren kleines Geschwister das Sprengel Museum ebenfalls im Graphischen Kabinett ausstellt und ein spannendes Kapitel bundesdeutscher Nachkriegskunst aufblättert – das zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist.

Von Henning Queren

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