Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Anselm Cybinski und seine Niedersächsischen Musiktage
Nachrichten Kultur Anselm Cybinski und seine Niedersächsischen Musiktage
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 28.02.2019
Aufbruch: Anselm Cybinski, Intendant der Niedersächsischen Musiktage.
Hannover

Ein Brücke im Nebel – wo gehts da hin? Das Bild ziert Internetauftritt und Programmheft der nächsten Niedersächsischen Musiktage. Die haben mit Anselm Cybinski ab der kommenden Saison einen neuen Intendanten – und der wird die Besucher an die Hand nehmen und in ein besonderes Klangland führen. „Ich will einfach auch ein stärkeres Gefühl für diesen emotionalen Raum Niedersachsen vermitteln.“

Und das passiert erst einmal gar nicht in Form von Musik – per Fotografie wird ein Blick geworfen auf die erhabeneren und geheimnisvollen Seiten des Landes, weitab vom touristischen Blick. Dazu gehört auch das eindrucksvolle Schwarzweißfoto der Hängebrücke. Sich da ins Diffuse hinauswagen, da muss man schon ein wenig mutig sein.

„Mut“ ist das Thema, eine Marke mit reichlich ethischem Anspruch. Was ist das wichtigste Vorhaben? „Auf jeden Fall eins der emotionalsten für mich ist der Film „Jeanne d’Arc“, ein Stummfilm von 1928.“ Der wird von einem A-cappella-Spezialistenensemble mit Musik aus dem frühen 15. Jahrhundert begleitet. Das passe zu Mut, und es gibt zwei mutige Veranstalter, die sich diesen Abend gesichert haben.

Was ist Mut? „Für mich eben nicht einfach die Fähigkeit, Gefahr ausblenden zu können. Sondern die Errungenschaft, den nächsten Schritt immer wieder wagen und gehen zu wollen.“ Ein Thema, das auch in der Musik eine große Rolle spielt.

„Das Kunststück für mich war ein Puzzle zu legen, das viele Fakturen bedienen muss.“ Also gibt es auch ganz Populäres? „Aber ja, wir haben auch Musikcomedy dabei – mit Igudesman & Joo.“ Die beiden waren auch schon erfolgreich Stargäste beim hannoverschen Opernball, haben bei Youtube Millionenfache Klicks.Man müsse die Balance hinbekommen zwischen intellektuellem Anspruch und begeisterten Zuhörern – was sich natürlich nicht ausschließt.

Cybinski legt großen Wert auf die intensive Zusammenarbeit mit den Veranstalter am jeweiligen Ort, den dortigen Sparkassen: „Es ist nicht so, dass ich einfach von oben gute Ideen herab werfe.“ Es gehe eher darum, darüber zu sprechen, „welche Farbe es sein soll“. Anselm Cybinski versteht sich hier auch als „Dienstleister“: „Und ich bin es auch gerne.“

Der Festivalintendant war vorher Musiker, Schreiber, PR-Mann, betreute große Künstler wie Nicolaus Harnoncourt, hat für Schallplattenlabel gearbeitet und Konzerte veranstaltet, „Ich glaube, dass hier jetzt alle Dinge auf idealste Weise zusammenkommen.“ Klar, dass er seine internationalen Kontakte auch nutzen wird. Und zum Beispiel Igor Levit für einen bewegenden Schostakowitsch-Abend gewinnt.

Was wird neu unter dem Intendanten Cybinski? „Ich strebe danach, das künstlerische Niveau der einzelnen Darbietungen so hoch wie möglich anzusetzen – bezogen auch auf den internationalen Maßstab.“ Die Themen sollten sich näher an aktuellen Fragestellungen orientieren.

Und wie geht es dann weiter? „Für 2020 schwebt uns das Thema ’Rituale’ vor.“ Und das schließt das Infragestellen des herkömmlichen ritualisierten Konzerterlebnisses ein. Und auch dieser Schritt ist dann schon mutig.

Info:

In diesem Jahr starten die Niedersächsischen Musiktage in Wilhelmshaven und stellen auch die Marinegeschichte der Stadt in den Mittelpunkt. Los geht es am 31. August in der dortigen Stadthalle ab 19.30 Uhr mit einem Konzert der Jungen Norddeutschen Philharmonie. Auf dem Programm stehen die erste Sinfonie von Brahms, das Klavierkonzert von Grieg (Alice Sara Ott) und Verdis Ouvertüre „Macht des Schicksals“.

Am 1. September (ab 13.30 Uhr) gibt es ein Wandelkonzert mit der Philharmonie und der Tanzakademie am Meer – der Glanz der Blechbläser trifft auf die imposanten Kriegsschiffe des Deutschren Marinemuseums – unter anderem gibt es Mauricio Kagels berühmte „Märsche um den Sieg zu verfehlen“. Bariton Holger Falk wird dann ab 16 Uhr Lieder von Eisler und Ives zum Thema „Krieg und Frieden“ singen.

Von Henning Queren

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!