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Kultur Andrew Manze geht in die Verlängerung
Nachrichten Kultur Andrew Manze geht in die Verlängerung
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17:22 22.02.2019
Voller Einsatz: Andrew Manze wird die NDR-Radiophilharmonie weiter führen – und auch zu neuen sinfonischen Ufern aufbrechen. Sie haben den Vertrag unterschrieben (unten, von links) von Joachim Knuth, Andrew Manze und Lutz Marmor.
Voller Einsatz: Andrew Manze wird die NDR-Radiophilharmonie weiter führen – und auch zu neuen sinfonischen Ufern aufbrechen. Sie haben den Vertrag unterschrieben (unten, von links) von Joachim Knuth, Andrew Manze und Lutz Marmor.
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Hannover, Hannover, Hannover

Die Erfolgskombi geht in eine nächste Verlängerung: Dirigent Andrew Manze bleibt bis Sommer 2023 in Hannover und Chefdirigent der NDR Radiophilharmonie. Im Kleinen Sendesaal hat er unterschrieben, vorzeitig, der laufende Vertrag ist gerade mal zur Hälfte erfüllt.

„Ich habe noch soviel hier vor“, erklärt Manze, warum der auch international begehrte britische Dirigent bleibt und Angebote von anderen Orchester abgelehnt hat. „Gemeinsam mit meinen Musikerinnen und Musikern bin ich in den letzten Jahren weit gereist – musikalisch und auch geografisch. Das Orchester ist lebendiger denn je und klingt wunderbar.“ Und die Reise wird noch weiter gehen – anvisiert ist das sinfonische Hochgebirge (siehe unten).

Seit 2014 ist Manze da, arbeitet mit der Radiophilharmonie und hat mit dem Orchester ein nie dagewesenes Qualitätsniveau erreicht – das auch international geschätzt wird. Das Orchester hat sich bereits in Salzburg (Felsenreitschule), Wien (Musikverein) oder mit dem großen „War Requiem“ auch in Liverpool präsentiert. Besondere Auszeichnung für Manze: Das Royal Liverpool Philharmonic hat ihn zum „Principal Guest Conductor“ ernannt. Als Gast hat der Hannover-Brite nun auch schon mit dem Leipziger Gewandhaus, dem Amsterdamer Concertegebouw-Orchester und dem Los Angeles Philharmonic Orchestra zusammengearbeitet. In diesem Jahr wird er auch das renommierte Boston Symphony Orchestra dirigieren und seine Erfahrungen auch wieder für Hannover nutzen.

NDR-Intendant Lutz Marmor freute sich über die Unterschrift: „Andrew Manze ist ein inspirierender Musiker, ein überzeugender Motivator und Kommunikator.“ Besonders sei, dass er die Menschen auch über das reine Klassikpublikum hinaus erreiche.

Das meinte auch Hörfunk-Direktor Joachim Knuth: „Andrew Manze lebt Musik.“ Er sei ein Dirigent, der die Musikerinnen und Musiker zu Spitzenleistungen führt – durch eine „glückhafte Beziehung“, die hier entstanden ist. Kurth hob dabei hervor, dass das Orchester besonders auch Niedersachsen verbunden ist. Im März steht eine Tour durch den Norden an mit Stationen in Bad Harzburg, Northeim, Wolfsburg und Hannover.

Das Konzert: Brahms im Großen Sendesaal

Was für ein Konzert, das war dann schon fast wie eine vorweggenommene Feier der Vertragsverlängerung: Andrew Manze dirigiert die erste Sinfonie von Brahms und macht noch einmal deutlich, wie gut es mit der NDR Radiophilharmonie klappt.

Sicher, spieltechnisch ist das Orchester auf einem sehr hohen Plateau. Entscheidend ist aber, dass Manze mit der Spielvereinigung auch seine Interpretation ungeschmälert durchsetzen kann. Brahms’ Erste als ein Stück des Aufbruchs, hochdramatisch mit deutlich angezogenen Tempi und überraschend kontrollierter Wucht vor allem im ersten Satz. Das kennt man auch anders und schlechter. In den verhaltenen Passage bleibt es trotz aller Kraftentfaltung – Manze gibt die Einsätze teils mit Handkantenschlägen – schön kammermusikalisch.

Und Manze hat ein Herz für Solisten, das war wunderbar, wie aufmerksam hier Altmeister und Kult-Pianist Emanuel Ax begleitet wurde im Klavier-Capriccio von Strawinsky, dann im Klavierkonzert von Haydn. Ax nahm das selten gespielte D-Dur-Stück gelöst, locker und rund im Ton. Entspannung vor der Entladung nach der Pause.

Die Pläne: Bruckner und Nielsen

Wenn man so schnell Verträge unterschreibt, muss auch etwas dahinterstecken. Andrew Manze will sich mit der NDR-Radiophilharmonie ins sinfonische Hochgebirge vorwagen. Und dabei hat er Anton Bruckner im Visier, was für jedes Orchester immer noch eine Herausforderung ist, die siebente soll es sein und dann sicher die konzertfüllende achte, die gut 80 Minuten dauert.

Bei Mahler denkt Manze ebenso groß, an die sechste „Tragische“ und die siebente („Lied der Nacht“), für die dann wohl der Sendesaal zu klein ist: „Hier würden wir wohl den Kuppelsaal brauchen.“ Ebenso für die „Sinfonie der Tausend“, die dann auch zu einem bestimmten Ereignis kommen wird. Manze will auch das Repertoire in Richtung Skandinavien erweitern – und da gibt es einiges zu entdecken mit dem Sinfoniker Carl Nielsen oder Wilhelm Stenhammer.

Dabei möchte Manze „weiter auf Linie“ bleiben – und die sieht er darin, dass das Orchester trotz seiner philharmonischen Massierung einen „kammermusikalischen Charakter“ behalten und noch weiter entwickeln sollte – um alle Feinheiten auch der großen Brocken der Sinfonik hör- und genießbar zu machen.

Die CD: Mozart im Surround-Modus

Frisch, kristallklar, kantig und passagenweise rasant: Das ist Mozart, der zum Hinhöhren zwingt. Andrew Manze legt mit den Sinfonien 40 und 41 („Jupiter“) auf seiner aktuellen CD (Pentatone) die beiden meistgespielten von Mozart vor.

Dabei unterscheidet sich die Radiophilharmonie von den historisch informierten Ensembles, hier geht es bisweilen – wie am Beginn der Jupiter-Sinfonie – noch schroffer zur Sache. Das abschließende Allegro bekommt ausschwingenden Drive, alles mit neonmäßigen Klangfarben und scharf herausgearbeiteten Holzbläserstimmen – als wenn hier einer einfach nach „mehr Mozart“ verlangt.

Sicher keine Amadeus-Revolution, wie sollte die auch aussehen, aber auf jeden Fall State of the Art, wie heute Mozart mit traditionellem Orchester klingen und gespielt werden kann. Wer es sanfter und wohliger haben will, sollte dann eben zu Bruno Walter greifen.

Hervorragend ist auch die Aufnahmetechnik, die den schroffen Klang unkomprimiert einfängt – wer surroundfähig ist, sitzt akustisch mitten im Großen Sendesaal.

Von Henning Queren

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