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Kultur Andor Izsák im Interview
Nachrichten Kultur Andor Izsák im Interview
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18:03 04.07.2019
Feiert am Wochenende:Andor Izsák, Ex-Direktor des Europäischen Zentrums für Jüdische Musik.
Hannover

Empfang im Rathaus, weil er seinen 75. Geburtstag: Andor Izsák feiert. Der Gründer des Europäischen Zentrums für Jüdische Musik über die Magie der Zahl, die Villa Seligmann, das Schicksal einer Bombe und die Pläne bis 85. Das Interview:

Andor Izsák, was bedeutet die Zahl 75 für Sie?

Irgendwie kommt das dann doch, und es überrascht einen. Ich kann aber sagen, dass die Zahl überhaupt nicht unangenehm ist. 75 ist ein Status, den muss man sich ja erst einmal verdienen.

Wie ist es denn mit Älterwerden?

Nun ja, wenn ich das für mich als Musiker sehe, heißt das, man ist noch besser, noch erfahrener. Wenn ich meinen Gesundheitszustand von vor 20 Jahren hätte, wäre es wunderbar. Man muss sich schon ein wenig zurücknehmen, alles geht nicht mehr.

Was ist denn das Positivste daran?

Jüngere glauben gar nicht, was das für eine Freiheit mit sich bringt. Dinge, die ich mir früher nicht glaubte leisten zu können, gehen heute.

Was bedeuten Geburtstage für Sie?

In früheren Jahre eigentlich nicht viel. Der erste, an den ich mich gern erinnere, war mein 40. – den ich in Deutschland gefeiert habe. Da wurde gegrillt, Bier für mich gezapft, das war Glück pur. An den 50. erinnere ich mich wiederum nicht so sehr. Aber der 60. war fantastisch, das war schon hier in meinem Haus in Hannover – das schönste Geschenk war die Absicht, die Villa-Seligmann-Stiftung zu gründen. Geburtstage sind für mich eine Art Raster – jeder kann dort gucken, wie das Barometer steht. Den 70. haben wird dann schon in der Villa gefeiert.

Und nun wieder außerhalb der Villa Seligmann, wie kommt’s?

Nun ja, ich will es mal so sagen. Ich möchte den Geist wiederbeleben in Erinnerung an meinen 60. Geburtstag, den wir hier bei mir zu Hause gefeiert haben – wo der Gedanke zu einem Haus für jüdische Musik entstanden ist. Ich möchte dieses Gefühl wiederhaben.

Fällt der Abschied von der Villa Seligmann schwer?

Ich bin im Moment wahnsinnig glücklich, weil ich so viele Aufgaben außerhalb habe.

Und?

Ich hoffe, die Villa wird wieder auf den richtigen Weg zurückfinden. Soviel dazu.

Was bedeutet die Villa Seligmann für Sie?

Das ist etwas, das ich in meinem ganzen Leben gesucht habe. Auch weil sich hier meine sehr vielfältigen Interessen treffen. Ich wusste in meinen jungen Jahren nicht, was ich eigentlich sein wollte. Da gibt es diese Geschichte mit der Bombe von 1944, die Trommelfell und Augen beschädigte, sodass ich schon als kleines Kind mit ganz dicken Brillengläsern anfangen musste. Immerhin hatte der liebe Gott mit dieser Bombe mir auch ein absolutes Gehört mitgeschickt.

Was zum Musiker qualifiziert ...

Ich habe aber auch schon noch andere Interessen. Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der die Radiotechnik groß wurde – das hat mich fasziniert. Ich habe immer zwei Schulen besucht, eine Musikschule und eine Realschule, wo ich löten und schmieden konnte. Ich träumte immer von Hi-Fi-Geräten; die Träume hatten die Namen Grundig, Uher, Telefunken ...

Technik und Musik geht ja auch in der Orgel zusammen?

Unbedingt. Ich wollte ja auch in der Musik immer etwas Besonderes machen – auch wenn ich Klavier gelernt habe. Die Orgel hat mich einfach fasziniert, obwohl ich am Anfang nicht in die Kirche durfte, weil meine Eltern orthodoxe Juden waren.

Aber es ging dann ja doch ...

Das verdanke ich einer Nonne. Die hat mich gewissermaßen verführt – als sie den kleinen Andor fragte, ob er in ihrer Kirche nicht mal Orgel spielen wollte. Und der kleine Andor wollte. Und da wusste ich, das ist mein Schicksal. Meine Eltern haben nie davon erfahren.

Was war das Schönste nach Ihrer Umsiedlung nach Deutschland?

Ganz klar, dass ich seitdem offen sagen kann: Ich bin Jude.

Und was war das Ziel?

Ich wollte, dass die synagogale jüdische Musik nicht vergessen wird – ein Europäisches Zentrum für jüdische Musik. Die Zerstörung dieser Musik kam aus Deutschland, die Restaurierung muss auch in Deutschland stattfinden. Zuerst hatte ich an die Synagoge in Augsburg gedacht – aber die Gemeinde dort wollte das nicht.

Also Hannover ...

Dabei hatte ich großes Glück, weil ich Gerhard Schröder und Rita Süßmuth durch ein Ballett getrennt hatte.

Hört sich merkwürdig an.

Ist aber ganz einfach. Die beiden waren in Osnabrück Hauptredner bei einer Veranstaltung zur Erinnerung an die jüdische Geschichte und sollten nicht direkt hintereinander sprechen, und ich wurde gebeten, ein Ballett zu komponieren. Beim Empfang danach sagte Schröder: „Sie müssen kommen.“ Er hat meinen Weg gut begleitet, bis er dann nach Berlin gegangen ist.

Und die Villa Seligmann?

Das ist alles eine logische Folge – weil ich einen authentischen jüdischen Boden für meine Vision suchte. Als ich diese Villa zum ersten Mal betrat, wusste ich, das ist es. Und bei der Realisierung hat mich Christian Wulf so nachhaltig unterstützt. Hannover wurde ein kleines Hamburg durch diesen enormen Bürgerwillen: Das machen wir!

Wie sehen Sie sich?

Als ein Botschafter der jüdischen Musik. Nicht so einer wie im politischen Bereich, der vor allem Golf spielt, sondern ständig im Einsatz ist.

Ist irgendwann mal genug?

Man hat häufig das Gefühl, so. jetzt ist alles im Kasten, jetzt hat man es erreicht. Aber nee, das wird sofort wieder angekratzt. Und man kann wieder von vorn anfangen.

Und jetzt?

Mache ich Aufnahmen. Ich hatte mich früher um den Posten eines Tonmeisters beim ungarischen Rundfunk beworben. Ich kann bestimmt Mikrofone besser ausrichten als viele andere. Mit der Deutschen Grammophon habe ich eine wunderbare Zusammenarbeit angefangen – die europäische synagogale Musik auf CD oder was das in Zukunft sein wird, festzuhalten. Ich bin der letzte Mohikaner, der diesen Klang noch in den Ohren hat. Aufgenommen wird in Budapest.

Wann kommt die CD heraus?

Die CD? Viele CDs. Die erste Platte kommt diesen November heraus. Der Plan ist auf zehn Jahre angelegt. Dann bin ich 85 und hoffe, als Geschenk eine Zehn-CD-Box vorzulegen.

Von Henning Queren

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