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Kultur Tugsal Mogul, Schauspieler und Anästhesist, inszeniert ein Stück über Mediziner
Nachrichten Kultur Tugsal Mogul, Schauspieler und Anästhesist, inszeniert ein Stück über Mediziner
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06:16 30.04.2012
Von Evelyn Beyer
WANDERER ZWISCHEN DEN WELTEN: Tugsal Mogul, 42, hat in Hannover Schauspiel und in Lübeck Medizin studiert, er ist Anästhesist und Regisseur.
WANDERER ZWISCHEN DEN WELTEN: Tugsal Mogul, 42, hat in Hannover Schauspiel und in Lübeck Medizin studiert, er ist Anästhesist und Regisseur. Quelle: Dröse
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Sein schrägstes Erlebnis als Schauspieler war, als er für eine Arztrolle im Fernsehen in Hamburg vorsprach, erzählt Tugsal Mogul: „Die sagten ja, interessant - und dann gaben sie mir doch wieder eine Rolle als Türke, der sich an der Dönerbude eine Vergiftung holt!“ Dabei bringt Mogul beste Voraussetzungen für die Arztrolle mit: Er ist Mediziner. Approbiert und als Anästhesist an der Raphaelsklinik in Münster beschäftigt. Mit halber Stelle - damit Zeit für das Theater bleibt.

Denn Mogul ist auch diplomierter Schauspieler, er bewarb sich nach dem ersten Staatsexamen in Medizin bei Hannovers Schauspielabteilung: „Ich bin heute noch dankbar für den Rat, den mir Dozent Walter Asmus damals gab - mein Erststudium nicht an den Nagel zu hängen.“ Mittels Freisemestern fuhr er ab 1993 zweigleisig, absolvierte sein praktisches Jahr an Hannovers MHH, spielte am Maxim-Gorki-Theater Berlin, an den Hamburger Kammerspielen und am Schauspiel Bonn, gab manchmal morgens Narkosen und war abends der Domingo im Don Carlos, bis er seine eigene Gruppe gründete.

Mit der inszeniert er eigene Stücke: „Da kann ich aus der medizinischen Realität schöpfen.“In „Halbstarke Halbgötter“ brachte er Geschichten aus der Klinik auf die Bühne - es war ein großer Erfolg - und tourte bundesweit durch Theater, Unis und Ärztekongresse. „Viele erkanntensich auf der Bühne wieder“, das zeigten auch die Publikumsgespräche: „Der Arbeitsdruck ist ungeheuer. Und auch der Druck, sich nicht schwach zu zeigen. Manche flüchten in den Alkohol - und ich kenne auch Suizidfälle.“ Andererseits seien Ärzte auch sehr von sich überzeugt: „Manche dachten, die Schauspieler in den Stücken müssten Ärzte sein. Weil nur Ärzte sich so überzeugend als Ärzte verhalten könnten.“ In Einfühlungsvermögen, so Mogul, könnten die Ärzte von den Schauspielern einiges lernen.

Andererseits ist die Theaterwelt Migranten gegenüber noch verschlossener als die Medizin: „An Kliniken hat man heute Ärzte jeglicher Herkunft - ganz anders als in den Arzt-TV-Serien.“ Nur selten gebe es offenen Rassismus: „Einmal hat ein Patient zu mir gesagt, er wolle kein Türkenblut - es ging um eine Blutkonserve.“ Am Theater wurden abschlägige Bescheide schon mal mit dem Hinweis „Wir haben schon einen Ausländer“ versehen. Und in Fernsehserien muss der völlig akzentfrei Deutsch sprechende Mogul oft „den Ali machen“ und in Schrumpfgrammatik radebrechende Täter oder Opfer mimen: „Mach ich ja gern“, lacht er. Aber dass er ein zweites Standbein für seinen Lebensunterhalt hat, das verleiht ihm eine wohltuende Souveränität.

Schein und Sein im Mediziner-Reich

Die sehen schon heiß aus, die vielen Puppen mit den blauen Anzügen und grünlichen OP-Hauben, die im Theater an der Glocksee die Bühne bevölkern. In „Lassen Sie mich durch, ich bin Arzt“, von Tugsal Mogul geschrieben und inszeniert, geht es um Schein und Sein im Mediziner-Alltag. „Man sagt: Kleider machen Leute“, so Mogul, „aber genauso gut macht auch Sprache Leute.“ Drei Mediziner und Psychiater treffen aufeinander, Experten ihres Gebiets, im Heilen, Helfen und Karrieremachen. Sie breiten voreinander ihr Leben aus, ihre Werdegänge, spielen sie, auch mit den Puppen, durch. Beeindruckende Karrieren – und doch blitzt bei allen ein Makel durch, um den sie sehr wohl wissen. Und die anderen auch. Was böse enden kann. Es spielen Helga Lauenstein, Lena Kußmann und Jonas Vietzke.

Die Premiere am 2. Mai ist ausverkauft; weitere Termine: 4., 9., 11., 16., 18., 19., 23. und 30. Mai, 1. und 2. Juni, 20 Uhr.