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Kultur Tremonti lärmen kunstvoll im Capitol
Nachrichten Kultur Tremonti lärmen kunstvoll im Capitol
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13:34 28.11.2018
Gibt Vollgas: Mark Tremonti bei seinem Konzert im Capitol.
Gibt Vollgas: Mark Tremonti bei seinem Konzert im Capitol. Quelle: Florian Petrow
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Hannover

Wenn die Vorbands The Raven Age und Disconnected schon so laut brettern, wie mag das erst beim Headliner klingen? 21.30 Uhr, das Intro wird eingespielt, dann legen Mark Tremonti und seine Jungs los. Auf einen Schlag - Vollbesohlung in höchster Vollendung.

Keine Gnade, denn auch die Thrasher aus Orlando, Florida sind lauter als ein Gewitter in den Everglades. Doch der Sound im Capitol ist gut. Selbstverständlich regiert die Basstrommel des Schlagzeugers Ryan Bennett und nagelt beständig auf die Trommelfelle der Besucher. Mark Tremonti ist ein durchtrainierter Typ, mit militärischem Haarschnitt und dicken Bizeps. Ein Gitarrengott. Melodie und Dynamik und eine große Portion gesunder Härte, Tremontis Leidenschaft für Heavy-, Speed- und Thrash-Metal ist ungebrochen.

Leider sind nur 400 Metal- und Tremonti-Fans ins Capitol gekommen, der 44-Jährige, der mit seinen Bands Creed und Alter Bridge (mit letzteren spielte er 2017 in Hannover) schon Weltruhm erlangte, hätte mehr Bewunderer verdient.

Schnell ist er auf seinen sechs Saiten unterwegs, seine Stimme ist mittig und sicher nicht so spektakulär wie die der Frontmänner Scott Stapp (Creed) und Myles Kennedy (Alter Bridge). Doch dass der Gesang ihm oftmals nicht so virtuos gelingt, wirkt bei all der instrumentalen Perfektion dann auch eher charmant. Zudem erinnert sie an den Thrash-König James Hetfield von Metallica.

Tremontis Songwriting ist stark auf Metal ausgerichtet, einige wenige Male schimmern Alternative- oder Post-Grunge-Elemente durch die Kompositionen. Drummer Ryan ist eine Show für sich, er wirft seine Trommelstöcke durch die Luft, fängt sie wieder auf, erwischt rechtzeitig den nächsten Beat, springt von seinem Hocker auf. Erleichternd, heutzutage braucht es keine Matte mehr im Metal – Kurzhaarschnitt, ein netter Typ.

Auffallend ist das gute Licht an diesem Abend. Zu jedem Taktwechsel und den Breaks der Band lässt sich der Techniker etwas Spezielles einfallen. Das sieht man selten bei Clubkonzerten.

„The Things I’ve Seen“, ist ein melodisches Lied, beruhigt und verlässt den Stakkato-Pfad. Rhythmus-Gitarrist Eric Friedman überzeugt spielerisch ebenso wie Tremonti, singt dazu noch hervorragende Backings, seine Sologitarre ist großartig. Eine gute Show, die vier Tremontis sind agil, Hip-Hop-Grooves werden eingeflochten. „Trust“ und „Catching Fire“ überzeugen mit eindringlichen Gefühlen und tonaler Dunkelheit. Die langsamen und lupenreinen Nummern ähneln denen von Black Sabbath.

Mit „So You’re afraid“ und „Dust“, mit viel Kraft und Melancholie und mehr als 90 Minuten Musik, geht es in die eisige Nacht hinaus. Viel Beifall von den begeisterten Fans.

Von Kai Schiering