Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Toter Autor auf Instagram: So interaktiv begleitet ein Museum Gleims 300. Geburtstag
Nachrichten Kultur Toter Autor auf Instagram: So interaktiv begleitet ein Museum Gleims 300. Geburtstag
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:21 01.04.2019
Eine Mitarbeiterin des Gleimhauses putzt nach den Renovierungsarbeiten die Möbel des „Freundschaftstempels“. Dort schrieb einst Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719-1803) seine Briefe. Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Halberstadt

Zu seinem 300. Geburtstag wird Johann Wilhelm Ludwig Gleim auch auf Instagram aktiv. Bei Facebook ist er schon längst und berichtet in der Ich-Form. Und bald wird man seine Freunde, die er einst als Porträts verewigen ließ, auch hören können, zu Fragen wie Freundschaft, Streit und Persönlichem. Alles ganz interaktiv.

Das Gleimhaus, eines der ältesten deutschen Literaturmuseen, versucht, seinen Besuchern auf modernem Weg den Netzwerker, Dichter, Sammler und Freundschaftsprofi nahe zu bringen. Das Haus geht weit über die üblichen Ausstellungen hinaus, um Menschen für den heute weithin unbekannten Vertreter der Aufklärung zu gewinnen.

Gleim korrespondierte mit 550 Frauen und Männern

Kommunikation war Gleims (1719-1803) Stärke in einer Zeit, in der in Halberstadt zweimal pro Woche die Postkutsche vorbeikam, auf der Ost-West-Route gen Berlin. Er sei ein Vielschreiber gewesen, der nachgewiesenermaßen mit 550 Frauen und Männern korrespondierte, sagt die Leiterin des Gleimhauses, Ute Pott. Als „Genie der Freundschaft“ bezeichnet sie Gleim – und schafft damit neben der Kommunikation eine weitere Parallele zum Hier und Jetzt.

„Unsere Erfahrung mit unseren Besuchern ist, dass kaum jemand zuvor etwas von Gleim gehört hat“, berichtet der wissenschaftliche Mitarbeiter Reimar Lacher. Und er hat einen guten Überblick über die 10 000 Gäste im Jahr. „Es ist ein Phänomen: Zu Lebzeiten war er ungeheuer berühmt und einer der meist gelesenen Dichter seiner Zeit. Und durch die Literaturgeschichte gab es einen eklatanten Verfall seines Renommees.“ Geblieben seien aber die Werte des Networkings und der Freundschaft: „Das bekommt man nirgendwo auf der Welt derart eindrücklich vor Augen geführt.“

Bilder an der Wand wie Profilbilder auf Facebook

Gleim, der von Berlin nach Halberstadt umgezogen war, brachte seine Freunde als Porträts mit in seinen Freundschaftstempel. In drei Räumen seines ehemaligen Wohnhauses am Halberstädter Dom hängte er die Wände voll mit den Bildern. Lessing, Klopstock, Herder, Jean Paul, Anna Louisa Karsch: Von Angesicht zu Angesicht schrieb er ihnen Briefe. Museumsleiterin Pott vergleicht das mit dem Profilbildern auf Facebook heute. Das Museum wird nun um eine interaktive Audio-Installation ergänzt. Per Sprachbefehl können Besucher künftig 30 ehemalige Weggenossen Gleims zum „Sprechen“ bringen. Zu hören sind dann Ausschnitte aus den historischen Briefwechseln mit Gleim.

Dafür, dass alles ganz authentisch ist, hat Gleim mit seiner Sammelwut selbst gesorgt. Er sammelte alles – von der großen Debatte bis zu kleinsten Briefen und Zeichnungen von Kindern. Sein heute deutlich bekannterer Zeitgenosse Goethe hingegen habe immer mal wieder „das Feuer angemacht und aussortiert“, berichtet Pott. Und so verfügt das Gleimhaus als „Museum der Aufklärung“ nicht nur über Bilder, sondern auch über Bücher, die der Autor sammelte, und zahlreiche Briefwechsel.

Soziale Medien wie Gleims Netzwerke

Diese seien auch dafür gedacht gewesen, mehrere Freunde zu verbinden und zu vernetzen. „Schüler vor 25 Jahren haben es weniger verstanden als Schüler heute“, sagt Pott – und das sei den Sozialen Medien zu verdanken, die ähnlich funktionierten wie die Netzwerke zu Gleims Zeit. Und auch das Verständnis von Freundschaft sei dem von heutigen Jugendlichen sehr ähnlich: Es sei nicht nur um die ganz enge persönliche Freundschaft gegangen, sondern um die Verbindung von Gleichgesinnten.

Gleim300 heißt das Jubiläumsprogramm in Halberstadt. Am 2. April, Gleims Geburtstag, wird es einen Festakt geben, die „Sprechenden Bilder“ gehen in Betrieb. Eine Gleimnacht ist kurz darauf geplant und ab Juni die Ausstellung „Scherz – die heitere Seite der Aufklärung“. Über Gleim300 wacht ein Bildnis des jungen Gleim, über dem lockigen Haar eine schief sitzende grüne Mütze vor leuchtend gelbem Hintergrund – das Gleimhaus hat ihn verjüngen lassen. Der alte Gleim aber, mit Perücke und Schreib-Feder in der Hand, verschwindet nicht von der Bildfläche – er bleibt das Profilbild bei Instagram. Und noch vor seinem ersten Post dort hat er schon mehr als 70 Abonnenten.

Von RND /dpa

Erst 2005 wurde das Jesus-Porträt „Salvator Mundi“ da Vinci zugeschrieben – zwölf Jahre später dann der Rekorderlös: Über 450 Millionen Dollar zahlte ein Bieter auf einer Auktion für das Gemälde. Jetzt ist es spurlos verschwunden. Was hat der saudische Kronprinz damit zu tun?

01.04.2019
Kultur Neues Programm „Ziel:los!“ - Maybebop im Aegi-Theater

Tolles Programm, gelungene Premiere im Aegi-Theater. Die Jungs von Maybebop waren gewohnt charmant und gut gelaunt.

31.03.2019

Manege frei für die sensationelle „Meeple Circus“-Show. Hier kann man etwas erleben: dass nämlich Meeple – also die aus Spielen wie „Carcassone“ bekannten Holzmännchen – auch als Akrobaten taugen.

31.03.2019