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Kultur Tolle Winter-Premiere: In der Staatsoper sind die Katzen los
Nachrichten Kultur Tolle Winter-Premiere: In der Staatsoper sind die Katzen los
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00:16 01.12.2016
Von Henning Queren
SUPER: Ania Vegry als Katze Minette (Mitte). Quelle: Jauk
Hannover

Keine Spuren von „Cats“, wie es andere Inszenierungen dieser Oper gern machen, das ist eine Besonderheit der hannoverschen Fassung. Hier gibt es so wenig Katzen wie nötig, zu erkennen nur an den markanten Frisuren. Die Regie von Dagmar Schlingmann ist von überzeugender Ernsthaftigkeit, mit der man dieser Geschichte, im viktorianischen England angesiedelt, beikommt und die dem Ganzen einen Schuss „Dreigroschenoper“ und Oliver Twist mitgibt.

Das Bühnenbild ist markant, es zeigt einen gekippten Salon, einen Kubus, in und um den sich die garstig-heitere Gesellschaftssatire mit Katzenhochzeit, Gerichtsverhandlung und der Katzenliebe zwischen Tom und Minette abspielt - und unter dem die letzten Mäuse hausen, die die „Königliche Gesellschaft zum Schutz der Ratten“ noch übrig gelassen hat.

Die Bühnenmaschinerie wird gut ausgenutzt. Als es zu den großen Arien aufs Dach geht, fährt der komplette Salon in die Tiefe und von oben senkt sich eine filigrane Leiter herab, auf die dann die junge Katze Minette (Ania Vegry) ihre beiden schönsten Arien an den Mond (1. Bild) und ans Meer (2. Bild) singt. Allein diese Szenen lohnen schon den Besuch.

Musikalisch ist der Abend eine Pracht. Denn Henze hat in seinem musikalisch sanften Zweieinhalbstünder alles aufgefahren, was die Musik zur Uraufführungszeit 1983 hergab: spätromantische Schwelgerei, exotische Tanzrhythmen, viel vertracktes Schlagwerk und auch wohldosierte Dissonanz.

Am Ende kommt die kleine Maus Louise auf die Bühne und verkündet, dass sie mit diesen Katzen nichts mehr zu tun haben will: „Quiiiieek“. Das Publikum schon, Riesenapplaus, viele Bravos. Zu Recht: ein in jeder Hinsicht stimmiger Abend.

Bewertung 5/5