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Kultur Tolle Frau, tolle Stimme: Rebekka Bakken am Aegi
Nachrichten Kultur Tolle Frau, tolle Stimme: Rebekka Bakken am Aegi
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14:14 25.03.2019
Tolle Stimme, starker Auftritt: Rebekka Bakken bei ihrem Konzert im Theater am Aegi. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Sie ist nicht das erste Mal an der Leine, aber immer wieder gerne: „I have very fond Memories of Hannover“, also „liebe Erinnerungen“, gesteht die 48-jährige Rebekka Bakken. Und das bleibt nicht das einzige Bekenntnis der Kosmopolitin und Musikerin aus Oslo. Immer wieder überrascht sie die knapp 800 Zuschauer im Theater am Aegi mit ihrer Offenheit und forschen Sprüchen.

Ein Blues zu Beginn ordnet den Abend ein: Es wird leidenschaftlich und gefühlvoll werden, und nachdem sie ihre Alt-Stimme warm gesungen hat, geht es auf eine Tour der Extreme. Bakken hat eine exzellente Mikrofon-Kontrolle, als Sängerin ist sie hörbar gereift. Dazu transportiert ihre „fantastic Band“ Klänge, die auch aus den Schwingtüren eines Clubs schallen könnten: Tom-Waits-Tribute, urbaner, deskriptiver Blues. Ola Gustafssons Slide-Gitarre sägt sich durch das Theater,

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„Yeah!“, streut Rebekka Bakken ein. Sie ist in Plauderlaune, forsch und laut sind ihre Ansagen, schüchtern ist sie in keinem Moment. Beispielsweise mag sie keinen grünen Tee, „warum auch, schmeckt wie Scheiße“, harte Worte und wie zur Bestätigung nimmt sie lieber einen Schluck aus ihrem Rotweinglas.

Sie chansonniert sich durch die ersten Lieder in ihrem Programm, überwiegend Stücke von ihrem neuen Album „Things You Leave Behind“, hat aber auch verkannte Perlen dabei, wie „Hotel St. Pauli“, dem Titelsong vom Soundtrack eines „schlechten norwegischen Film der frühen 80er Jahre“.

Ihre hüftlanges Haar ist ein stetiger Hingucker, die roten High Heels sind es auch. Sie scheint ihr Äußeres als gegeben zu nehmen, doch das täuscht, Bakken weiß genau, wer sie ist. Sie bekommt ein neues Glas Rotwein gereicht und spricht von Histaminen, Pseudoephedrinen und eben Wein. Daraus wird der Zuhörer nicht ganz schlau: Kokettiert sie mit dem Rock ’n’ Roll oder bekämpft sie tatsächlich eine Erkältung mit Wein und Tabletten? Sie erkundigt sich nach einem Arzt im Publikum – „am besten mit Porsche, mal sehen, wie der Abend so wird“, der Rest geht leider im Song „Little Drop of Poison“ unter, einer intensiven Tango-Nummer.

Ihr Gesang leidet unter ihrer Medikation jedenfalls nicht, ihre Stimme ist sicher und stark, schraubt sich in falsettartige Höhen. Derweil soliert Pianist Eirik Tovsrud Knutsen über die Harmonien, Bakken dreht jetzt richtig auf, mit Kehllauten und archaischen Gesängen – norwegischer Emo in „Korset vil jeg aldri svike“. Sie kann einfach gut singen, besonders in ihrer Muttersprache.

Ein Mikrofonausfall offenbart eine weitere Eigenschaft, sie muss auf ein anderes, schlechteres wechseln und wird in diesem Moment zur Janis Joplin mit hartem, weißen Bluesgesang. Ein Abend mit bester Unterhaltung. Nach einem wilden Gitarrensolo verabschiedet sich die ebenso wilde Bakken mit Dankbarkeit und zwei Zugaben. Viel Beifall!

Lesen Sie mehr: Vor dem Konzert haben wir Rebekka Bakken interviewt. Das Gespräch finden Sie hier.

Von Kai Schiering