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Kultur Tokio Hotel: „Uns geht’s ja ganz gut“
Nachrichten Kultur Tokio Hotel: „Uns geht’s ja ganz gut“
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14:21 25.02.2019
Tokio Hotel: (von links) Gustav Schäfer, Tom Kaulitz, Bill Kaulitz und Georg Listing.
Tokio Hotel: (von links) Gustav Schäfer, Tom Kaulitz, Bill Kaulitz und Georg Listing. Quelle: Lado Alexi
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Hamburg

Mit „Melancholic Paradise“ liefern Tokio Hotel die Titelmelodie zur neuen Staffel von „Germany’s Next Topmodel“; ab Ende April ist die Band auch wieder in Deutschland auf Tour. Die Zwillinge Bill und Tom Kaulitz (29) leben in Kalifornien und lassen es dort merklich entspannter angehen. Tom ist aufgrund seiner Verlobung mit Supermodel Heidi Klum trotzdem ständig in den Schlagzeilen. Wir trafen Bill, Tom und Bassist Georg Listing (31) in Hamburg zum Interview.

Bill, sind Sie froh, momentan mal nicht der wichtigste Mensch bei Tokio Hotel zu sein – aus Mediensicht?

Tom: Der Wichtigste war er noch nie! (lacht)

Bill: Es ist auf jeden Fall gerade eine andere Situation. Es ist echt ganz schön, dass es mal nicht nur die ganze Zeit um mich geht. Aber keiner von uns reißt sich darum, als Privatmensch so viel in den Medien stattzufinden.

Tom: Es ist aber schön, dass ich mal in der „Superillu“ stattfinde.

Bill: Tom freut sich auch, dass er endlich mal im „Frau im Spiegel“ ist.

Tom: Ehrlich gesagt, verfolge ich das alles nicht so sehr. Das ist das Positive an L.A., weil man es dort auch gar nicht mitkriegt. Da liegen die Hefte nicht beim Friseur rum. Aber Bill sagt das schon richtig: Ich reiße mich natürlich nicht drum. Die Leute glauben einem das immer nicht, aber es ist ja nicht so, dass wir den Heften Interviews geben würden. Die schreiben darüber, wir kriegen das gar nicht so mit und können das nicht kontrollieren. Ich weiß ja auch nicht, was in Italien in der Zeitung steht.

Bill: Darum fängt man irgendwann an, eine Entspanntheit zu entwickeln. Wir gucken das nicht nach, wir googeln nicht jeden Tag unsere Namen. Das ist auch wichtig. Das Schöne ist, dass wir immer wieder nach L.A. zurückfliegen, und dann ist Ruhe vom Tumult.

Was für Gefühle haben Sie, wenn Sie im Flieger nach Deutschland sitzen?

Bill: Ich freu mich immer nach Deutschland zu kommen. Das ist ein Heimatgefühl. Ich sehe die Freunde wieder. Wenn die mitkriegen, dass ich unterwegs bin, habe ich vorher schon 20 Nachrichten auf dem Handy. Ich freu mich auf ein bisschen Familie. Und auf gute Backwaren, Ei-Brötchen mit Mayo von der Tanke, alles mit Kartoffeln und besonders auf ein Bauernfrühstück.

Tom: In L.A. gibt es nämlich keine guten Kartoffeln.

Wenn Sie dann Fuß auf deutschen Boden setzen, ist die Aufmerksamkeit gleich eine andere, oder?

Bill: Auf jeden Fall. Es ist immer Action. Alles ist durchorganisiert: Zack ins Auto, ab durch die Tiefgarage ins Hotel, dann irgendwann wieder raus und arbeiten. Das ist in L.A. natürlich ganz anders. Dort haben wir einen Alltag und unser Zuhause. Wir sind entspannt, gestalten uns unseren Tag selber. Auch noch ein Unterschied: In Deutschland habe ich immer lieber Leibwächter dabei.

Ist das noch das Trauma der Vergangenheit?

Bill: Wahrscheinlich. Natürlich sind damals Sachen passiert, die man nicht so einfach abschütteln kann. Das bleibt in einem. Wenn viele Leute an einem zerren, dann merkt man, wie man wieder in ein altes Muster zurückfällt. Man versucht überall schnell durchzugehen, nirgends zu lange stehen zu bleiben und den Leuten nicht unbedingt ins Gesicht zu gucken. Das ist einfach noch drin und kommt sofort wieder.

Tom, Sie haben einen Instagram-Account, aber nutzen ihn gar nicht.

Tom: Das ist das, was ich meine. Ich habe mich da schon immer rausgehalten. Social Media ist mir viel zu negativ. Die Leute beschäftigen sich damit den ganzen Tag, jeder lässt da seinen Senf ab. Ich mochte das noch nie. Ich bin aber auch nicht so drauf, dass ich gerne Selfies von mir mache und denke: Oh, geil, guck mal, hier sehe ich süß drauf aus, das muss ich mit der Welt teilen.

Das machen dann andere für Sie, ne?

Tom: Ja, genau, das machen andere. Ich habe das noch nie gebraucht. Ich stehe morgens auf, guck in den Spiegel, bin da einmal weggeblasen und denke: Wow! Das reicht mir für den Tag. (lacht) Ich habe eh das Gefühl, dass das ein eher weibliches Ding ist, diese Selfie-Posterei.

Hat Tom noch einen Selbstbewusstseinsschub bekommen in den letzten Monaten?

Bill: Ach nee, sein Selbstbewusstsein ist unverändert. (lacht)

Georg: Das ist einfach nur die übertriebene Überspielung seiner Unsicherheit.

Bill ist der Instagram-Beauftragte bei Tokio Hotel?

Bill: Ja. Ich muss den anderen immer sagen: „Postet doch mal was!“ Aber die haben nicht so viel Bock drauf. Ich liebe Instagram.

Tom: Ich bin froh, dass Bill das übernimmt. Es gehört ja dazu, als Band muss man es irgendwie machen. Ich genieße den Komfort, dass ich es nicht machen muss. Es machen sich auch alle Leute lustig über mich, weil auf meinem Handy eine Instagram-Version drauf ist, die so alt ist wie Instagram selbst. Ich weiß nicht mal mehr mein Passwort. Ich sehe nicht, wie viel ich dort stattfinde. Es findet in meinem privaten Alltag einfach nicht statt. Ich habe mein Handy nur zum SMS-Schreiben, Telefonieren und Musikhören.

Bill: Ich hatte mir überlegt, Tom mein Uralt-Nokia zu schenken. So ein altes Schwarz-Weiß-Ding.

Tom: Aber ich mache ja auch private Fotos. In meinem privaten Fotoalbum sind Sachen drin: oh, oh, oh...

Hoffentlich keine Würstchen-Fotos!

Tom: Nein, ich bin Vegetarier. (lacht)

Ist die neue Tokio-Hotel-Single „Melancholic Paradise“ eigens für „Germany’s Next Topmodel“ geschrieben worden?

Bill: Nein. Aber Tom macht ja den ganzen Tag Musik. Und Heidi und Tom sitzen sich morgens immer gegenüber und arbeiten beide an ihren Laptops. Wenn er dann mal was anmacht, kriegt Heidi das natürlich auch mit.

Tom: Ich produziere die Songs zwar im Studio, aber höre jedes Demo im Auto.

Bill: Bei dem Song meinte Heidi jedenfalls, dass er doch super für das Opening der Show wäre. Für uns hat es vom Timing natürlich auch gut gepasst. Und zack, war die Sache eingetütet.

Haben Sie sich die Frage gestellt: Können wir das jetzt bringen?

Tom: Es wäre nur komisch gewesen, wenn ich als Modell in der Show angetreten wäre. Das wäre vielleicht wirklich etwas viel gewesen!

Georg: Aber ich glaube, du wärst auch da weit gekommen.

Tom: Ja, das glaube ich auch. Aber das hätte ich natürlich nicht gemacht.

Bill: Ich habe das mit dem Song als total natürlich empfunden. Wir arbeiten alle irgendwie im selben Feld. Natürlich unterstützt man sich gegenseitig, wenn man eine Familie ist, und man findet auch seinen Job gegenseitig gut – das ist doch klar. Der Gedanke, dass das jetzt zu viel sei, kam bei mir gar nicht auf.

Werden Sie einen Auftritt haben bei GNTM?

Bill: Das dürfen wir nicht verraten.

Das hätten Sie sich vor zwei Jahren aber auch noch nicht vorstellen können, dass Heidi Klum zu Ihrem Song bei Instagram tanzt, oder?

Bill: Eigentlich hätte man gleich ein Musikvideo daraus machen können! Es passt total, weil der Song so funky und disco ist. Unsere Songs sind sonst zwar auch elektronisch und tanzbar, aber haben oftmals eine andere Schwere. „Melancholic Paradise“ ist indes total leicht. Aus dem Instagram-Video, in dem Heidi tanzt, haben wir mittlerweile eine Aktion gemacht, damit auch andere zu dem Lied abtanzen. Ein paar Fans haben schon ihre Videos gepostet.

Was hat Sie für „Melancholic Paradise“ inspiriert?

Bill: Ich saß mit einem Freund morgens zu Hause, wir hatten gefeiert und Wein getrunken. Wir sprachen darüber, warum ich von Leuten nicht angesprochen und angebaggert werde. Ein anderer Kumpel hatte die Theorie, dass ich den Leuten Angst machen würde und sie sich deshalb nicht trauen, mich anzusprechen. Ich würde so selbstbewusst aussehen und müsste mehr auf die Menschen zugehen. Tom hat das Problem nicht und ist generell offener als ich. Dieser Freund meinte, ich würde immer ein bisschen nachdenklich und melancholisch wirken. Melancholisch wäre das erste Wort, was ihm einfallen würde, wenn jemand ihn bitten würde, mich vom Typ her zu beschreiben. Irgendwie verstehe ich das auch heute erst, dass das stimmt.

Wieso?

Bill: Schon als ich ein kleines Kind war, hat man mir gesagt, dass ich so eine Melancholie an mir habe. Ich habe zwar eine sehr fröhliche Seite, bin total gerne mit Menschen zusammen, bin auch so ein Gruppentyp, aber es gibt auch so eine traurige Seite, die ich in mir trage und die ich auch immer schon in meinen Texten, selbst in ganz jungem Alter, verarbeitet habe. L.A. ist natürlich auch so eine melancholische Stadt. Sie macht zwar total viel Spaß, hat aber auch eine einsame Seite: Man kann sich sehr allein fühlen in dieser Stadt. Wir haben ein Haus über der Stadt. Von dort kann man auf die ganze Stadt gucken und sieht die ganze Skyline von L.A. All diese Eindrücke kommen in dem Lied zusammen.

Wie und wo stellen Sie sich denn vor, in zehn Jahren zu leben?

Tom: Mit 40 würde ich mich gerne zur Ruhe setzen. Das fände ich schön. Warum schon mit 40? Weil wir schon mit 15 angefangen haben! Meine 40 ist für andere wie 70! Wohnen werde ich dann vielleicht in Südfrankreich, in irgendeinem kleinen Dorf. Ich glaube nicht, dass ich mich langweilen werde.

Georg: Dann wären wir Nachbarn! Ich würde auch gerne in Südfrankreich meine Altersresidenz haben.

Werden Sie Zwei dann immer noch zusammen wohnen, oder wie stellen Sie sich das künftig vor?

Bill: Nee, das glaube ich nicht. Aber in einer Stadt. Wir werden immer nah aneinander wohnen, das geht ja gar nicht anders. Doch nicht unbedingt unter einem Dach. Ich möchte ja auch irgendwann mal heiraten.

Tom ist bekanntlich versorgt. Wie sieht es denn bei Ihnen aus?

Bill: Ja, da gibt es gar nichts. Tote Hose.

Kann Tom da nicht helfen?

Tom: Ich bin schon den ganzen Tag Wingman.

Bill: Ja, das stimmt. Tom ist immer Wingman. Wenn ich mal einen Flirt habe oder will was klar machen, fädelt er das ein.

Tom: Ich spreche die Person dann an ...

Bill: ... weil ich mich ganz oft nicht traue. Ich bin ja sehr schüchtern privat.

Tom: Ich habe eine Wirkung wie ein Magnet.

Bill. Ich verliebe mich auch schwer, das passiert echt selten. Und dann meistens auch noch in die falsche Person.

Hat Heidi da nicht noch ein paar Leute zum Verkuppeln, damit die Familie noch größer wird?

Tom: Wir versuchen das beide schon immer.

Bill: Ohne Ende.

Tom: Aber du kannst nach der Liebe auch nicht suchen, das ist das Ding.

Bill: Sie muss einfach passieren.

Georg: Vielleicht lässt du dein Halsband einfach ab und zu mal weg, dann klappt das auch.

Bill: Ich glaube eher, dass das Halsband mir hilft.

Tom: Nee, da kriegen gleich alle Leute Angst.

Wie werden Sie Ihren 30. Geburtstag Anfang September feiern?

Bill: Am liebsten würde ich richtig groß feiern, mit allen Freunden zusammen. Aber ob wir dann nach Deutschland kommen, das wissen wir noch nicht. Das ist das letzte Mal, dass man so richtig feiern kann.

Tom: Ich überlege ja schon, gar nicht mehr so groß zu feiern. Ab 30 geht’s doch irgendwie bergab.

Georg: Die 40 ist dann auch nicht mehr weit.

Haben Sie jemals bedauert, die Band Tokio Hotel genannt zu haben?

Bill: Man denkt da nicht mehr drüber nach. Das ist wie ein Tattoo oder Leberfleck. Das ist immer da.

Tom: Ich finde den Namen nach wie vor mega.

Gibt es in Amerika ein gesteigertes Interesse an Tokio Hotel, jetzt, wo Sie wieder präsenter sind?

Tom: Wir haben in Amerika noch keine neuen Konzerte gebucht, weil wir immer warten müssen, dass wir das zusammen mit Lateinamerika machen. Ich hoffe, dass wir es diesmal hinkriegen, weil es für uns nicht einfach ist, die Produktion rüberzubringen. 2016 haben wir dort zuletzt gespielt. Wir waren die letzte Band, die im House Of Blues in L.A. aufgetreten ist.

Bill: Das waren damals bestimmt 25 Shows. Wir haben in Amerika eigentlich immer etwas gemacht.

Tom: Aber Amerika war immer ein anderer Markt für uns. Es war nie so, dass wir in jeder Klatschspalte drinstanden. Wir waren dort immer eher ein Independent-Act. Die Amerikaner haben uns ja nicht aufwachsen sehen. Es war nicht wie in Deutschland, wo man ab 15 in jeder Zeitung stand und jeder Schritt verfolgt wurde. In Amerika waren wir der coole Shit an den ganzen Colleges. Es war sehr viel musikbezogener. Da war man kein Shootingstar.

Wie groß sind die Ambitionen von Tokio Hotel? Möchten Sie noch mal die Nummer 1 sein, noch mal den MTV Award gewinnen?

Tom: Die Hälfte der Awards, die bei uns im Studio stehen, gibt’s nicht mehr. Den Grammy für die beste Produktion würde ich mir aber auf jeden Fall noch mal abholen wollen. Ansonsten ist das Wichtige, dass wir eine gute Balance gefunden haben zwischen Privatleben, Job und Touren. Wir waren früher, bevor wir die längere Pause gemacht haben, fünf Jahre am Stück unterwegs. Wir waren gar nicht zu Hause, so was wie Privatleben hat für uns überhaupt nicht existiert. Es fühlt sich jetzt wesentlich besser an. Auf dem Level, auf dem wir das damals gemacht haben, würden wir es auch nicht wieder machen, weil es einfach zu viel war. Wir waren echt mit den Kräften am Ende. Und man hatte auch die Lust verloren. Jetzt gerade, und auch schon mit den letzten Alben, fühlen wir uns so wohl wie noch nie.

Bill: Wir wollen immer nur das machen, worauf wir Bock haben. Wenn die Leute das lieben, ist das toll. Gegen einen megaerfolgreichen Song hast du natürlich nie etwas. Aber wir werden nicht unseren Weg verlassen, um bestimmte Dinge zu erreichen. Wir werden Musik rausbringen, wenn wir das gut finden und es uns im Herzen Spaß macht.

Würde es Ihnen etwas bedeuten, in Deutschland noch mal die Anerkennung durch einen Hit zu bekommen?

Bill: Im Radio gespielt hat man uns noch nie. Das wird auch nicht passieren. Die deutschen Radios spielen uns einfach nicht. Außerdem hat die Musikwelt sich so wahnsinnig verändert. Wir haben von „Durch den Monsun“ noch 700 000 physische CDs verkauft.

Tom: Heute weiß ich gar nicht, woran man so einen Hit noch messen kann. Die Nummer Eins von heute bedeutet nicht mehr viel. Heute reicht es ja schon, wenn ein paar Tausend Kids deine Sachen runterladen.

Bill: Wenn viele Leute deinen Song streamen, ist das zwar toll. Aber du kannst es nicht mehr richtig anfassen, deinen Hit. Früher konntest du den anfassen. Da wurden die offiziellen Charts ausgedruckt, darauf stand dann eine Nummer. Aber jetzt gibt es iTunes-Charts, Spotify-Charts und Shazeem-Charts. Es ist gar nicht mehr richtig greifbar.

Welche Bedeutung haben die Liveshows heutzutage für Tokio Hotel?

Tom: Unterm Strich machen wir das alles nur noch aus Spaß! (lacht)

Bill: Unsere Liveshows sind aufwendig, da stecken wir viel Geld rein, weil wir ja immer etwas auf die Bühne bringen wollen, was man noch nie gesehen hat. Vor allem was Licht, Produktion und die Aufbauten angeht. Auch auf der kommenden Tour. Versprochen.

Ist von dem Geld von damals noch was übrig geblieben? Denn an den Produktionen waren ja viele Leute beteiligt.

Bill: Ich sag mal so: Wenn man beim Major unterschrieben hat und als Band so jung in den Vertrag geht, sind das nie gute Verträge. Aber nicht umsonst sind wir nicht mehr beim Major-Label gesignt.

Tom: Heute geht es nur noch um Copyright – wer macht seine Sachen selbst, wer schreibt seine Songs selbst? Da stehen wir ganz gut da, weil wir alles selbst machen. Ansonsten verdienst du mit Musik nur noch live. Das war aber damals auch schon nicht viel anders, weil du noch eine Plattenfirma zwischen hattest. Wenn du eine Million Platten verkauft hast, sind das die ersten, die verdienen. Aber wir wollen uns jetzt auch nicht beschweren. Uns geht’s ja ganz gut.

Würden Sie trotzdem mal mit einem fetten US-Produzenten arbeiten?

Tom: Es gibt wenige Leute, mit denen ich arbeiten möchte. Wenn Mark Ronson Interesse hätte, würde ich wohl ja sagen. Ansonsten sind bei so großen Namen, und wir haben schon mit einigen zusammengearbeitet, bombastische Egos involviert. Damit kann ich nicht umgehen.

Bill: Ganz viele von denen haben einen Manager, und dann muss der Manager mit dem Manager reden. Und dann denkst du: Argh, ich wollte jetzt irgendwie Musik machen! Doch bevor der Produzent überhaupt den Raum betritt, musst du schon mal einwilligen, dass der 50 Prozent vom Copyright bekommt. Und dann denkst du: Der hat noch nicht eine Zeile geschrieben. Wir wollten doch erst mal gucken, ob wir überhaupt zusammen arbeiten können! Darum haben Tom und ich irgendwann gesagt, dass wir das eigentlich nicht mehr wollen. Wir schreiben nur mit Freunden und Leuten, die uns etwas bedeuten. So entstehen geile Sachen. Aber ich liebe ja auch Max Martin. Mit dem würde ich schon gerne mal einen Song machen.

Wann kommt das sechste Album von Tokio Hotel?

Bill: Wir werden es dieses Jahr aufnehmen. Wann es genau erscheint, wissen wir noch nicht. Wir veröffentlichen dieses Jahr ein paar Songs, fast alle als Single, und eine EP im Mai zur Tour. Wir werden live viele neue Tracks spielen, die nicht unbedingt schon veröffentlicht sind.

Tom: Auch das ist sehr anders als früher, wo man immer auf ein Album hingearbeitet hat. Es ist viel songkonzentrierter. Wenn dann das Album kommt, ist die Luft meist schon raus aus der Kampagne. Alle Künstler bringen nur noch Singles und Songs heraus. Aber das ist für mich auch okay, dann muss ich nicht so schnell ein ganzes Album fertigmachen.

Tokio Hotel live: am 29. Mai im Capitol.

Karten gibt es hier.

Von Katja Schwemmers