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Kultur Timothy Chooi siegt im Joseph-Joachim-Wettbewerb
Nachrichten Kultur Timothy Chooi siegt im Joseph-Joachim-Wettbewerb
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00:21 29.10.2018
Voller KÖRPEREINSATZ: Timothy Chooi siegt im Joseph-Joachim-Violinwettbewerb. Die Radiophilharmonie begleitet unter Andrew Manze.
Voller KÖRPEREINSATZ: Timothy Chooi siegt im Joseph-Joachim-Violinwettbewerb. Die Radiophilharmonie begleitet unter Andrew Manze. Quelle: Krückeberg
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Das hatte schon große Klasse, wie Timothy Chooi Tschaikowsky bewältigte, ganzer Körpereinsatz, schmelzender, runder ausgewogener Ton und keinerlei Schwierigkeiten mit den virtuosen Seiten des Violinkonzertes brachten den ersten Platz Joseph-Joachim-Violinwettbewerb, 50 000 Euro und die Aussicht auf eine internationale Karriere.

Der Kanadier siegte im Großen Sendesaal souverän im mittlerweile 10. Wettbewerb, der weltweit der höchstdotierte seiner Art ist. Ins Finale waren sechs junge Geiger und Geigerinnen gekommen, um mit Klassikern von Tschaikowsky, Sibelius und Mendelssohn ihre Klasse zu beweisen. Die Musiker hatten zwar die freie Wahl, sich vielleicht auch mal mutig einem unbekannteren Werk zu widmen – wenn man halt das Bekanntere drauf hat ...

Und das hatte Chooi. Seine Interpretation war ausgewogen, er konnte auch schmachten ohne zuviel Puderzucker auf dem Geigenbogen. Das Allegro moderato wirkte fast ein wenig zu mühelos und durchgearbeitet – Tschaikowsky war insofern kein Abenteuer mehr.

Dmytro Udovychenko sieht ein wenig Nerd-mäßig aus, wäre da nicht das Glitzerhemd. Das Violinkonzert von Sibelius ist hier jedenfalls als nordischer Romantiker zu bestaunen, sondern ein Stück fast zeitgenössischer Ausdrucksmusik. Der Ton schlank und in wunderbarem Kontrast zum groß aufspielenden Orchester. Von Schwierigkeiten hält der Ukrainer nichts, die er mit seinem sauberen, schlanken und fettfreien Bogenstrich mühelos bewältigt, hinreißend das abschließende Allegro. Das bringt sicher den zweiten Platz und 30 000 Euro.

Und noch einmal Sibelius. Erstmal hängt sie locker ihr Schweißtuch über das Dirigentenpult von Andrew Manze, das wird noch gebraucht. Cosima Soulez Larivière platziert sich mit einem bemerkenswert eigenständigen Blick auf das viel gespielte Violinkonzert. Sie wirkt ein wenig wie eine zarte blonde Elfe, der Ton ist eisklar und fast stählern, vergleichsweise groß und kraftvoll, die enormen spieltechnischen Anforderungen machen ihr kaum Schwierigkeiten bei kleinen Unsicherheiten im langsamen Satz. Aber insgesamt zählt der persönlich starke Ansatz und der macht den dritten Platz aus mit 20 000 Euro.

Der junge Japaner Rennosuke Fukuda macht mit ebenfalls Tschaikowsky den vierten Platz (8000 Euro) – überraschend empfindsam und vorsichtig. Auf dem fünften Platz landet Leonard Fu, der gebürtige Kieler ist mit einem viel zu druckvollen Mendelssohn dabei (8000 Euro) und dahinter die Koreanerin Youjin Lee mit Tschaikowsky.

Von Henning Queren