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Kultur Tim Burtons Horrorsatire "Dark Shadows"
Nachrichten Kultur Tim Burtons Horrorsatire "Dark Shadows"
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11:07 10.05.2012
VAMPIRHAUSHALTt: Auf Barnabas (Johnny Depp) und seiner Mutter Elizabeth (Michelle Pfeiffer) lastet ein Fluch.
VAMPIRHAUSHALTt: Auf Barnabas (Johnny Depp) und seiner Mutter Elizabeth (Michelle Pfeiffer) lastet ein Fluch. Quelle: Warner
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Er ist der Meister der seltsamen Geschöpfe mit Herz. Edward hatte Scherenhände, Ed Wood das Feuer des unbegabten Filmemachers, Edward Bloom war ein Weltenvagabund („Big Fish“), Sweeney Todd ein schauriger Barbier, Charlie ein Schoko-Kindskopf und Alice eine Verirrte im Märchenland. Der Regisseur Tim Burton ist ein Zauberer. Einer der Letzten, die noch die Magie des Kinos erwecken können - und sei es in grotesken, düsteren Horrorsatiren.

Diese britische Eigenart hat es dem Mann aus Burbank (Kalifornien) angetan. So sieht denn „Dark Shadows“, der Film nach einer Fernsehserie der 60er Jahre (recycelt in den Neunzigern), auch aus wie ein Comic aus dem Nachlass von Bram Stoker, der durch den Wolf der Psychedelic-Ära gedreht wurde. Die Addams Family in Gothic-Pop.

„Dark Shadows“ erzählt von der Familie Collins, die 1750 aus Liverpool nach Maine kam, durch den Fischfang reich wurde und eine Stadt und ihr Schloss baute - bis sich Barnabas (Johnny Depp), der Sohn, in die fade Josette verliebte und die rassige Angelique (Eva Green) übersah.

Das ist Pech für ihn: Angelique ist eine Hexe. Die schickt Josette auf eine Klippe, die unglaublich hoch und fatal über dem tosenden Meer klebt. Barnabas springt hinterher, überlebt aber als Vampir. Angeliquelässt ihn im Wald verscharren - bis ihn 1972 Bauarbeiter ausbuddeln. Die trinkt er erst einmal leer und geht dann bleichgesichtig und blutverschmiert ins Schloss. Das ist genauso heruntergekommen wie die Verwandtschaft verarmt.

Barnabas will helfen, kann allerdings kein Silber berühren, kein Sonnenlicht vertragen und die moderne Welt nicht verstehen. Doch findet er in der Familienchefin Elizabeth (Michelle Pfeiffer) und ihrer quengeligen Tochter verwandte Seelen.Zudem trifft er auf eine Nanny, die wie seine Josette aussieht. Leider gibt es da aber auch noch eine Psychiaterin, die bald scharf auf sein Blut ist - und es gibt immer noch Angelique. Sie will Barnabas. Sie bekommt ihn zum Sex, aber sie bekommt ihn nicht ganz.

Aufatmen! „Dark Shadows“ hat so gar nichts von der verklemmten „Twilight“-Gänseblümchenstickerei. „Dark Shadows“ ist eine hinreißende, handfeste Satire, die komisch ist, weil sie die eigenen Figuren, Szenen und Situationen ernst nimmt. Die Gothic-Ausstattung ist atemberaubend, der Witz geschliffen und doppelbödig, die Komik blitzgescheit und hintersinnig, der bombastische Showdown im Schloss überwältigend. Es gibt Geister, Hexen, Vampire und eine Collins, die sich als Werwolf entpuppt.

Dieser Film ist ein Angriff auf alle Sinne, mit unglaublichen Details in den opulenten Bildern, die man wohl nur in Zeitlupe wirklich wahrnimmt. Bei einer Party taucht Alice Cooper auf, den Barnabas für eine Frau hält, während im nassen Sturzfinale Romantik leuchtet. So schön kann Kino sein.

Bewertung: 5/5