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Kultur Theater an der Glocksee bittet zur „gesellschaftspolitischen Tanzstunde“
Nachrichten Kultur Theater an der Glocksee bittet zur „gesellschaftspolitischen Tanzstunde“
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16:31 12.12.2019
Hier wird es gesellschaftspolitisch: Szene aus der „Tanzstunde“ im Theater an der Glocksee. Quelle: Jonas Wämpner
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Hannover

„Eine gesellschaftspolitische Tanzstunde“ verspricht die neue Produktion des Theaters an der Glocksee. Und auch wenn die Bühne mit ein paar Absperrbändern nur sehr karg geschmückt ist, werden sofort Erinnerungen an die Tanzschule wach, als eine Frau und zwei Männer herauskommen und sich verschüchtert weit voneinander entfernt im Raum platzieren.

„Das Problem ist …“ heben die Drei auf der Bühne nacheinander an und verstummen sofort wieder. Es geht um mehr als Wiegeschritt und ein paar gesellschaftliche Benimmregeln, das ist schnell klar, auch wenn diese Elemente immer wieder ins Spiel gebracht werden.

Alles in eine Schublade

Zu den „Unterrichtszielen des Welttanzprogramms“ gehört, dass die Tänzer eine gespielte Musikrichtung erkennen und selbstständig einen passenden Tanz wählen. Aber muss man für alles eine Schublade finden?

Andrea Casabianchi, Martin Maecker und Leif Scheele spüren in den Texten, die sie mit Regisseur Jonas Vietzke erarbeitet haben, den Problemen unserer Zeit nach. Darf man fordern, sämtliche „-ismen“ abzuschaffen, wenn es möglicherweise Menschen gibt, die so heißen? Darf man nachts Angst vor dunkelhäutigen Menschen haben? Darf man das gute Geschirr wirklich nicht für normales Essen nehmen? Und: Ist es möglich, dass man für das so genannte „Gendern“ ist – und gleichzeitig dagegen?

Jenseits von Gut und Böse

Differenzierung hilft, wie die Akteure bei einer Publikumsabstimmung deutlich machen – und erschwert gleichzeitig alles. In einer hochkomplexen Welt gibt es kein einfaches „Gut“ und „Böse“ mehr, kein „Richtig“ oder „Falsch“. Es wird einfacher, wenn man nur noch Leuten aus der eigenen Blase zuhört. Aber eine Lösung ist das nicht.

Deshalb ist es nur konsequent, dass der Abend mit den selben Worten endet, mit denen er begonnen hat. Manchmal scheitert man schon daran, ein Problem angemessen zu benennen. Aber der Versuch, die Gedanken anzustoßen, ist gelungen – und dank guter Ideen und großartiger Akteure ist daraus ein höchst unterhaltsamer Theaterabend geworden.

Termine und weitere Informationenfinden Sie hier.

Von Matthias Wieland

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