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Kultur „The Australian Pink Floyd Show" in der AWD-Hall in Hannover
Nachrichten Kultur „The Australian Pink Floyd Show" in der AWD-Hall in Hannover
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13:43 14.03.2010
Von Ronald Meyer-Arlt
„The Australian Pink Floyd Show" am Freitagabend in der AWD-Hall.
„The Australian Pink Floyd Show" am Freitagabend in der AWD-Hall. Quelle: Frank Wilde
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Lustig: Am Anfang von „Wish you were here“, wenn knisternd das Wechseln der Radiosender zu hören ist, erklingt kurz auch „Do you come from a land down under“ von Men at Work, dann setzt wuchtig die akustische Gitarre ein, und der große alte Pink Floyd-Song ertönt in seiner ganzen Pracht. Der Gruß von „Down under“ war ein kurzes Signal, welche Männer hier am Werk sind: die wackeren Arbeiter aus dem Amt für Denkmalpflege der „Australian Pink Floyd Show“, immerhin die einzige von Mitgliedern der Originalband legitimierte Tribute-Band. Die Pink-Floyd Kopierer aus Australien kommen regelmäßig nach Hannover, das letzte Mal waren sie im Februar 2009 hier. Damals brachten sie „The Wall“ mit in die AWD-Hall, jetzt gastierten sie am selben Ort mit einem etwas weiteren Streifzug durch die Bandgeschichte.

Das Leittier dafür ist weder Schwein noch Schaf, sondern ein animiertes Känguruh, das auf der Leinwand im Hintergrund bei seiner Lieblingsbeschäftigung zu sehen ist. Es hört Musik. Von Pink Floyd.

Känguruh hat einen Plattenschrank und einen Plattenspieler (von Marantz), es hoppelt von einem zum anderen, und legt auf, was kostbar war (und ist) und was Musikgeschichte geschrieben hat: die Langspielplatten „Dark Side of the Moon“, „Wish you were here“, „Animals“. Nach der Pause bedient das animierte Känguruh einen
Walkman: es legt eine Kassette mit einem „Pink Floyd Mix“ ein, in diesem Medley wird dann auch „ „Run like Hell“ aus dem Album „The Wall“ zu hören sein. War das der Höhepunkt des Abends? War es „High Hopes“ aus „The Division Bell“?

Oder war es „Comfortably Numb“? Egal. Comfortably numb – angenehm betäubt jedenfalls waren am Ende auch die Zuschauer in der ausverkauften AWD-Hall. Der Sound war glockenklar, aber druckvoll bis an die Schmerzgrenze. Die Sänger Ian Cattell, Damian Darlington und Steve Mac kamen den Klangfarben von David Gilmour, Roger Waters und Richard Wright erstaunlich nah. Die Animationen, die immer wieder die Figur des Kreises als Auge, Kugel, Schallplatte und Loch, durch das man in andere Dimensionen stürzt, variierten, waren trotz eines nicht unerheblichen Kitschpotenzials sehenswert.

Am Ende der dreistündigen Show jedoch stellt sich ein Gefühl der Übersättigung ein. Das liegt nicht nur an der Lautstärke, sondern vor allem an den Arrangements der Australier, die jede besonders schöne Stelle so lange auswalzen, bis man sich wünscht, sie ginge jetzt mal zu Ende.

Das zerstört natürlich jede Magie. Man verlässt die AWD-Hall mit einem Klingeln in den Ohren und einem Gefühl der Leere im Bauch. Pink Floyd wird nicht mehr auftreten, die Australier sind das kleinere Übel. Sie werden wiederkommen.