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Kultur Tenor Florian Hoffmann erstmals bei den Bayreuther Festspielen
Nachrichten Kultur Tenor Florian Hoffmann erstmals bei den Bayreuther Festspielen
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11:01 22.08.2009
Florian Hoffmann als Erik und Anna Gabler als Senta proben im Festspielhaus Bayreuth eine Szene aus Richard Wagners Oper „Der fliegende Hollaender“. Quelle: Bayreuther Festspiele/Sönke Borgwardt/2009/ddp
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Mit ihrem Jugendfreund Erik geht Senta wenig sanft um: Seinen Lieblingsteddy fesselt sie mit einem dicken Seil an einen Bettpfosten. Senta ist zwar mit Erik zusammen, aber verliebt ist sie nicht in ihn. In der ersten Kinderoper bei den Bayreuther Festspielen in diesem Sommer agiert Florian Hoffmann, der junge Tenor aus Berlin, als Erik mit Hirschgeweihmütze im „Fliegenden Holländer“ mit Witz und Tempo und mit schönem Bariton-Trimbre in der Stimme.

Am nächsten Tag dann ist er Augustin Moser, einer der „Meistersinger von Nürnberg“ im großen Bayreuther Festspielhaus. Für den 31-jährigen Sänger ist es der erste Sommer in Bayreuth. Er hat ihn als spannend, aber auch als anstrengend empfunden, „weil man Augen und Ohren die ganze Zeit offenhält, um möglichst viele Eindrücke mitzunehmen“.

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Als der Anruf aus Bayreuth kam, er möge sich doch zum Vorsingen vorstellen, überlegte Hoffmann nicht lange, auch wenn der eigene Terminplan eng ist: „Als die Anfrage an mich kam, hab’ ich mich zwar sehr gefreut, es war aber auch relativ kurzfristig. Trotzdem habe ich mir gesagt: Das muss ich machen!“ Mit den Zeiten musste er schon sehr jonglieren, denn er wusste bereits, dass zwischen seinem letzten Auftritt am Mittwoch (26. August) in Bayreuth und dem ersten nach der Sommerpause in Berlin nur drei Tage liegen werden. Am 29. August wird er dort mit Waltraud Meier und Rene Pape in Richard Wagners „Tristan und Isolde“ auf der Bühne stehen.

„Ich war sehr gespannt, doch eigentlich bin ich ohne konkrete Erwartung hingefahren. Ich wollte einfach sehen, wie da gearbeitet wird und wie es sich entwickelt“, sagt Hoffmann. Erhofft habe er sich aber eine hohe musikalische Qualität und eine szenische Arbeit, die ihn anspricht. Früher habe er nie gedacht, dass er mal dort auf der Bühne stehen könnte. „Und als die Anfrage kam, da habe ich gedacht, das muss ich machen, ich will da mal sein. Es ist sicher auch für die sängerische Entwicklung nicht von Nachteil, hier engagiert zu sein.“

Mit Kinderopern hat der junge Mann schon einige Erfahrungen. Seit sieben Jahren ist er immer wieder in einer „Zauberflöte“ für Kinder im Berliner Konzerthaus zu sehen. Und auch in der Münchner Inszenierung der Mozart-Oper für Kinder am Gärtnerplatz-Theater war er mit dabei. Die Premiere einer Kinderoper bei den altehrwürdigen Bayreuther Festspielen ist seiner Ansicht nach sehr gut angekommen. „Diese Version des ’Fliegenden Holländers’ hat bei den Kindern keine Fragen offen gelassen. Die Geschichte wurde schön erzählt, es gab entscheidende Stellen der Musik zu hören. Und es war sehr spannend, weil es ja für alle Beteiligten das erste Mal war.“

Seit 2005 ist der gebürtige Berliner Mitglied des Ensembles der Staatsoper Unter den Linden, sang dort in der Uraufführung des „Chief Joseph“ von Hans Zender ebenso wie in Ludwig van Beethovens „Fidelio“ unter der Leitung von Daniel Barenboim. Hier war er zuletzt in Wolfgang Amadeus Mozarts „Entführung aus dem Serail“ in der Regie von Michael Thalheimer zu erleben. Doch auch etliche Wagner-Partien gehören inzwischen zu seinem Repertoire. Mittlerweile gehört die Musik Richard Wagners zu seinen ganz persönlichen Vorlieben: „Nicht immer was das Singen angeht, aber beim Hören“, sagt er.

Mit den heftigen Zuschauerreaktionen nach den „Meistersinger“-Aufführungen für Regisseurin Katharina Wagner hadert Hoffmann bis zur letzten Aufführung. „Ich finde, dass es eine gute Inszenierung ist, weil sie versucht, einen anderen Weg zu gehen“, sagt er. „Das ist für jemanden, der auch noch Wagner heißt, ein Weg, der sicher schwer zu beschreiten ist.“ Man müsse ihr das hoch anrechnen, dass sie das getan habe. „Eine mutige, aber gelungene Produktion, wie ich finde.“ Als Sänger leidet er mit, wenn sie ausgebuht wird. „Auf der Bühne kommt das immer an wie ein Orkan“, sagt er. Als Sänger, da ist er froh, hat er das in seiner jungen Karriere noch nie erleben müssen.

ddp