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Kultur Sven Regener: Immer zuerst die Musik
Nachrichten Kultur Sven Regener: Immer zuerst die Musik
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11:54 16.05.2019
Sven Regener Quelle: dpa
Hannover

Element of Crime gehen auf Tour, kommen am 16. Mai in die Swiss-Liefe-Hall. Bandchef Sven Regener über lange Songs, schlechte Laune und die Verweigerung von Selfies.

„Schafe, Monster und Mäuse“ ist das bislang längste Element-of-Crime-Album geworden. Wie kommt‘s? Hatte sich etwas aufgestaut?

So würde ich es nicht formulieren. Die Platte hat zwölf Songs, das ist eher normal. Nur die Songs sind lang, da gab es wohl eine gewisse Tendenz zu epischen Texten und Instrumentalteilen. Manchmal ist man sehr für das Sparsame, Lakonische, manchmal setzt sich das Ausufernde, Verspielte durch – so ist das eben. Es hat vielleicht mit den Songs zu tun, wer weiß...? Aber wir wollen auch nicht übertreiben: Eine Gesamtspielzeit von 56 Minuten macht ein Album noch nicht gleich zum Monumentalwerk.

Auffällig sind zwei Dinge: eine Vielzahl an Soli und eine klare Verortung als Berliner Band. Was sind die Gründe dafür?

In der Kunst gibt es eigentlich keine Gründe. Jedenfalls keine gesicherten. Uns war halt danach: Spielfreude und ein exzessiver Gebrauch tatsächlich vorhandener Orte. Berlin gehört ja sowieso allen, genau wie New York, London oder Los Angeles. Da kann doch eh jeder mitreden. Insofern ist eine solche Verortung nicht so speziell und bemerkenswert wie etwa eine in Delmenhorst, Bremen oder Holzminden.

Wie werden Sie das Album live umsetzen?

Wir spielen alle neuen Songs und viele alte dazu. Und alle immer etwas anders, als auf der Platte, das liegt in der Natur der Live-Sache. Bei den älteren Songs haben wir natürlich eine Riesenauswahl. Da kann man auch von Abend zu Abend Songs austauschen, wenn man will. Meistens wollen wir das.

Wie schreiben Sie? Text vor Musik, andersherum, mal so, mal so? Und warum auf diese Weise?

Wir machen immer zuerst die Musik, weil wir eine Band sind und man eher die Musik zusammen entwickeln kann, als dass man zusammen, also im Kollektiv einen Text vertonte. Es ist deshalb im ganzen Rock ’n’ Roll doch eher der Normalfall, dass man erst die Musik macht. Eine reine Textvertonung ist eher im Schlager und in der Volksmusik die Regel. Die musikalischen Ideen kommen bei uns dann natürlich von allen und jedem. Ich singe dann immer schon so lalala und entwickel eine Gesangsmelodie. Und irgendwann suche ich dann den Text dazu.

Positiv ist die Grundstimmung nicht gerade. Woran liegt es?

Positiv ist die Grundstimmung auf jeden Fall. Nur nicht manisch. Und das ist auch gut so. Songs, in denen es heißt „You can win if you want“ deprimieren mich eher. Letzten Endes erzählen Songs ja auf die eine oder andere Weise Geschichten, und Geschichten haben immer auch mit Schwierigkeiten zu tun, sonst wären sie ja keine.

Ist schlechte Laune eine bessere Muse als gute?

Nein. Die Laune ist bei Musik und beim Musikmachen und beim Songschreiben immer gut, weil in der Musik ja auch das Traurige schön ist. Das ist ja das Tolle daran. Zu einem Konzert geht man immer, um sich zu amüsieren, und das geht auch mit Chopins „Trauermarsch“ oder Elvis Presley’s „Heartbreak Hotel“. Wer schlechte Laune hat, sollte mit dem Songschreiben solange warten, bis es besser geworden ist.

Oder lohnt es sich nicht, über Schönes zu singen?

Unsere Songs handeln vom Leben in all seinen Facetten, aber sie spielen nicht in einer heilen Welt. Wer heile Welt will, kann ja Schlager oder Volksmusik hören.

Ist Ihnen Glück suspekt?

Nein. Man strebt danach. Das ist guter Stoff für Songs. Und schließt Rückschläge und Schwierigkeiten mit ein.

Was haben Sie eigentlich gegen Gesundheits- und Fitness-Fanatiker? Ist es der messianische Eifer?

Ich habe generell etwas gegen Fanatiker. In dem Song, auf den Sie anspielen, geht es vor allem darum, dass man nicht dauernd von ihnen behelligt werden will. Was natürlich ein frommer Wunsch bleiben muss.

Und warum haben Sie, warum hat Ihr lyrisches Ich „keine Freude mehr am Sommer“?

Das Lied heißt: „Im Prinzenbad allein“. Schon der Titel beantwortet, glaube ich, diese Frage ganz gut.

Wie kann man sich Sie an heißen Tagen vorstellen. In Badehose?

Gar nicht. Wir stellen keine Selfies raus. Auch nicht in Worten.

Und wie sieht ein perfekter Tag aus?

Schwer zu sagen. Gibt es sowas? Dann sieht er vielleicht so aus, wie Lou Reed ihn in „Perfect Day“ beschreibt.

16. Mai in der Swiss-Life-Hall (20 Uhr). Karten in den NP-Ticketshops; 44,50 Euro.

Von Stefan Gohlisch

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