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Kultur Susanne Mischke stellt neuen Krimi "Totenfeuer" vor
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19:24 22.10.2010
Quelle: Jens Niebuhr
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Ein Hannover-Krimi und kein Maschsee, kein Hannover im Titel. Warum?

Ja, das ist Absicht. Ich möchte die Serie bundesweit platzieren, aus der reinen Regiokrimi-Ecke herausbringen. Meine Krimis haben sich ja immer bundesweit verkauft, auch bevor ich aus Darmstadt nach Hannover kam.

Wie viel verkaufen Sie von einem Buch in etwa?

„Der Tote vom Maschsee“ liegt samt Taschenbuch bei 35000, „Der Tod an der Leine“, bislang nur im Hardcover, bei mehr als 20000.

Wissen Sie, wie viele Leser Sie in Hannover und wie viele Sie im Süden haben?

Nein. Ich wollte das vom Verlag wissen, schon wegen der Titel-Entscheidung. Aber so eine Statistik wird einfach nicht geführt.

Aber die Hannover-Serie läuft weiter?

Der nächste Völxen ist schon in Arbeit – ein ganz aktueller, es geht um Jugendliche mit und ohne Migrantenhintergrund.

Wie wählen Sie Ihre Fälle?

Nach Gefühl. Bei „Totenfeuer“ war es simpel: Mein Sohn war beim Osterfeuer und meinte: ‚Mama, leg mal ’ne Leiche ins Osterfeuer, das wär doch krass.’ Dann kommt die Frage, wer im Feuer liegt. Da war ich auf einer Esoterik-Messe und war fasziniert, womit einem da alles Geld aus der Tasche gezogen werden soll. So entstand Dr. Felk.

Außerdem spielt die Vergangenheit hinein – nach einem wahren Fall?

Nicht direkt. Aber dass Juden in Deutschland in der Nazizeit um ihr Vermögen gebracht wurden, ist ein trauriger Fakt und viel zu wenig Thema. Mein Kollege Richard Birkefeld hat dazu ausführlich recherchiert.

Auch andere Krimi-Autoren entdecken Hannover. Ärgert Sie die Konkurrenz von außerhalb?

Wenn sie dumme Plagiate hervorbringt, finde ich es ärgerlich, ob auswärts oder nicht. Aber sonst: Nein, gar nicht. Ich schreibe einen Erwachsenenkrimi pro Jahr, Krimifans verschlingen zwei pro Woche, da ist Platz auf dem Markt. Ich gebe ja selbst eine Krimi-Reihe im Zu-Klampen-Verlag heraus und freue mich, wenn die Autoren erfolgreich sind. Ich setze auf die Qualität.

Fühlen Sie sich inzwischen wohl als Hannoveranerin?

Doch, schon. Ich ziehe aber wieder um, von der Südstadt nach Ricklingen. In eine Wohnung mit Garten – besser für die Hunde.

Sie haben Hunde? In „Totenfeuer“ spielt ja erstmals einer mit.

Ich habe zwei Jagdhunde: Bruno, einen Korthals Griffon, und Wilma, einen Petit bleu de Gascogne. Deshalb fand ich es lustig, zwischen Völxens Schafen jetzt auch einen Hund zu platziere.

Susanne Mischke liest am 26. Oktober, 20.15 Uhr, bei Schmorl & von Seefeld.

Buchrezension:

Wenn im Osterfeuer bei Vörie ein Leichnam schmort

Wie findet man bei einem völlig verbrannten Leichnam das Alter heraus? „Des isch ganz oifach“, sagt Dr. Bächle. „Ma’ sägt ’n in der Mitte durch und zählt die Ringe.“ Gestalten wie dieser gemütlich-makaber scherzende schwäbische Pathologe der hannoverschen Kripo sind es, die den Krimi „Totenfeuer“ von Susanne Mischke so vergnüglich machen. Der Fall selbst scheint schnörkellos: Aus dem lodernden Osterfeuer auf dem Vörier Berg schaufelt der Trecker eine verkohlte Leiche heraus. Ein Ex-Arzt ist es, der auf Eso- und Geisterheiler umsattelte. So einige hatten etwas gegen ihn.

Zum dritten Mal tritt das Team um Kommissar Völxen in Aktion. Er selbst war beim Osterfeuer zugegen, wohnt ja wegen seiner Schafzucht im alten Bauernhaus bei Vörie – da fällt das Ermitteln gegen Nachbarn schwer. Und das Team hat auch einiges um die Ohren: Jule zürnt ihrem Liebhaber, Oda spioniert ihrer offenbar koksenden Tochter nach, Fernando muss für die Tante aus Spanien den Verlobten markieren. Dennoch kommen die Ermittlungen voran. Gelungene Drehs, amüsant, spannend, viel Lokalkolorit, genau richtig für ein paar schöne Leseabende.
Susanne Mischke: „Totenfeuer“. Piper, 304 S., 12,95 Euro.