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Kultur Stünkel und Wiesinger über ihr neues Foto-Projekt
Nachrichten Kultur Stünkel und Wiesinger über ihr neues Foto-Projekt
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05:49 23.03.2012
Von Stefan Gohlisch
Besuch in der NP-Redaktion: Franziska Stünkel und Kai Wiesinger.
Besuch in der NP-Redaktion: Franziska Stünkel und Kai Wiesinger. Quelle: Ralf Decker
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Hannover

Vor fünf Jahren hatten sie sich im Rahmen eines geplanten Films kennengelernt, der nie zustande kam, vor drei Jahren bei einem Regieverband-Treffen in Berlin wiedergetroffen. „Wir haben die komplette Nacht miteinander geredet und ausschließlich miteinander geredet“, erzählt Wiesinger. Seither sind sie miteinander befreundet und sprachen auch immer wieder über eine geteilte Leidenschaft, die für die Fotokunst. Beide nehmen seit ihrer Kindheit Fotos auf: „Ich wollte damals eigentlich Tierfotograf werden“, so der Schauspieler, „der nächste Heinz Sielmann.“ Die Bilderserien, die nun in einem prächtigen Bildband und in einer Ausstellung in Hamburg zu sehen sind, wirken zunächst sehr unterschiedlich.

Stünkel zeigt Bilder ihrer Serie „Seven Billion Stories“, für die sie 2009 den Audi Art Award gewann und die in Hannover bereits in der Galerie Robert Drees zu sehen waren. Es geht ihr um die Durchdringung der Lebensgeschichten von Menschen. Sie zeigt scheinbare Momentaufnahmen, die in Asien entstanden. Erst auf den zweiten Blick erkennt man das gemeinsame Moment: das Spiegeln von Menschen in Schaufensterscheiben, ein doppelbödiges Spiel mit der Weltwahrnehmung.

Auch Wiesingers Aufnahmen haben zunächst etwas Zufälliges, und doch strahlen sie eine irritierende Intimität aus. Er fotografierte bei den Dreharbeiten zum Film „Wunderkinder“, in dem es um musikalisch hochbegabte Kinder in der NS-Zeit ging. Braun und sepiafarben sind diese Fotos, wo Stünkels Bilder vor Farbe strahlen. Ihn interessierte der Moment zwischen der Realität des Filmens und der gefilmten Realität: „Wie fühlt es sich als Schauspieler an?“ Auch hier also ein Spiel mit doppeltem Boden, ein Dialog der Geschichten eben.

Das schlägt sich im Bildband nieder. Es ist ein Flipbook, dessen eine Hälfte Wiesingers und dessen andere Stünkels Schaffen dokumentiert. Man kann es auf beiden Seiten aufschlagen und richtig herum lesen. In der Mitte begegnen sich die Porträts beider, wiederum ineinander gespiegelt. „Ich liebe Bücher“, sagt Stünkel, „und an diesem ganz besonders, dass es nichts künstlich Zusammengewürfeltes ist, auch wenn unsere Bilder formal ganz unterschiedlich sind.“

Die Ausstellung wurde diese Woche eröffnet. Beide Künstler arbeiten schon an den nächsten Foto-Projekten. Es gibt noch so viele Geschichten zu erzählen.

Die Ausstellung „Dialog der Ge-schichten“ ist bis 11. April in den Hamburger Sophienterrassen (Mittelweg 10) zu sehen. Der dazu erschienen Bildband (Gudberg, 132 Seiten, 49,90 Euro) ist im Buchhandel erhältlich oder zu bestellen.