Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Stone Sour macht lustig
Nachrichten Kultur Stone Sour macht lustig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:58 11.06.2018
Am Abzug: Corey Taylor, Sänger der Band Stone Sour, hatte bei seinem Auftritt in der Swiss-Life-Hall seinen Spaß. Vor allem mit seiner riesigen Konfetti-Kanone. Quelle: Fotos: Franson
Hannover

Wie er so da­steht in der Swiss-Life-Hall, in seinem rötlichen Sakko und mit dem freundlichen Grinsen, die Wasserflasche hoch erhoben und freundlich plaudernd, könnte Corey Taylor auch der Moderator einer Vorabendshow sein – wenn er denn nicht so viel fluchen würde. Dass Deutschland zu seinen Lieblingsländern auf der ganzen „fucking“ Welt gehöre, erzählt er, dass es „fucking“ gut sei, wieder da zu sein, und dass man daher die Hände in die „fucking“ Luft erheben solle.

Gute Stimmung; das gehört sich so, wenn Stone Sour – pardon: Stone „fucking“ Sour – in der Stadt sind. Darauf einen Schuss aus der Konfetti-Kanone, die hier wirklich wie eine Kanone aussieht, wie eine überdimensionierte vielläufige Flinte, und die Taylor beinahe so oft betätigt, wie er Wasserflaschen in die Menge wirft.

Die Alternative-Metal-Band Stone Sour legte Montagabend in Hannover los – hier die Bilder vom Konzert in der Swiss Life Hall.

Corey Taylor ist so etwas wie ein Posterboy des Alternative Metal, ein hübscher Kerl mit offenem Gesicht und mächtig viel Energie – Typ: lustiger Schreihals. Normalerweise sieht man das nur nicht so: Bei seiner Erstband Slipknot trägt er Maske. Stone Sour hat er 1992 als Neben- und Spaßprojekt gegründet; richtig Fahrt nahm die Band allerdings erst auf, als zur Jahrtausendwende sein alter Kumpel, der Gitarrist Josh Rand, dazustieß.

Der hat gerade eine schwere Zeit hinter sich, er musste An­fang des Jahres bei der Tour aussetzen, um sich wegen seiner Alkohol- und Medikamentensucht behandeln zu lassen: „Es fühlt sich an wie eine Wiedergeburt“, sagte er unlängst der NP. Jetzt geht’s ihm sichtlich besser. Die ganze Band lässt es sich gut gehen. Eine feste Setlist gibt es nicht bei den Europakonzerten, ein paar Standards, der Rest ist Abend für Abend neu zusammengewürfelt.

Die Band wird gleich nach der ersten Viertelstunde vorgestellt. „You’ll Haunt me“ spielt sie erst mal mit dem Basslauf von „Walking on the Moon“ von The Police, bevor sie in den Sprint-Modus des Originals übergeht. Eine bunte Mischung aus Alt und Neu (vom aktuellen Album „Hydrograd“) bis zu Slipknot-Reminiszenzen, aus Metal, Grunge und Schabernack, vom Blues-Brothers-In­tro über „Gone Sovereign“ und „Made of Scars“ bis zu „Fabuless“ in den Zugaben.

Ein bisschen Karneval mit ganz viel Dezibel ist das. Bassist Johnny Chow betreibt eifrig Beardbanging. Die Pyrotechnik läuft heißt, die Strahler ätzen in die Augen. Und Taylor versinkt in der Rolle des Metal-Entertainers, brüllt und rappt, läuft und springt. Ein einziges wunderbares Gepose. Virtuos gespielt, im klanglichen Abgang leider nicht so dolle. Egal. Und dann singt er „Bother“, nur zur Gitarre. Traumschön. Das Hannover-Konzert ist eines von nur zwei regulären Deutschland-Konzerten der Band im aktuellen Tourblock; gerade eben standen allerdings auch schon die Festivals „Rock am Ring“ und „Rock im Park“ auf dem Plan.

Verwunderlich, dass es dann doch nur 2700 Fans in die Halle geschafft haben. Die aber machen Krach für die zehnfache Menge. Ein schönes Donnerwetter in der Halle. Die Funken sprühen, das Konfetti fliegt, die Masse tanzt. Oder schüttelt zumindest das Haupthaar. Es ist ein so lautes wie ausgelassenes Fest. Am Ende steht nur noch die Luft. Und eine Erkenntnis: Stone Sour macht lustig. Fucking lustig.

Von Stefan Gohlisch

Die Schwedin Lykke Li verabschiedet sich mit ihrem vierten Album „So sad so sexy“ vom Indiepop. Trap und Hip-Hop regieren. Das ist halb so schlimm.

11.06.2018

Die Metal-Band Iron Maiden mit Leadsänger Bruce Dickinson begeisterte am Sonntagabend rund 25 000 Zuschauer auf der Expo-Plaza in Hannover. Ein Jagdflugzeug und eine irre Lichtshow heizten den Fans ein.

10.06.2018

Ein Jahr früher als erwartet haben „Die Ärzte“ am Samstag ihr Comeback gefeiert – als Zugabe beim Konzert der „Beatsteaks“ auf der Berliner Waldbühne. Auch sonst war es ein denkwürdiger Abend.

10.06.2018