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Kultur Stiftung kauft größte Privatbibliothek über Friedrich den Großen
Nachrichten Kultur Stiftung kauft größte Privatbibliothek über Friedrich den Großen
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15:45 19.08.2009
Gerhard Knoll steht mit dem Werk „Der Alte Fritz“ von W.O. von Horn in der Bibliothek der Stiftung Preussische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Quelle: Michael Urban/ddp
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„Es freut mich besonders, dass die Stiftung die komplette Sammlung übernimmt, so wird sie nicht zerpflückt“, sagt Knoll am Mittwoch in Potsdam bei der offiziellen Präsentation der Bibliothek in der Villa Liegnitz im Schlosspark von Sanssouci.

Wie Knoll auf Friedrich den Großen kam? „Es waren Zigarettenbilder“, verrät der 68-Jährige. Am Ende des Zweiten Weltkrieges habe es keine Kinderbücher mehr gegeben. Also habe er Zigarettenbilder gesammelt. Im Juni 1945 habe er ein Bild bekommen, auf dem Friedrich der Große Brot an Kinder verschenkte. „Das hat mich besonders beeindruckt“, erinnert sich Knoll. Schließlich habe es damals kaum etwas zu essen gegeben. Und dann habe ihn Friedrich der Große (1712-1786) nicht mehr losgelassen.

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Sechs fast zimmerhohe Doppelregale füllen die Bücher in einem eigenen Raum der Villa aus. SPSG-Generaldirektor Hartmut Dorgerloh nennt Knoll einen „Bibliomanen“ und „Bibliophilen“. Seine Sammlung sei einzigartig und setze einen besonderen Akzent in der Forschungsarbeit der Stiftung. Zudem ersetze die Sammlung bedeutende Kriegsverluste.

Brandenburgs Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) bezeichnet die Sammlung als „weltweit einmalige Forschungsbibliothek“. Sie sei eine große Bereicherung für die Stiftung und die Forschung zur europäischen Aufklärung an der Universität Potsdam. Die Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder, Isabel Pfeiffer-Poensgen, spricht von „nationalem Kulturgut“. Knoll habe lange und systematisch gesammelt.

Die Stiftung hat laut Dorgerloh einen hohen sechsstelligen Betrag für die Sammlung aufgebracht. Die Finanzierung unterstützten die Kulturstiftung, das Kulturministerium und der Museumsshop der Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten. Die Sammlung Knolls, der einst die Handschriftenabteilung der Universitätsbibliothek Bremen leitete, beinhaltet neben den Werkausgaben des Königs die nahezu vollständige zeitgenössische Literatur zu Friedrich dem Großen. Hinzu kommt nach Angaben der Stiftung der umfangreichste Altbestand zur Rezeptionsgeschichte der preußischen Herrscher vom Großen Kurfürsten bis zu Friedrich Wilhelm II. - also etwa von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis um 1800.

Die Kollektion enthalte mehr Ausgaben friderizianischer Werke als die 1877 angelegte berühmte „Friderizianische Sammlung“ der Königlichen Hausbibliothek zu Berlin, die im Zweiten Weltkrieg verloren ging, sagt Dorgerloh. Die „Bibliothek Knoll“ sei umfangreicher und vollständiger als vergleichbare Sammlungen aller großen Deutschen Bibliotheken und der Bibliothèque Nationale in Paris. Einzigartig sei auch der Bestand an Trivialliteratur.

Dorgerloh betont, die Sammlung ergänze „in idealer Weise“ den einzigartigen Buchbestand der SPSG mit den drei noch erhaltenen Bibliotheken Friedrichs des Großen im Schloss Sanssouci, im Neuen Palais und im Berliner Schloss Charlottenburg sowie der historisch-kunsthistorischen Arbeitsbibliothek. Künftig bildeten die Bestände der SPSG eine in ihrer Geschlossenheit weltweit einmalige Forschungsbibliothek.

Die SPSG will die Sammlung Knoll jetzt für die wissenschaftliche Nutzung aufbereiten. Auf die beiden Stiftungsbibliothekarinnen Sabine Scheidler und Hannelore Röhm kommt damit eine Menge Arbeit zu. „Wir werden erst einmal inventarisieren und katalogisieren“, beschreibt Scheidler die Aufgabe. Jedes Werk erhalte eine Signatur. Später könnten dann Wissenschaftler auf Anfrage in der Bibliothek forschen. Auch fachliche Führungen werde es geben. Dabei wird sicher auch immer wieder eines der größten Bücher gezeigt werden: Es ist ein Britisches Wörterbuch, das 1741 erschienen ist.

ddp