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Kultur Steinbrück teilt Spitzen aus
Nachrichten Kultur Steinbrück teilt Spitzen aus
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16:05 14.06.2019
Prost: Peer Steinbrück (links) und Florian Schröder im Theater am Aegi. Quelle: Florian Petrow
Hannover

„Satire und Politik lassen sich nicht mehr voneinander unterscheiden“ – das sagt man als Satiriker seit Jahrzehnten, wenn einem keine Witze mehr einfallen. Florian Schroeder und Peer Steinbrück versuchen es mit einer anderen, besseren Prämisse: Satire und Politik passen gut zusammen.

Das finden auch etwa 1100 Zuschauer im Theater am Aegi, die dem Zweigespann gerne zuhören, bei einem Rundumschlag zur tages- und wochenaktuellen Politik, der auch seine Lacher liefert. „Es wird ein harter Abend“, sagt Schroeder beim Weißwein-Einschenken: „Wir reden über die SPD“ – die Partei mit sieben Prozent Stimmenanteil bei den Jungwählern, und auch im Saal dominieren die Über-50-jährigen.

Was ist zu tun bei den Roten? Das Wählermilieu ist verschwunden und die kulturellen Konflikte hat die Partei verpennt, daher braucht es eine Neubesinnung, sagt Steinbrück. Kevin Kühnert könne er sich als Vorsitzenden vorstellen, falls der sein Vokabular entschärfe und nicht mehr von „Enteignung“ spreche – Schroeder wünscht sich derweil mal wieder „eine Verstaatlichung des Verkehrsministeriums“ unter Andreas Scheuer.

Über die politische Konkurrenz gehen der Satiriker und der ehemalige Kanzlerkandidat ohnehin d‘accord: Horst Seehofer ist „eine lose Kanone an Deck“ (Steinbrück), Robert Habeck ein „Coverboy der Landlust“ (Schroeder). Nach der Pause räumt Steinbrück zu einer Zuschauerfrage ein, dem Neoliberalismus in seiner Regierungszeit zu wenig entgegengesetzt zu haben; eine Verfehlung, die der SPD immer noch nachhängt.

Ein NP-Interview mit Florian Schröder finden Sie hier.

Trump und den Brexit („ein Monty Python-Film“) kanzelt der Ex-Kandidat in einigen Sätzen ab, und auch zur AfD verliert er keine großen Worte. Um deren medialer Dominanz zu Migrationsthemen entgegenzuwirken, solle man, sagt das Gespann, die Populisten auf den Themen festnageln, zu denen sie nichts Vernünftiges beizutragen haben.

An sich selbst demonstriert Peer Steinbrück diese Taktik zum Schluss freiwillig: Das Stichwort heißt politische Korrektheit, und über die „linksliberale Ideologie“ der Sprachsensiblen darf sich der 72-jährige, mit etwas Gegenwehr von Schroeder, unter großem Jubel auslassen – freilich nicht gut informiert: Bei Steinbrück sind Trans- und Intersexualität einfach „sexuelle Neigungen“, und auch das „Bild“-Zeitung-Märchen vom auf Rücksicht auf Minderheiten in „Winterfest“ umbenannten Weihnachtsmarkt kriegt bei ihm noch eine Runde im Karussell spendiert.

Schließlich einigen sich die zwei Weißen auf der Bühne darauf, das Wort „Neger“ unbedingt in Michael EndesJim Knopf“ stehenzulassen. „Lassen wir uns ein auf die Komplexität der Gesellschaft“, sagt Schroeder zum Abschied, gute Satire sei solche, die nicht verallgemeinere. Dann war das am Ende vielleicht eher Identitätspolitik für eine alternde SPD-Stammwählerschaft.

Von Lilean Buhl

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