Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Sprengel Museum ehrt Leiv Warren Donnan
Nachrichten Kultur Sprengel Museum ehrt Leiv Warren Donnan
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:56 25.07.2018
Vergnügt: Der hannoversche Künstler Leiv Warren Donnan in der Ausstellung mit Druckgrafiken, die er dem Sprengel Museum vermachte.
Vergnügt: Der hannoversche Künstler Leiv Warren Donnan in der Ausstellung mit Druckgrafiken, die er dem Sprengel Museum vermachte. Quelle: Michael Wallmüller
Anzeige
Hannover

„Wenn jemand Geburtstag hat, ist es üblich, ihm ein Präsent zu überreichen“, sagt Reinhard Spieler, Direktor des Sprengel Museums. „In diesem Fall war es umgekehrt.“ Die Rede ist von Leiv Warren Donnan, der just 80 Jahre alt geworden ist – und das Museum beschenkt hat, mit 68 eigenen Druckgrafiken und weiteren 41 anderer Künstler. Eine Auswahl von Donnan-Radierungen ist jetzt in einer sehr feinen Sonderausstellung zu sehen.

Mit einem Blick erfassbar sind sie kaum, die Arbeiten des gebürtigen Australiers, der seit 1972 in Hannover lebt und lange an der Tellkampfschule unterrichtet hat. Gerne druckt er mehrere Platten übereinander und verwischt dabei lustvoll die Grenze zwischen Figürlichem und Abstraktion; auch Perspektive und Bewegung entziehen sich hier oft der eindeutigen Bestimmung. „Heutzutage kommen immer mehr Bilder auf uns zu“, meinte Donnan bei der Ausstellungseröffnung im Künstlergespräch mit Kuratorin Karin Orchard. „Ich will diesen Prozess verlangsamen und dafür sorgen, dass sich der Betrachter seinerseits den Bildern zuwendet.“

Die Schau umfasst einen Zeitraum zwischen 1962 und 2008, wobei die früheren Jahre besonders stark vertreten sind. Eines dieser Blätter heißt „Großgörschenfasching“ und bezieht sich auf die Produzentengalerie „Großgörschen 35“, die Donnan 1964 in Berlin mitbegründete – es war die erste ihrer Art in Deutschland, und zu den Kollegen gehörten unter anderem Markus Lüpertz und Wolfgang Petrick. „Da machte jeder mit, der zu der Zeit laut genug war“, beschreibt‘s Donnan mit seinem angenehm lakonischen Humor.

Eine Radierung von 1980 heißt „Demo“ und zeigt einen knüppelbewehrten Polizisten mit harter Gangart, während das sieben Jahre ältere Blatt „St. Sebastian“ ein Foto von der Verhaftung des RAF-Mitglieds Holger Meins zur Vorlage hat, wie Donnan verrät. Weitreichende Schlüsse sollte man aus solchen Beispielen indes nicht ziehen: „So furchtbar politisch bin ich gar nicht.“

Und in der Tat dominieren hier die im wahrsten Sinne des Wortes vielschichtigen, oft erfreulich rätsel- und manchmal nachgerade zauberhaften Darstellungen surrealer Prägung: In welchem Raum-Zeit-Kontinuum befinden sich etwa die dynamischen Figuren auf dem Blatt „Springer“ von 1969/70?

Doch, hier gibt‘s viel zu sehen. Wenn die Kuratorin auch bei ihrer Auswahl einen Wunsch des Künstlers beim besten Willen nicht erfüllen konnte: „Besonders gern“, sagt Donnan, „mag ich ja die Arbeiten, die ich noch nicht gemacht habe ...“

Die Ausstellung läuft bis zum 14. Oktober.

Von Jörg Worat