Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Soul-Sängerin Astrid North stirbt mit 46 Jahren
Nachrichten Kultur Soul-Sängerin Astrid North stirbt mit 46 Jahren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 01.07.2019
Mit 46 Jahren gestorben: Die Soul-Sängerin Astrid North. Quelle: Mathias Bothor
Anzeige
Hannover

Soul war ihre Ausdrucksform, und Soul war auch sie. Wer Astrid North begegnete, erlebte eine strahlende und strahlend schöne Erscheinung mit tiefer Seele. Nun ist die Sängerin im Alter von nur 46 Jahren gestorben.

Die Deutsch-Amerikanerin, geborene Astrid Karina North Radmann, war Berlinerin durch und durch und doch so etwas wie eine Hannoveranerin ehrenhalber. In den 90ern, als Hannover kurzzeitig zur deutschen Hauptstadt des Funk avancierte, produzierte ihre Band Cultured Pearls drei Alben bei Jens Krause im Peppermint Park: „Sing Dela Sing“, „Space Age Honeymoon“ und „Liquefied Days“. Der Song „Tic Toc“ wurde 1996 zum Club-Hit.

Anzeige

Zuvor hatte sie den Big-Light-Song „Trouble is“ mit ihrem warmen Stimme veredelt; später arbeitete sie unter anderem mit den Fury-in-the-Slaughterhouse-Brüdern Kai und Thorsten an deren Nebenprojekt Litte Red Riding Hood. Auch bei dem Musikertkollektiv Soulounge war sie aktiv. Der „Spiegel“ bezeichnete sie einmal als eine der „Leading Ladies der hiesigen Soulszene“.

North war Stammgast im Palo Palo, spielte immer wieder in der Stadt, auch später, als sie solo unterwegs war. Zuletzt war der Pavillon ihre Anlaufstelle, unter anderem 2018 in der Reihe „Songbirds“. Sie fand das sehr passend, weil sie doch, wie sie der NP damals sagte, gerne ihre „Stücke fliegen ließ“.

Und in diesem Mai hätte sie Gastsängerin beim Konzert der „Babylon Berlin“-Bigband Moka Efti Orchestra sein sollen; statt ihrer kam die Schauspielerin Psycho Nikoros, zu dem Zeitpunkt ohne Angabe von Gründen. Heute weiß man: North war zu diesem Zeitpunkt schon schwer erkrankt.

Ein freier Geist und eine selbstbestimmte Frau, die ihre Alben zuletzt per Schwarmfinanzierung stemmte und die nun ihren Mann und zwei Kinder im Teenageralter hinterlässt. „Zwischen den beiden Polen bewege ich mich“, sagte sie über diese Doppelrolle als Musikerin und Mutter: „Aber das ist heutzutage nun einmal ganz normal, dass man zwischen Arbeit und Elternrolle hin- und herhetzt und beidem gerecht werden will, egal, ob Künstler oder nicht, ob Mann oder Frau.“

Das Interview mit Astrid North lesen Sie hier.

Sie wirkte wie ein faszinierend funkelnder Ruhepol, als sie das sagte. Rastlos schien sie nur in ihrem künstlerischen Anspruch zu sein. 2016 sagte sie der NP zu der langen Arbeit an ihrem damals aktuellen Album „Precious Ruby“, das ihrer Großmutter gewidmet war: „In allererster Linie lag das daran, dass ich unglaublich viel ausprobiert und geschrieben habe und aus irgendwelchen Gründen immer dann, wenn es dem Ende zuging, dachte: ,Nee, das ist es irgendwie nicht; das fühlt sich nicht richtig an ...’“

An diesem Dienstag ist Astrid North, wie jetzt bekannt wurde, an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben. Es fühlt sich nicht richtig an.

Von Stefan Gohlisch