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Kultur So war „Zeit aus den Fugen“ im Schauspielhaus
Nachrichten Kultur So war „Zeit aus den Fugen“ im Schauspielhaus
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22:30 13.09.2019
Trügerisches Idyll: „Zeit aus den Fugen“-Szene mit (von links) Bernhard Conrad, Sabrina Ceesay, Torben Kessler, Kasper Locher und Stella Hilb. Quelle: Kerstin Schomburg
Hannover

Die Zeit, sie ist aus den Fugen. Man rettet sich in vermeintlich goldene Zeitalter und trügerische Sicherheiten. Offensiv zeitgenössisch hat im Schauspielhaus die Intendanz von Sonja Anders begonnen: mit einem 60 Jahre alten Science-Fiction-Stoff, „Zeit aus den Fugen“ von „Blade Runner“-Autor Philip K. Dick. Unsere kompakte Nachtkritik:

Das Stück: Ragle Gumm lebt scheinbar in einer bürgerlichen Idylle in den USA der 50er Jahre – was er nicht ahnt: Es ist eine Simulation, und sein skurriler Gelderwerb, das Lösen der Codes des täglichen Zeitungsrätsels, ist in Wirklichkeit entscheidend für einen futuristischen Krieg, von dem er nichts ahnt. Philip K. Dick stellt in seinem 1958 erschienenen Roman „Zeit aus den Fugen“ Fragen nach Wirklichkeit und Illusion und der Verantwortung des Einzelnen.

Die Regie: Laura Linnenbaum betont in ihrer Inszenierung das Problem der selbstverschuldeten Unmündigkeit und schlägt dabei Schneisen in die heutige Welt von Fake News und Filterblasen. Dabei zeigt sie großes popkulturelles Bewusstsein: Agieren die Spieler anfangs noch wie Figuren aus einer 50er-Jahre-Screwball-Komödie, finden sich später Anspielungen auf Filme wie „Pleasantville“, „Matrix“ und „Clockwork Orange“. Ein auch mediales Spiel, das konsequenter ausgereizt werden könnte. Das Schlussbild verpufft.

Lesen Sie hier: Vorab-Interview mit Regisseurin Laura Linnenbaum

Das Ensemble: Gerade anfangs, inmitten all der überdrehten 50er-Jahre-Knallchargen, sticht Ragle-Gumm-Darsteller Torben Kessler heraus, der seine Figur mit der wächsernen Verletzlichkeit eines Untoten versieht. Insbesondere die weiblichen Hauptdarstellerinnen Sabrina Ceesay und Stella Hilb wirken in diesem ästhetischen Konstrukt unterfordert. Hier wird klar gesprochen, konsequent nach vorne gespielt. Konvention als Programm. Miriam Maertens setzt komödiantische Highlights als verhinderte Katastrophenschützerin, ebenso Fabian Felix Dott als überforderter Geheimagent.

Die Ausstattung: Valentin Baumeister (Bühne) und David Gonter (Kostüme) haben eine überzeugende Welt aus Schwarzweiß und Sepia gestaltet. Eine halbtransparente Wand, die sich über die Bühnenbreite erstreckt, dient im doppelten Wortsinn als Projektionsfläche und als Pfad in eine andere Welt: in die Wirklichkeit, vor der die Handelnden ihre Augen verschließen. Stark.

Das Fazit: Zum Auftakt der Spielzeit ein Statement: Am Schauspiel Hannover gibt es weiterhin politisch relevantes Theater, das aber ästhetisch auch Traditionalisten entgegenkommt. Ein bisschen mehr Mut und Zutrauen in die zugrunde liegenden Ideen täte „Zeit aus den Fugen“ allerdings gut.

Lesen Sie hier: Intendantin Sonja Anders zum Spielzeit-Start

Von Stefan Gohlisch

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