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Kultur Silbermond - neues Album "Himmel auf"
Nachrichten Kultur Silbermond - neues Album "Himmel auf"
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10:12 20.03.2012
Von Matthias Halbig
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FREUNDE: (v.l.) Johannes Stolle, Andreas Nowak, Stefanie Kloß und Thoma Stolle sind Silbermond.
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Hannover

Das letzte Lied des neuen Albums heißt "Das Gute gewinnt". Glaubt ihr an den Sieg des Guten trotz all der Hürden, die im Song erwähnt werden?

Kloß: Realität trifft hier auf Optimismus. Wir sind auf jeden Fall Leute, die positiv denken. Wir fragen immer: Wie könnte es weitergehen. Vielleicht ist die Frage, die der Song seinen Hörern stellt, ob man für das eigene Glück nicht vielleicht auch was tun muss.

Ändern Lieder die Welt?

Nowak: Lieder können den eigenen Kopf verändern. Sie können den Zuhörer zum Nachdenken bringen, Emotionen wecken, ihn zum Lachen und Weinen bringen. Aber die Welt verändern - nein. Letztendlich ist es Musik.

Die viel Zeit braucht. Das letzte Album ist drei Jahre her. Wart ihr in der Zeit immer Silbermond. Oder gabs eine große Auszeit.

Kloß: 24 Stunden am Tag gehört das Silbermond-Sein zu uns. Wir spielen zusammen, seit wir 14, 15 sind. Das war gefühlt nie anders für uns: Wir vier sind Silbermond, das ist unser Baby, unsere Leidenschaft. Und es ist vielleicht so, dass es für den Fan eine lange Zeit scheint. Aber im März 2009 kam das Album "Nichts passiert", dann: Promotion, unterwegs auf Tour, letztes Konzert 2010 im Oktober. Dann zwei Wochen Urlaub gemacht. Und schon gings wieder an die Vorbereitungen. Wir haben an Demos gearbeitet, Songs für die neue Platte geschrieben. Wir hatten eigentlich ... gar keine Pause.

Nowak: Brauchten wir aber auch gar nicht. Hätten wir uns drei Monate nicht sehen wollen, hätten wirs gemacht. Aber wir sind froh, das bei uns immer der innere Drang besteht, uns sehen zu wollen.

Ihr seid noch kein Pop-Unternehmen.

Seit dieser Platte haben wir unser eigenes Label. Das bedeutet schon: mehr Verantwortung, mehr Entscheidung-Treffen. Und das ist nicht immer einfach zu bewerkstelligen. Aber im Vordergrund steht immer die Musik.

Es gibt ungewohnt viele ernste Themen auf "Himmel auf". Habt ihr gesammelt?

Kloß: Wir gehen da nicht mit Kalkül ran. Wenn man schreibt, ergibt sich was oder nicht. Diese Platte soll sein wie ein Gespräch unter guten Freunden bei einer Flasche Wein: Wie wenn man drei, vier Stunden zusammen sitzt, über den Tag, der war, spricht, über die Zukunft, die Nachrichten ...

Bei "Waffen" seid ihr erschreckend aktuell, gerade war zu hören, dass die globale Aufrüstung so massiv ist wie nie.

Kloß: Solche Songs hätte es auf der letzten Platte noch nicht gegeben. Wir sind älter geworden und haben viele Erfahrungen gesammelt. Ich persönlich merke zum Beispiel, dass ich total Lust darauf habe, Bescheid zu wissen. Dass ich mich informiere über Dinge, die ich vielleicht nicht auf Anhieb verstehe - Arabischer Frühling oder die Wirtschaftskrise.

In "Weiße Fahnen" geht um ein Kind im Krieg. Was war der Ausgangspunkt?

Vor vier Jahren waren Thomas und ich in Kamerun. Wir hatten Geld gesammelt für eine Frauenschule und flogen zur Eröffnung. Bei uns war ein Fotograf, der zuvor schon oft in Krisengebieten war. Und der erzählte wie das so ist, wenn einem ein zehnjähriger Junge einen Gewehrlauf ins Gesicht hält. Wir haben das Lied dann nicht sofort geschrieben, aber das hinterließ einen tiefen Eindruck. Jahre später kommt sowas dann nach vorn und wird ein Lied. Dabei will der Song nicht behaupten zu wissen, wie sich ein Kind im Krieg fühlt. Es ist unsere Vorstellung davon. Ich finde das aber durchaus legitim. Musik darf das.

Zwei Songs haben strahlende Intros à la Coldplay.

Nowak: Wir kopieren jetzt keine Lieder. Aber wir sind große Fans von Coldplay. Die Band hat uns geprägt wie keine andere Band ausser My Balloon. Sie holen so viel aus ihrer Musik heraus, das inspiriert uns.

Ihr geltet als die ewig frische, sympathische Band. Auf der letzten Tour gabs dann aber schon betont coole Posen der Fraktion mit den Langhalsinstrumenten.

Kloß: Früher war die Bühnen kleiner, da hatten die gar nicht die Chance, sich groß zu bewegen. Dass die jetzt Action machen, kommt total aus deren Innerem heraus. Ich vermisse was, wenn sich bei einer Band der Bassist so gar nicht bewegt. Unsere Jungs machen das nicht, weil sie denken sie müssen jetzt die ganz großen Posen liefern, sondern weil sie total Bock drauf haben.

Nowak: Weil sie abnehmen müssen (lacht).

Kloß: An ihrer Figur arbeiten wollen. Dazu müssen die sich so bewegen. (lacht)

CD: "Himmel auf"

Über die lieben Negativdenkenker, die Klagekulturschaffenden und all die fiesen Typen, die einen daran zweifeln lassen, dass am Ende das Gute gewinnt, singen Silbermond auf ihrer vierten Platte. "Himmel auf" (Columbia/Back to Back). Es ist ein Qualitätsssprung, die reifste Platte des Bautzener Rock‘n‘Roll-Kommandos, die energetisches Indie-Geschrabbel ("Dagegen") ebenso aufweist wie das klassische Protestrock-Gitarrensolo ("Waffen"). Elektronische Sounds quirlen gern im Hintergrund, manchmal schwebt eine strahlende coldplayeske Eröffnung am Hörer vorbei und elysische Chöre mit viel Hall gibts auch. Keine Klughuberei, die Texte werden direkt verstanden, manchmal versuchen sich die "großen Grönemeyer-Fans" am Herbie-Sprech - nachzuhören in "Ans Meer" und in "Ja", das als positiver Zwilling von Grönis Trauersong "Der Weg" verbucht werden kann. Eine Zeile aus "Ja" fasst dann auch die Haltung dieser Scheibe zusammen: "Du flutest alle meine Decks mit Hoffnung." Tust du, Silbermond! Rock‘n‘Roll kann das

Bewertung: 4/5

Das neue Silbermond-Album "Himmel auf" erscheint am 23. März

Silbermond live am 22. Dezember in der TUI-Arena, Karten zwischen 28,90 und 38,10 Euro unter 0511 / 44 40 66 und an den Vorverkaufsstellen.