Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Siegfried unter Zombies
Nachrichten Kultur Siegfried unter Zombies
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:21 15.02.2012
ZOMBIES SIND DIE LETZTEN UNHEIMLICHEN: Bernd Frenz’ lebende Leichen macht Drachenblut unkaputtbar.
ZOMBIES SIND DIE LETZTEN UNHEIMLICHEN: Bernd Frenz’ lebende Leichen macht Drachenblut unkaputtbar.
Anzeige

VON STEFAN GOHLISCH
HANNOVER. Vergessen Sie, was Sie über die Nibelungen zu wissen meinten, über den strahlenden Helden Siegfried und den finsteren Hagen von Tronje, über listige Zwerge und Drachen, die unverwundbar machen. Die wahre Geschichte ist unglaublich und schauerlich. Sie wurde von frühen Christen unter Verschluss gehalten und kommt erst jetzt ans Licht: Zombies zogen einst durch Teutonien, unsterblich gemacht durch Drachenblut, und ein schrecklicher Kampf, auch um die religiöse Deutungshoheit, entbrannte.

So zumindest spinnt es sich der hannoversche fantastische Autor Bernd Frenz („Die Blut-Orks“, „Bannkrieger“) in seinem jüngsten Buch, „Das Blut der Nibelungen“, zurecht. Er habe schon immer vorgehabt, die Nibelungen neu zu erzählen, erzählt er: „Das ist eine völlig verquaste Geschichte, mit Helden, die unsympathisch, zum Teil Vergewaltiger sind. Hagen kommt immer schlecht weg; dabei bietet gerade er sich eigentlich als Heldenfigur an.“

Die Initialzündung kam durch den Panini-Verlag. Der hatte schon früh den aktuellen Zombie-Trend entdeckt und bedient. Die Untoten sind in der jetzigen Popkultur so lebendig wie selten. Durch sogenannte Mash-ups, also die Zombifizierung von Klassikern, kratzen sie zumindest an der Hochkultur: „Stolz und Vorurteil und Zombies“, „Winnetou unter Werwölfe“ und „Die Leichen des jungen Werthers“ lassen grüßen.

Der Autor hat durchaus Sympathien für das Genre: „Zombies sind doch die Letzten, die noch wirklich unheimlich sind.“ Vampire und Werwölfe könne man seit „Twilight“ & Co. ja nicht mehr ernst nehmen. „Ich hätte nie einfach nur so eine Zombie-Nibelungen-Geschichte gemacht“, erzählt Frenz. Dann aber habe er von den „Draugar“ gelesen, wie untote Wiedergänger bei den
alten Germanen hießen. Siegfried, der Draugar-Schlächter, das passte.

Und so entstand eine fantastische Räuberpistole, die das Unwahrscheinliche für bare Münze nimmt und dabei in sich stimmig und sehr amüsant ist. Frenz ist damit zufrieden: „Und die ultimative Nibelungen-Version kann ich immer noch schreiben.“

4/5

Bernd Frenz: „Das Blut der Nibelungen“. Panini, 308 Seiten, 12,95 Euro.