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Kultur Sido will kein Übelrapper mehr sein
Nachrichten Kultur Sido will kein Übelrapper mehr sein
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13:05 30.10.2009
Sido will kein böser Bube mehr sein.
Sido will kein böser Bube mehr sein.
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Von Birk Grüling

Auf dem neuen Album "Aggro Berlin" gehts viel um Ihr Leben. Gibts etwas, was Sie bereuen?

Nein, ich bereue nichts, ich glaube, dass alles so gekommen ist, wie es kommen musste. „Popstars“ hätte ich nicht machen müssen, dass weiß ich jetzt. Aber ich würde jetzt immer noch bei jeder Staffel vor dem Fernseher sitzen und denken, ladet mich doch ein, ich kann das viel besser.

Ist das Album ein Abschluss?

Die Maske ist mit Aggro Berlin auf jeden Fall gestorben. Die kommt in ein Museum.

War eine harte Jugend, wie Sie sie in Ihrer Single „Hey du“ beschreiben, Grundlage oder Voraussetzung für Ihre Karriere?

Sie war Voraussetzung dafür, dass ich alles zu schätzen weiß, was ich jetzt habe. Das kann man am besten, wenn man von ganz unten kommt.

Was geben Sie Ihrem Sohn als Botschaft auf den Weg?

Die größte Message ist „Mach was aus deinem Leben“. Ich will, dass er kein dummer Junge wird. Ich bin vielleicht sogar ein strenger Vater, ich kümmere mich zum Beispiel sehr darum, dass die Hausaufgaben gemacht werden oder dass er auf einer guten Schule ist.

Hat Deutschrap Zukunft?

Deutschrap ist sicherlich nicht tot, aber er ist richtig am Boden. Er macht keinen Spaß zurzeit, die Leute, die heute Hip-Hop machen, sind komisch drauf. Sie rappen, weil sie mich und Bushido in dicken Autos sehen, sie hoffen auf Weiber, dicke Ketten. Schnell reich werden, mehr nicht. Die Musik, die Ideale stehen bei der Produktion einer CD weit hinten.

Wer deutschrappt noch mit Leidenschaft?

Na, ich! Dann Samy Deluxe, Kool Savas, Azad, also diese ganzen Großen. Wir müssen die Fahne des Hip-Hop hoch halten.

Das ist doch mal ne klare Message. Ihr Album klingt sowieso pädagogisch.

Stimmt, am Ende ist es sehr pädagogisch geworden. Ich hab ja auch Erzieher gelernt. (lacht). Klar will ich mit dem Album den Leuten Mut machen.

Zuletzt waren Sie ja für Pro 7 wählen.

Ich bin mir inzwischen meiner Verantwortung bewusst. Nicht der ganzen Welt gegenüber, aber meinen besten Freunden, meiner Familie oder auch meinen Fans. Ich fahre mit meinem dicken Auto durch die Gegend, und es geht mir mehr als gut, dafür schäme ich mich manchmal. Darum ist es mein Anspruch, auch zu helfen. Leute zum Wählen zu überreden und damit dazu beizutragen, dass sich in der Regierung was ändert.