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Kultur Bryan Adams – Ein Album wie eine Insel
Nachrichten Kultur Bryan Adams – Ein Album wie eine Insel
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12:07 06.03.2019
Ein verlässlich gutes Bündel Musik: Das neue Bryan-Adams-Album „Shine A Light“ enthält krachende Rocker, einige Balladen – alles überaus eingängig – dazu einen Irish-Folk-Klassiker. Quelle: imago/ZUMA Press/Andy Martin
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New York

Ein Beispiel geben ist heutzutage wichtig: „Lass ein Licht strahlen“ fordert Bryan Adams entsprechend auf seinem aktuellen Album, das auch „Shine A Light“ heißt. Millionen guter Menschenlichtlein könnten die Zeiten brauchen, die auch der Kanadier als „unruhig“ bezeichnet. Geschrieben hat er das folkige Midtempolied allerdings für seinen verstorbenen Vater, der ein Licht in seinem Leben war.

Den Titelsong hat Bryan Adams mit Ed Sheeran geschrieben

Und der Song ist voll von Erinnerungen an ihn. Ein intimer Anfang, dabei ein veritables Mitsingstück, bei dem Adams der Meister für familiäre Nostalgie, Ed Sheeran („Supermarket Flowers“, „Nancy Mulligan“) zur Seite gestanden hat. Die Konzertreisen beider kreuzten sich in Dublin. Sie gingen zusammen was trinken und wurden Freunde, wie Adams berichtet. Und Freundschaft wird bei Sheeran immer zu Songs.

Die „unruhigen“ Zeiten, in denen sie entstand, merkt man Adams‘ 14. Studioalbum nicht unbedingt an. Sie ist ein typisches (gut abgehangenes) Adams-Rock’n’Roll-Album für all die, die die Millionenseller „Reckless“ (1984) oder „Waking Up The Neighbours“ (1991) liebten: Ziemlich flauschig sind die – nicht allzu vielen – Balladen, darunter das mit Jennifer Lopez gesungene, dezent R’n’B-lastige „That’s How Strong Our Love Is“. Und ziemlich straight sind die Rocker, von denen Adams schon mal Stücker fünf in Serie schaltet.

Zuerst kommt das treibende „Part Friday Night, Part Sunday Morning“ mit seinen nadelnden Gitarren, dann „Driving Under The Influence of Love“, das klar einen deftigen Chuck-Berry-Odor verströmt. Es folgt „All or Nothing“ mit einem von AC/DC geborgten Riff, und „No Time For Love“ beginnt verdächtig bedächtig wie der Dion-Klassiker „Runaround Sue“, bevor das Tempo dann richtig anzieht. „I Could Get Used to This“ schließlich mit seinen „Woo-hoo“-Chören ist ein Mix aus New Wave und Rolling-Stones-Hommage. Man könnte sich an Tempo und Druck gewöhnen, dann wird abgebremst. „Talk To Me“ ist ein Liebeslied mit verschlafenem Lennon-„Imagine“-Feeling. Kein Kitsch – trotz Adams.

Adams reiht sich nicht ein in die Schar der Protestsänger

Hier wurde nicht wochenlang gebrütet, wie die ultimativ harmonische Liedabfolge aussieht. Hier wurde aufgenommen, zusammengeworfen und rausgebracht. Und die gebeutelte Welt bleibt draußen. Selbst in „The Last Night on Earth“ geht es nicht um Endzeitstimmung, sondern um die Frau des Herzens: „Küss mich, als wärs die letzte Nacht auf Erden“ singt Adams mit seiner Kieselstein-&-Bourbon-Stimme.

Adams reiht sich eben nicht ein in die zahllosen Protestsänger unserer Tage und schließt sein Album mit einer Mundharmonika-getriebenen Version von „Whisky in the Jar“, dem Folkstandard, das man von den Dubliners, Thin Lizzy, Metallica und zahllosen anderen kennt. Ein Album wie eine Insel, unberührt von allen Krisen.

Genervt ist Adams trotzdem. Das Brexit- England, seine langjährige Wahlheimat, hat er ohne Absicht auf Wiederkehr verlassen. In New-York arbeitet er mit seinem Co-Songwriter Jim Vallance an der Musicalfassung von „Pretty Woman“, die ab September – auf Deutsch – auch in Hamburg gezeigt werden soll. Ein Liebesmärchen, das 1990 als Film mit Julia Roberts und Richard Gere zum Welterfolg wurde.

Auch als Fotograf erfolgreich – neuer Adams-Fotoband „Homeless“

Und damit man ihn jetzt nicht vielleicht der Gegenwartsblindheit schilt – es gibt auch ein Bildband-Projekt des in der Zweitberufung als Fotograf ebenfalls erfolgreichen Adams. Ende März erscheint „Homeless“. Darin zeigt Adams die Menschen, die ohne Obdach in den Straßen Londons leben. Genau die also, denen sein Kollege Ralph McTell 1969 den Song „Streets of London“ widmete. Eine Coverversion auf „Shine A Light“ – das wär’s gewesen.

Neues Album: Bryan Adams: „Shine A Light“ (Universal)

Bildband: Bryan Adams: „Homeless“ (Steidl, 224 Seiten)

Bryan Adams live:11. Juni, München – Olympiahalle; 12. Juni, Stuttgart – Hanns-Martin-Schleyer-Halle; 17. Juni, Frankfurt – Festhalle; 18. Juni, Oberhausen – Lönig-Pilsener-Arena; 20. Juni, Berlin – Mercedes-Benz-Arena.

Von Matthias Halbig / RND

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