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09:15 02.08.2010
Schauspielerin Senta Berger. Quelle: dpa/Archiv 09.10.2007

Berger hatte sich unter anderem 1971 an der von Alice Schwarzer initiierten Aktion „Wir haben abgetrieben“ beteiligt.

Viele Frauenrechte seien zwar inzwischen im Gesetz festgeschrieben, würden aber im Alltag nicht umgesetzt. Die heutigen jungen Frauen würden sich wieder viel zu sehr den an sie gerichteten Ansprüchen unterwerfen. „Wir haben da einen tüchtigen Schritt zurück gemacht“, sagte die „Grand Dame“ des deutschsprachigen Films und Theaters. Über Selbstbestimmung spreche man heute gar nicht mehr.

Ursache für diese Entwicklung ist für Berger ein Puzzlespiel aus Medien, Werbung, Selbstverständnis von Frauen und Männerreaktion. „Die Männer akzeptieren die Emanzipation der Frau dann, wenn es ihnen passt - beispielsweise im Liebesspiel.“ Durch die Über-Sexualisierung der Gesellschaft entstehe aber permanenter Druck auf junge Frauen, die beschriebenen Freiheiten auch umsetzen zu müssen. „Ich kann mich erinnern, dass wir in den 70er Jahren Manifeste für einen freien Zugang zu Pornografie unterschrieben haben. Wir haben ja nicht gewusst, was später mit dem Internet über uns hereinbricht“, sagte die berühmte Schauspielerin, die sich augenzwinkernd als „Alt-Hippie“ bezeichnet.

Den Männern wird es ihrer Ansicht nach unglaublich leicht gemacht: „Und sie haben auch noch den Nerv, sich über eine Identitätskrise zu beklagen.“ Vermeintlich unabhängige Frauen, die für ihren Lebensunterhalt arbeiten gehen müssen, verleiteten zu Uneindeutigkeit in Beziehungen: „Sich bekennen heißt auch Verantwortung zu übernehmen.“ Heute ziehe sich eine große Verunsicherung durch alle Bereiche - von der Arbeitswelt bis hinein ins Private.

Im Theater haben Frauen nach Ansicht von Berger jedoch dank berühmter Schauspielerinnen schon immer eine starke Stellung gehabt. Dass viele klassische Frauenrollen - wie Wedekinds Lulu oder die Hofmannsthalsche Buhlschaft des Jedermann - heute modern gedeutet werden, ist für sie nicht problematisch. „Du bist ja immer ein Kind deiner Zeit, natürlich fließt da die gesellschaftliche Strömung mit ein.“ Oft sei es sehr interessant, was der Rolle beim zweiten Hinschauen hinzugefügt werde.

Zu groß dürften die Brüche nicht sein, aber selbst die Rolle der Geliebten des reichen Mannes habe Spielraum: „Die Buhlschaft lässt immer verschiedene Interpretationen und Frauen zu - das ist ja das Reizvolle.“ Berger hatte die berühmte Frauenrolle bei den Salzburger Festspielen ab Mitte der 1970er selbst acht Jahre lang an der Seite von Curd Jürgens und Maximilian Schell übernommen. Sie gilt noch heute vielen als die sinnlichste Buhlschaft aller Zeiten.

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