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Kultur Schauspielhaus: So lief die Premiere von „Iphigenie“
Nachrichten Kultur Schauspielhaus: So lief die Premiere von „Iphigenie“
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16:50 09.12.2019
Die junge Iphigenie (Seyneb Saleh mit Pippa Ashton-Ribbe und Cleo Frey). Quelle: Katrin Ribbe
Hannover

Die alte Zeit kommt aus der Tiefe des Raums angefahren, eine Guckkastenbühne in grauem Grün, gefüllt mit dem Kolorit der 70er und 80er und dem Scheußlichsten von heute. Hier also beginnt es, das Drama um „Iphigenie“, das Regisseurin Anne Lenk im Schauspielhaus als eine Art Screwball-Tragödie anlegt.

Zwei Dramenfassungen des antiken Mythos sind die Basis des auch konsequent in zwei Hälften geteilten Abends: „Iphigenie in Aulis“ von Euripides und übersetzt von Friedrich Schiller und „Iphigenie auf Tauris“ von Johann Wolfgang von Goethe. Zwei Textgebirge aus der Weimarer Klassik, die – von den Spielern wie auch vom Publikum – erst einmal erklommen werden müssen, was im ersten Teil besser gelingt als im zweiten. Und nicht alle Beteiligten sprechen große Worte gelassen aus. Manche verlieren sogar die Puste.

Eine Überlebende

Die ältere Iphigenie: Sabine Orléans (mit Torben Kessler). Quelle: Katrin Ribbe

Sie überlebt, so erzählt es Goethe. Seine Iphigenie (Sabine Orléans) wurde von ebenjener Göttin gerettet, die einst ihr Opfer forderte und zum Priesterinnenamt verpflichtet. Sie hat eine Aufgabe gefunden und sogar die Liebe, zu dem König ihrer neuen Heimat (vielschichtig: Torben Kessler). Dann wird ihr unseliger Bruder angeschwemmt. Nach den Gesetzen des Landes müsste er getötet werden. Doch sie verweigert sich.

Seelenheil als Systemfehler

Zweimal opfert sich die selbe Frau: einmal ihr Leben, einmal ihr Glück. Das ist nicht vorgesehen in einer Welt, gar nicht so fern der unseren, in der man Dinge tut, weil man sie eben so tut, weil es Sitte ist oder Fluch. Kadavergehorsam als System. Und Seelenheil als Systemfehler.

Grandios an dieser Inszenierung ist das optische Konzert aus Kostüm- und Bühnenbild (Sibylle Wallum und Judith Oswald). Es verweist – ganz zeitgemäß unzeitgemäß – ins Zeitlose und engt konsequent den schwierig zu bespielenden Bau ein. Nur einmal wird der Raum frei; Utopie scheint möglich, und sie erzählt von Liebe. Leider als clowneske Pantomime mit viel „Ah!“ und Oh!“.

Die Vorgeschichte ist ein Kinderspiel mit Plüschtieren im einsamen Hochbett, der jungen Iphigenie Geschichte ein bürgerliches Trauerspiel in einem Transitraum, das Heiligtum der Hohepriesterin ein überdimensionales Puppenhaus, in gleichen Teilen sakrales Triptychon, Polly-Pocket-Paradies und Wes-Anderson-Symmetrie. Toll.

Lesen Sie hier: NP-Interview mit beiden Iphigenies

Entzückende Kinderdarsteller

Die Darsteller füllen diese Räume, zum Beispiel die Hauptdarstellerinnen, aber auch die entzückenden Kinderdarsteller (in der Premiere Antonia Anders, Mia Odlozinski und Kristina Tihomirov), Miriam Maertens als Iphigenies Mutter irgendwo zwischen gruseligem Stepford-Wife und mondäner „Big Little Lies“-Glucke. Oder Philippe Goos, der seinen Agamemnon als weinerlichen Kleinbürger anlegt. Sebastian Jakob Doppelbauer überzeugt als fatzkenhafter Achilles im Black-Rider-Dress; sein Orest läuft allerdings so anstrengend auf Hochtouren, wie diese Figur angelegt ist.

Wie so oft in dieser Spielzeit stehen starke, teils herausragende Schauspielerleistungen einer Regie gegenüber, der die letzte Dringlichkeit fehlt. Dabei ist der Kern doch so einfach, er steht sogar in Neonlettern auf der hofseitigen Fassade des Schauspielhauses und beschreibt das Menschsein an sich: „Lebe und rette!“ Man darf das auch auf der Bühne getrost pointierter darstellen.

Mehr Informationen zu Stück und Spielplanfinden Sie hier.

Von Stefan Gohlisch

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