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Kultur Saison-Abschluss beim NDR
Nachrichten Kultur Saison-Abschluss beim NDR
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16:41 15.06.2018
Eingespieltes Team: Friederike Starkloff und Andrew Manze.
Eingespieltes Team: Friederike Starkloff und Andrew Manze. Quelle: Micha Neugebauer
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Hannover

Es war an der Zeit: 2015 wurde Friederike Starkloff mit 24 Jahren Konzertmeisterin der Radiophilharmonie – nun stand sie erstmals bei einem Symphoniekonzert als Solistin vor ihrem Orchester auf der Bühne des Großen Sendesaals des NDR. Der Saison-Abschluss im Ring A wurde dann auch zu einem besonderen Ereignis.

Mit dem Violinkonzert von William Walton hatte sich Starkloff nicht gerade einen Dauerbrenner hiesiger Programme vorgenommen. Ein durchaus attraktives Stück mit hochvirtuosen Passagen und romantischen Anwandlungen, äußerst abwechslungsreich und daher schwer „aus einem Guss“ zu interpretieren. Kein Problem indes für die Solistin, die sich bei der Radiophilharmonie schon immer mit ebenso reifem wie engagiertem Spiel jenseits aller Showeinlagen hervorgetan hat. Tatsächlich hätte man der Teamplayerin, so seltsam es klingen mag, an diesem Abend manchmal fast etwas mehr Egoismus gewünscht: Ein gewisser Gidon-Kremer-Touch, noch mehr Mut zur Gestaltung, und aus einem großen Vortrag hätte ein interstellarer werden können.

Sichtlich berührt nahm Starkloff anschließend den Beifall von Publikum, Kollegen und Dirigent Andrew Manze entgegen – schöne Momente. Unter diesen Umständen sehr verständlich, dass bei der Paganini-Zugabe die Höchstkonzentration schon ein wenig flöten gegangen war.

Zuvor hatte es mit der Ballettmusik zu Gustav Holsts Oper „The Perfect Fool“ ebenfalls vergleichsweise Exotisches gegeben, von Manze trefflich präpariert, ob es nun der erdverbundene Einstieg war oder der meditativ angehauchte Mittelteil.

Ein paar kleine Fragezeichen konnte man nach der Pause bei der 3. Symphonie von Johannes Brahms machen: Sonderlich tiefgründig ist die Komposition nun einmal nicht, so fiel desto stärker auf, dass der 2. Satz mit etwas gar zu breitem Pinsel ausgemalt erschien, während man den 3. schon pointierter gehört hat. Das Finale entschädigte allerdings nachhaltig mit viel beseeltem Schwung und einer Schlusspassage, die wie ein großes Ausatmen wirkte.

Der sehr ausführliche Schlussapplaus galt gewiss nicht nur diesem interessanten Konzert. Sondern auch einer gesamten Saison, in der die Radiophilharmonie mit Höhepunkten wahrlich nicht gegeizt hat.

Von Jörg Worat