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11:48 02.11.2009
Er ist wieder da: Robbie Williams
Er ist wieder da: Robbie Williams Quelle: ddp
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Der Sohn eines Kleinkünstlers und Alleinunterhalters weiß genau, was für ihn auf dem Spiel steht: „Ich will es jetzt unbedingt wissen. Ich bin an einem Wendepunkt in meiner Karriere angelangt. Die nächste Scheibe entscheidet über meinen zukünftigen Weg.“

Nach dem künstlerisch und kommerziell enttäuschenden Album „Rudebox“ (2006) hatte er sich zunächst nach Amerika zurückgezogen. Während seinen Ex-Kollegen von der Boygruppe Take That ein viel beachtetes Comeback gelang, wurde Williams in seinem US-Domizil moppelig und erstaunte mit kuriosen Ansichten über Außerirdische. Auch wurde ein Klinikaufenthalt wegen einer Tablettensucht fällig.

Doch im Oktober meldete sich Williams fulminant zurück. Die Single „Bodies“ schaffte aus dem Stand den Einstieg auf Platz eins der deutschen Charts. Kurz darauf zeigte sich der Sänger bei zwei Kurzkonzerten in London und Berlin bestens aufgelegt.

Für das Comeback hat Williams seinen langjährigen und überaus erfolgreichen Songschreiber Guy Chambers zurückgeholt, mit dem er sich zeitweise verkracht hatte. Als Produzent arbeitete er mit Trevor Horn zusammen, den Williams als „Genie“ preist. Der 60-Jährige hat Bands wie Frankie Goes To Hollywood und The Art of Noise zum Erfolg geführt.

Sein Markenzeichen ist der gepflegte Bombast und mit dieser Handschrift prägt er auch „Reality Killed The Video Star“. Prompt ist der Albumtitel an Horns ersten großen Erfolg „Reality Killed The Video Star“ mit der Retortenband The Buggles angelehnt.

Für seinen neuen Schützling greift Horn in die Vollen. So liefert er für die Ballade „Morning Star“ zwitschernde Vögel zum Auftakt und legt mit wuchtigen Streichern nach. Das ist ziemlich unzeitgemäß und hätte furchtbar schief gehen können. Doch kurioserweise passt es hervorragend zu Williams und macht „Morning Star“ zu einem seiner wahrscheinlich besten Stücke der vergangenen zehn Jahre.

Die zweite Single „You Know me“, die am 4. Dezember erscheint, nimmt mit ihren 60er-Jahre-Reminiszensen diesen Faden wieder auf. Das Stück „Starstruck“ ist auch durch seine Anleihen bei der etwas klebrigen Fahrstuhlmusik nicht kaputt zu bekommen. Und bei „Won’t Do That“ legen die Bläser los, dass selbst Big-Band-Veteran James Last nicht aus dem Staunen herauskommen würde.

Es ist nicht zuletzt ein Verdienst von Horn, dass nicht wirklich auffällt, wie überschaubar Williams stimmliche Möglichkeiten sind - weil das musikalische Gesamtresultat so überzeugend ist. Das dürfte durchaus der Intention des Künstlers entsprechen, der beteuert: „Ich möchte, dass die Zuhörer sich beschwingt fühlen, dass sie tanzen, dass sie 50 Minuten lang vergessen, wer sie sind und wo sie sind.“

Bei den Texten ist Williams mal versponnen, mal nachdenklich. So empfiehlt er in dem Stück „Deceptacon“, sich selbst zu mikrowellisieren. Insgesamt inszeniert er sich auf „Reality Killed The Video Star“ mehr als Chansonier denn als Popsänger - eine Rolle, die ihm gut steht.

Dabei kann man Williams zu Recht vorwerfen, dass er stilistisch und musikalisch nichts wirklich Neues liefert. Mit derselben Berechtigung kann man aber auch festhalten, dass er so mit „Reality Killed The Video Star“ zu seiner alten Stärke zurück gefunden hat.

(Markus Peters, ddp)