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18:37 08.01.2018
Schräge Sache: Das Ensemble des „Pussy Riot Theatre“.
Schräge Sache: Das Ensemble des „Pussy Riot Theatre“.
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Hannover

Theater? Was für ein Theater! „Es ist ein Punk-Manifest!“, darauf legt Maria Aljochina wert. Zwar heißt das Programm, mit dem sie am 9. Januar in Hannover gastiert „Pussy Riot Theatre“, aber es sei doch so viel mehr: Kunstprojekt, Punkrock, kanalisierte Wut, vor allem aber politische Agitation. Darunter macht es die Aktivistin nicht.

2015 war es, dass die Agitprop-Gruppe Pussy Riot der russischen Journalistin weltweit Aufsehen erregte: Mit Sturmmasken bewaffnet rezitierte das Kollektiv in Moskaus Kathedrale von Christus dem Erlöser ein Punk-Gebet, ein zorniges Pamphlet gegen den als Diktator empfundenen russischen Präsidenten Wladimir Putin. Die Folge war die Verurteilung von Aljochina und zwei anderer Mitglieder der Gruppe wegen „Hooliganismus motiviert durch religiösen Hass“ zu Gefängnis und Arbeitslager.

Ihre Erfahrungen dort hat Aljochina – die je nach Schreibweise auch als Mascha Alechina oder Maria Alyokhina fungiert – unlängst in dem Buch „Pussy Riot: Tage des Aufstands“ verarbeitet, einem „Punk-Pamphlet“, wie sie es nennt. Und dieses wiederum zu besagter „Punk-Performance“ verarbeitet, mit dem sie nun durch Deutschland und Rest-Europa tourt.

„Es ist ein Weckruf“, sagt sie: „So wie die Welt ausschaut, wäre es gut, wenn es viel mehr politische Kunst gäbe.“ Darum sei es auch wichtig, sich unterschiedlicher Kunstformen zu bedienen: „Es ist, als ob man verschiedene Sprachen spricht.“ Das heißt: Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache im Westen, Guerillakunst-Aktionen in Russland.

Im westlichen Europa betrachtet man die Gruppe junger Damen mit ihrem martialisch-schrägen Auftreten gerne mal als drollige Politfolklore. In Russland geht es an die Substanz. Gerade erst, am 20. Dezember, waren Aljochina und ein von ihr engagierter Fotograf verhaftet worden: Der Tag markiert den 100. Geburtstag des berüchtigten Geheimdienstes KGB. „In Russland war das ein Feiertag“, erzählt Aljochina: „Die Menschen sind stolz darauf.“

Nicht sie: Die Aktivisten entrollten vor dem Gebäude der Nachfolgeorganisation FSB ein Transparent mit der Aufschrift „Alles Gute zum Geburtstag, Henker!“. Nach 24 Stunden Untersuchungshaft kamen die Festgenommenen wieder frei.

Die jetzige Performance, die im September in Frankfurt Premiere hatte, ist noch ein Versuch, die Botschaft des Widerstands zu verbreiten, als wilde Mischung aus Konzert, Biografie und politischer Anklage: „Das Persönliche ist politisch“, betont Aljochina: „Ob Performance, Demonstration oder Aufschrei: So zeigt man, dass man sich nicht ruhig stellen lässt.“

Mascha Alechina: „Pussy Riot – Tage des Aufstands“. Ciconia Ciconia, 292 Seiten, 20 Euro. Die Performance „Pussy Riot Theatre“ ist am 9. Januar ab 20 Uhr im Pavillon zu sehen. Der Eintritt kostet 30, ermäßigt 26 Euro.

Von Stefan Gohlisch

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