Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Politik, Preise und Pannen auf der Buchmesse
Nachrichten Kultur Politik, Preise und Pannen auf der Buchmesse
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:32 15.10.2011
Die Frankfurter Buchmesse ist die größte Bücherschau der Welt. Quelle: dpa
Anzeige
Frankfurt/Main

Politik, Preise, Pleiten - darum hat sich am Freitag auf der Frankfurter Buchmesse vieles gedreht. Es war der letzte Fachbesuchertag. Am Samstag und Sonntag strömt dann das allgemeine Lesepublikum zur weltgrößten Bücherschau.

Die Demokratiebewegung in den arabischen Ländern hat nach Ansicht des Friedenspreisträgers des Deutschen Buchhandels, Boualem Sansal, ohne Unterstützung vom Westen keine Chance. „Ich bin ziemlich pessimistisch“, sagte der algerische Schriftsteller. Der Regimekritiker wird den mit 25.000 Euro dotierten Friedenspreis am Sonntag in der Paulskirche entgegennehmen.

Anzeige

Auch Kirchenpolitik hatte ihren Platz: Nach dem Papstbesuch in Deutschland will die katholische Kirche ihre Bemühungen um die Ökumene verstärken. Das sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, bei der Vorstellung eines Bildbands zur jüngsten Reise von Benedikt XVI.

Wenige Tage nach der Veröffentlichung muss die Startauflage des Buchs von Fußballfunktionär Reiner Calmund eingestampft werden. Es handle sich um einen sehr peinlichen Lektoratsfehler, sagte eine Verlagssprecherin. In dem Werk „Eine Kalorie kommt selten allein“ steht, dass Calmund vor Fußball-Länderspielen die erste Strophe des Deutschlandlieds mitsingt, die unter den Nazis benutzt wurde. Der 62-Jährige betonte auf der Messe, er singe seit Jahrzehnten die dritte Strophe - also die offizielle deutsche Nationalhymne.

Für sein Buch über einen Krupp-Manager hat der Autor Joachim Käppner den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2011 gewonnen. Die Jury wählte das Werk „Berthold Beitz. Die Biographie“ (Berlin Verlag) aus einer Shortlist von zehn Titeln. Das Preisgeld beträgt 10.000 Euro.

Ein Bilderbuch für Kinder zum Thema Altersdemenz zählt zu den Gewinnern des Deutschen Jugendliteraturpreises. Beim Jugendbuch gewann Wolfgang Herrndorf mit „Tschick“. Die Sieger teilen sich 50.000 Euro.

Der am Montag vergebene Deutsche Buchpreis hat sich für Autor und Verlag bereits gelohnt: Seit Eugen Ruge für sein Buch „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ ausgezeichnet wurde, vervierfachte sich die Auflage von 50.000 auf 200.000 Stück, wie Rowohlt mitteilte.

Auf zahlreichen Interviewbühnen hatte das Publikum Gelegenheit, prominente Autoren im Gespräch zu erleben - mit teilweise verblüffenden Erkenntnissen. Umberto Eco, Autor mit enzyklopädischem Wissen, gestand, er sei fasziniert von Lüge und Dummheit. „Die Lüge ist etwas zutiefst Menschliches.“ Tiere könnten sich lediglich aus Instinkt tarnen, bewusst täuschen könne nur der Mensch. „Das fasziniert mich. Ebenso wie die Dummheit. Intelligenz ist banal.“

Hollywood-Regisseur Roland Emmerich stellte auf der Messe seinen Film über Shakespeare vor, der am 10. November in die deutschen Kinos kommt. Mit „Anonymus“ leistet er einen neuen Beitrag zur alten Debatte um die Identität des britischen Dramatikers.

dpa