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Kultur Peter Kraus macht noch lange nicht Schluss
Nachrichten Kultur Peter Kraus macht noch lange nicht Schluss
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00:18 28.03.2018
Mit Hüftschwung: Peter Kraus rockt und rollt immer noch.
Mit Hüftschwung: Peter Kraus rockt und rollt immer noch. Quelle: Foto: Archiv/van der Voorden
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Hannover

„Herzlich willkommen zu meiner neuen Abschiedstournee“, begrüßt Musiklegende Peter Kraus augenzwinkernd sein Publikum im ausverkauften Theater am Aegi. Die 1150 Fans lachen und freuen sich auf den Abend mit ihm. Zum Barhocker, den er unterm Arm hat, sagt er: „Der ist für meinen Gitarristen, er ist schon über 50“. Wieder lachen alle im Saal.

Abschied von der Bühne – warum? Kraus, 79 Jahre jung und mittlerweile mehr als 60 Jahre im Geschäft, ist top-fit, keine Beeinträchtigung mehr durch den Oberarmbruch im September. Er tanzt geschmeidig und flott, macht den Twist mit Chubby Checker, springt hoch, lässt – wie bei „Tiger“ – immer wieder das Becken kreisen und hat dabei sichtlich viel Spaß. Eine bewundernswerte Konstitution.

Mit dem Aufhören hat es mehrmals nicht geklappt, dazu machen dem österreichischen Schauspieler, Sänger und Showmaster die Musik und die Konzerte einfach zu viel Gaudi. Spürbar. „Rock around the clock“, „Heartbreak Hotel“ und „Tutti Frutti“ kommen frisch über die Rampe. Kraus singt mit Leidenschaft und Freude. Die achtköpfige Band macht auch richtig Dampf. Spitze Sologitarrist André Tolba, der wunderbare Rock’n’Roll-Soli auf seiner Gretsch-E-Gitarre zelebriert, ebenso Berthold Mattschat mit seinen gefühlvollen Mundharmonika-Soli wie bei „Schwarze Rose Rosemarie“ – Kraus’ größtem Verkaufserfolg.

Das zumeist ältere Publikum geht super mit, glücklich-strahlende Gesichter. Der wohl älteste Fan des Abends schenkt Kraus einen Strauß rote Rosen, es ist eine 94-jährige Dame.

„Schön war die Zeit!“ – wie die aktuelle CD heißt das Programm mit dem Teenager-Idol von einst. Es enthält Songs, die er und seine Band sich ausgesucht haben, darunter natürlich seine eigenen großen Hits wie „Sugar Baby“ von 1959, in feinen frischen Versionen. Von Doris Day („Que Sera“) über Harry Belafonte („Banana Boat Song“) bis Bill Ramsey („Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“) reicht die Bandbreite.

Zwischen den Songs erzählt er munter aus dem Nähkästchen – zum Beispiel von seinem ersten Auftritt 1956 im Konzertsaal im Deutschen Museum, wo er mangels Echo-Hall-Geräten die Effekte stimmlich imitierte, was er prompt vormacht. Köstlich. Ein toller, kurzweiliger Abend voller Erinnerungen – statt Wehmut ganz viel Spaß. Hut ab! Stehende Ovationen.

Von Christian Seibt