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Kultur Operngala - L’Italiana in Algeri
Nachrichten Kultur Operngala - L’Italiana in Algeri
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12:39 29.11.2010
Viel Applaus für die Rossini-Gala im Opernhaus.
Viel Applaus für die Rossini-Gala im Opernhaus. Quelle: Steiner
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VON SUSANNE WALLENTIN

HANNOVER. Sie kommt mal im Goldglitzerkleid, mal im Rokoko-Gewand, mal im Kimono daher und wickelt in Rossinis „L’Italiana in Algeri“ die Männer mit Sexappeal, Raffinesse und samtig-leichtem Mezzo um den Finger: Mit Silvia Tro Santafé hat sich Hannovers Oper zum Auftakt der Galaabende eine gefragte Koloratur-Mezzosopranistin geholt.

Als verführerisch-gewitzte Isabella verleiht sie dem Abend Gala-Glanz. Während die virtuosen Koloraturen mühelos durch ihren Mezzo sausen, hat Simone Alaimo als zweiter Stargast Anlaufschwierigkeiten. Der Bass, der ebenfalls an ersten Häusern singt, wirkt in Hannover als Mustafà, Bey von Algier, stimmlich zunächst etwas blass – so gar nicht wie ein Frauendompteur, der Tigerinnen zu Lämmern macht. In einer Gala erwartet man mehr Strahlkraft und Präsenz.

Doch dann der Lichtblick: Im Finale des ersten Aktes – getragen vom wunderbar kraftvollen Chor – geraten alle Solisten in den turbulent-durchgeknallten Rossinschen Sog, ohne aus der Kurve zu fliegen. Und auch nach der Pause wirbelt Alaimo ausgelassen über die Bühne – launig und mit voluminös-sonorer Stimme.

Gar nicht verstecken hinter dem Gala-Bass muss sich Sung-Keun Park, der sich als Lindoro in Rossinis schwindelerregende Tenorhöhen emporschraubt – scheinbar mühelos. Auch Frank Schneiders bewährt sich als Taddeo darstellerisch wie stimmlich – sein Bariton reicht von tiefem Buffo-Krächzen bis hin zu samtigen Pianissimo-Höhen.

Rossinis rasante Koloraturen und aberwitzig flinke Ensemble-Szenen hört man bei der Gala zuweilen etwas langsamer, dafür baut Dirigent Andrea Sanguineti auf luftige Leichtigkeit. Ähnlich wie Alaimo braucht das Orchester eine Weile, bis es ganz da ist. Bei der Ouvertüre ist der Klang aus dem Graben etwas eindimensional, Solobläser leisten sich kleine Ungenauigkeiten, Einsätze sind nicht immer ganz präzise. Der Applaus im nicht ausverkauften Opernhaus ist nicht überschwänglich, Bravo-Rufe gibt es am Ende nur für Silvia Tro Santafé.

Bewertung: 4/5