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Kultur Niedersachsen ehrt Thomas Quasthoff mit dem Praetorius-Preis
Nachrichten Kultur Niedersachsen ehrt Thomas Quasthoff mit dem Praetorius-Preis
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13:28 15.11.2010
Geigte den Stier: Adrian Adlam brachte "Ferninand" zum Klingen.
Geigte den Stier: Adrian Adlam brachte "Ferninand" zum Klingen. Quelle: Scheibe
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VON HENNING QUEREN

HANNOVER. Er ist schon fantastisch. Wie er einem jungen chinesischen Sänger klar macht, in einem Schubert-Lied das Wort „belauschen“ richtig zu betonen. „Belauschen, verstehst du, wie in der DDR“, sagt Thomas Quasthoff und macht das entsprechende Gesicht dazu.

Leider war Thomas Quasthoff nur per Videofilm mit bemerkenswerten Ausschnitten aus seinem Schaffen bei der Preisverleihung im Schauspielhaus zu sehen. Wegen des Todes seines Bruders Michael hat der Starbariton vier Wochen lang alle Konzerte und anderen öffentlichen Auftritte abgesagt.

Quasthoff wurde für seine „herausragenden künstlerischen Leistungen“ mit dem Praetorius-Musikpreis geehrt. „Ein Ausnahmekünstler“, wie ihn Kulturministerin Johanna Wanka nannte, die besonders seine Engagement für das Kunstlied hervorhob. Franziska Castell, Geschäftsführerin von Quasthoffs Wettbewerb „Das Lied“, nahm den Preis entgegen, mit dem Preisgeld wird der Wettbewerb unterstützt.

Und noch ein großer Name: An den Alte-Musik-Spezialisten Jordi Savall ging der Internationale Friedenspreis. Der Meister spielte auf der Gambe Mittelalterliches aus dem „Manchester Gamba Book“. Zum Niederknien.

Zum Aufstehen war dann eher bester Free Jazz, wie man ihn kennt, mächtig nudelnde Tonleitern auf dem Saxofon, Entsprechendes von Schlagzeug und Bass – und dazu drehten sich zwei gelenkige Hip-Hop-Tänzer. „Smiling Energy“ hieß das Ganze. Innovativ? Den entsprechenden Preis bekam jedenfalls Alt-Jazzer Gunther Hampel (73), der seine immerwährende Jugendlichkeit durch entsprechendes Outfit (Sneaker, Wollkappe, hautenge Jeans) betonte. Und dass seine Musik auch heute noch lebt, bewies die Jazz-Kombo News from the North.

Fördernswert ohne Frage auch die Stimme von Ania Vegry (brachte „Les Illumina­tions“ von Benjamin Britten) und die Oboenbeherrschung von Maria Sournatcheva (Oboenkonzert von Cimarosa).

Das Highlight war dann „Ferdinand der Stier“, das Märchen, das Geiger Adrian Adlam mit Hilfe seiner Geige erzählte. Das zumindest war innovativ und stand für die ungewöhnliche Programmplanung der Fredener Musiktage, die in diesem Jahr mit dem Ehrenamtspreis ausgezeichnet wurden.

Eröffnet wurde der Abend durch ein Ligeti-nahes Chorstück von Kompositionspreisträgerin Charlotte Seither („Mit meiner Musik arbeite ich am Mythos“). Und es geht auch im Schauspielhaus: Die Preisverleihung kam vergleichsweise straff rüber, die Einspielfilme waren informativ und hatten passendes Pathos, und musikalisch stimmte die Auswahl weitgehend. Und ein etwas flüssiger sprechender Moderator wird sich sicher auch noch finden lassen.

Die Preisträger

Herausragende künstlerische Leistung (10 000 Euro): Bariton Thomas Quasthoff.

Internationaler Friedensmusikpreis (10 000 Euro): Gambenspieler, Dirigent und Barockspezialist Jordi Savall.

Musikinnovationspreis (8000 Euro): Jazzmusiker Gunther Hampel.

Niedersächsischer Kompositionspreis (8000 Euro): Komponistin Charlotte Seither.

Ehrenamtliches Engagement (5000 Euro): Internationale Fredener Musiktage.

Förderpreis (5000 Euro): Sängerin Ania Vegry.

Förderpreis (5000 Euro): Oboistin Maria Sournatcheva.

Förderpreis (5000 Euro): Jazzband News from the North.