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Kultur Nibelungen-Komödie als Auftakt der Wormser Festspiele
Nachrichten Kultur Nibelungen-Komödie als Auftakt der Wormser Festspiele
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09:56 02.08.2009
Susanne Bormann in der Rolle der Kriemhild und Mathias Schlung als Seefred. Quelle: Mario Vedder/ddp
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Im siebten Jahr der Nibelungenfestspiele in Worms war Intendant Dieter Wedel der Ansicht, dass das alte deutsche Heldenepos auch einmal etwas Humor vertragen könnte. So ließ er von dem renommierten Autor und Bühnenschreiber John von Düffel, der den Festspielen in den vergangenen Jahren bereits als Dramaturg gedient hatte, „Das Leben des Siegfried“ schreiben. Am Freitag feierte das Stück in Worms Premiere. Die Eröffnung der diesjährigen Festspiele wurde erstmals live im Fernsehen übertragen, auf 3Sat.

Der Titel des Stücks ähnelt nicht zufällig dem Monthy-Python-Klassiker „Das Leben des Brian“. So wie in der britischen Kultkomödie versehentlich Brian statt Jesus zum Messias erkoren wird, wird in Worms in diesem Jahr der kleine Seefred (Matthias Schlung) für den Drachentöter gehalten.

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So kommt es, dass Seefred, der sich mit seinem Segelboot verfahren hat, auf Island anlegt und die eiskalte Brünhild (Nina Petri) betört. Als er später auf den Burgunder-König Gunther (Gustav Peter Wöhler) und dessen Getreuen Hagen (Christoph Maria Herbst) trifft, halten auch sie ihn für den Drachentöter und spinnen eine Intrige gegen ihn. Bis dahin hat allerdings die schöne Kriemhild (Susanne Bormann), Gunthers Schwester, Seefred ins Herz geschlossen. Die kluge und emanzipierte Frau, die sich im falschen Jahrtausend wähnt, findet Gefallen an dem Softie, der im 5. Jahrhundert einen Seeweg nach Indien sucht.

„Das Leben des Siegfried“ lässt aber nicht nur keinen Anachronismus aus, es wird auch hemmungslos parodiert: So wird etwa der Dänenkönig Tuborg (Gennadi Vengerov), der die Nibelungen bekämpft, auf einem Schild herumgetragen wie Häuptling Majestix aus den Asterix-Comics. Die Eingangsszene wiederum, bei der Christoph Maria Herbst noch als Hofmarschall von Siegfrieds Vater Sigurd von der Geburt des Königssohns berichtet, lehnt sich an eine Mittelalter-Szene aus dem Blödelfilm “(T)raumschiff Surprise - Periode I“ an.

In die Figur des Hagen habe er „etwas für die ’Stromberg’-Fans eingebaut“, sagt Schauspieler Herbst mit Blick auf die preisgekrönte Sat1-Serie, in der er einen fiesen Bürochef spielt. Deshalb sage Hagen Dinge wie: „Ich mach’ viel so hintenrum.“ Und wenn Brünhild im Rentierschlitten auf die Bühne rauscht, sieht sie aus wie die böse Hexe aus „Der König von Narnia“.

Das Publikum, darunter auch in diesem Jahr viel Prominenz, war jedenfalls voll des Lobes. Premierengast Elke Heidenreich fand die „Mischung aus Altem, Mittelaltem und Neuen witzig und klug“. Schauspieler Uwe Ochsenknecht forderte: „Davon sollte es mehr geben. So eine Leichtigkeit tut dem Stoff auch mal ganz gut.“ Auch Ottfried Fischer sah kein Problem darin, mit dem deutschen Nationalepos herumzublödeln: „Die Nibelungen haben sich schließlich auch nicht gut benommen.“

Auch Intendant Wedel war höchst zufrieden, trotz anfänglicher Bedenken wegen der Größe der Bühne. Er habe zuerst eine kleinere mit weniger Zuschauerplätzen gewollt, „weil eine Komödie auf einer großen Bühne nicht funktioniert“. Dass es dann doch 1200 statt 900 Plätze wurden, sei eine wirtschaftliche Entscheidung gewesen. Doch schließlich habe man auch aus den hinteren Reihen Gelächter gehört. „Die Schauspieler - Herbst, Wöhler, Petri - waren ja auch zum Niederknien“, sagte Wedel.

Für die täglichen Vorstellungen bis zum 16. August sind dem Intendanten zufolge 80 Prozent der Karten verkauft. Wer die Fernsehübertragung auf 3Sat und die Wiederholung am Sonntagabend im ZDF-Theaterkanal verpasst hat, hat also noch eine Chance, selbst nach Worms zu kommen, um zu sehen, ob der wahre Siegfried am Ende vielleicht doch noch mal aus den Untiefen der Gewässer auftaucht.

ddp