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13:30 26.07.2018
MITTELPUNKT DER KLASSIK-WELT: Pressefotografen stehen vor dem Festspielhaus und fotografieren die Ankunft der Gäste.
MITTELPUNKT DER KLASSIK-WELT: Pressefotografen stehen vor dem Festspielhaus und fotografieren die Ankunft der Gäste. Quelle: Foto: dpa
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Bayreuth

Immer nur Wagner ist auch langweilig. Also muss man etwas Neues machen. „Diskurs Bayreuth“ heißt die ambitionierte Reihe, die im offiziellen Programm der Bayreuther Festspiele läuft, und Opernuraufführungen von einer Qualität bringt, die vom ästhetischen Erlebnis her so manches in den Schatten stellen, was im Festspielhaus über die Bühne geht.

Das kleine Opernwunder heißt „Der verschwundene Hochzeiter“ vom Österreicher Klaus Lang. Da in und um das Festspielhaus satzungsgemäß nur Wagner gespielt werden darf, weichen die Festspiele hier auf die Kulturbühne „Reichshof“ – ein ehemaliges Kino – aus, das für so etwas optimale Bedingungen bietet.

Die erste Oper von Richard Wagner hieß „Die Hochzeit“ – insofern vielleicht eine bescheidene Referenz. Die Story basiert auf einem Volksmärchen: Ein Hochzeiter wird von einem Fremden eingeladen zu dessen Hochzeit und wird mehrfach vom Fremden ermahnt, nicht länger zu tanzen, als die Musik spielt – was er natürlich nicht macht. Der Hochzeiter kommt wieder nach Hause, niemand erkennt ihn, mittlerweile sind 300 Jahre vergangen, und er zerfällt zu Staub.

Die eineinhalbstündige Tonspur ist von bemerkenswerter Qualität, hypnotisch, harmonisch, hochdifferenziert, oft an der Grenze der Hörbarkeit – und wunderschön, in der Art Ligeti gemildert durch Debussy. Die Inszenierung war entsprechend und mit Staraufgebot – Hochzeiter und Fremder waren die beiden Neumeier-Tänzer, die Zwillinge Jiri und Otto Bubenicek, gesungen wurde aus dem Off – unter anderem von Countertenor Terry Wey (Kunstfestspiele Herrenhausen).

Und auf der Bühne (Regie: Paul Esterhazy) wurden die Zwillinge per Video und Holgramm verdoppelt. Da braucht man dann schon irre Körperbeherrschung, wenn man seinem eigenen Avatar am Tisch gegenüber sitzt – auf einem nur projizierten Stuhl. Gegenwärtiger kann Musiktheater in Bayreuth nicht erleben.

Von Henning Queren

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