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Kultur Nach 18 Jahren: Direktor des Museums Wilhelm Busch geht
Nachrichten Kultur Nach 18 Jahren: Direktor des Museums Wilhelm Busch geht
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20:06 10.05.2012
Von Henning Queren
Hans Joachim Neyer
Hans Joachim Neyer Quelle: Ralf Decker
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Hannover

Wie lange haben Sie es hier gemacht?
18 Jahre, ich bin erst der vierte Direktor des Museums. 18 Jahre sind viel länger, als ich eigentlich wollte.

Was wollten Sie denn sonst?
Ich hatte ein Angebot aus Hamburg, aber da war meine Frau vor. Und ich hätte wissenschaftlich nach Saarbrücken gehen wollen, an einen neuen Lehrstuhl für Kulturtechniken.

Was hat am meisten Spaß gemacht in den 18 Jahren?
Jede Ausstellung.

Jede?
Jede. Einige etwas weniger Spaß, weil sie mehr Arbeit machten, vor allem im Hinblick aufs Geldbesorgen. Mit einigen konnte ich zeigen, was ich mir unter Karikatur vorstelle. Wie Erró in der Orangerie, eine meiner ersten Ausstellungen. Einer der ganz Großen, der gerade eine Einzelausstellung im Centre Pompidou hatte und bei uns ganz früh war, da bin ich ziemlich stolz. Und bei dieser Ausstellung bin ich Gerhard Schröder noch ganz dankbar.

Wieso?
Weil er in seiner unnachahmlichen Art den empörten Besuchern gesagt hatte, sie sollten sich doch mal richtig damit auseinandersetzen. Erró hatte in seinen Arbeiten Bilder von deutschen Wehrmachtssoldaten eingesetzt.

Gabs eigentlich mal einen Moment, wo Sie dachten, jetzt schmeiße ich hin?
Gab es. Während des Umbaus hatte ich schon gedacht, die ganze Finanzierung ist eine Nummer zu groß für uns - als uns plötzlich 750000 Euro fehlten für die oberen Räume. Da mussten wir einen großen Kredit aufnehmen, von dem immer noch 150000 Euro zu tilgen sind. Vier Jahre lang haben wir dort nicht ausgestellt, nur einmal Harry Potter gezeigt - die Besucher dachten, die Baustelle gehört dazu.

Bedauern Sie etwas?
Ich hätte gerne mehr Geld gehabt. Wir bekommen einen Sockelbetrag, der die Hälfte des Budgets ausmacht und nicht ganz die Gehälter deckt. Jede Lohnerhöhung freut mich, treibt mich aber näher der Wand entgegen. Was uns auch bedrängt, sind die steigenden Energiekosten - die sind explodiert wie die Benzinpreise.

Nun könnte man mit Sponsoren dagegenarbeiten ...
Die sogenannte Win-win-Situation, das klingt wunderbar, ist aber immer schwieriger. Auf der einen Seite steht die Kunst, auf der anderen das Geld, und das Geld gewinnt immer. Die Unternehmen müssen immer stärker auf Event, auf Marketing achten, und das müssen wir bedienen. Das muss ich mir nicht mehr antun, die Krawatte anschmeißen ...

Was macht denn nun eine gute Karikatur aus?
Sie muss Tabus brechen. Das funktioniert nur bei Menschen, die eine entsprechende Erziehung haben, Tabus kennen - wenn die gebrochen werden, lachen sie. So beim Witz mit der Kuh. Die trifft auf einen Polizisten und sagt, mein Mann ist auch bei den Bullen ... Da lacht heute kein Schüler aus der Vorstadt mehr.

Wie wird die Karikatur in 18 Jahren aussehen?
Sie wird sich in der Herstellung grundlegend verändern. Es gibt hier schon Künstler, die nur mit dem Tablet arbeiten. Eine Papierzeichnung, ein Original, wie wir es ja ausstellen, gibt es nicht mehr. Die Karikatur guckt man sich im Internet an - nicht im Museum. Das ist die große Herausforderung.

Was tun?
Wir werden dagegenarbeiten durch mehr Medienpräsenz und Museums-pädagogik. Wir werden uns als Haus noch mehr öffnen müssen, noch mehr Hochzeiten ...

Man kann hier heiraten?
Letzten Mittwoch ging es mit dem ersten Jawort los. Die Ehepaare sind ein Jahr Mitglied der Busch-Gesellschaft und bekommen an ihrem Hochzeitstag mit ihren Familien immer freien Eintritt.

Da wirds aber nicht ganz bringen ...
Ich denke, man wird sich in Zukunft auch in Sachen Karikatur wieder auf die Kraft des Originals besinnen. Wir haben 35000 Originale bei uns. Wer das komplette Spektrum der Karikatur sehen will, muss schon zu uns kommen.

Und was machen Sie an Ihrem ersten Tag des Ruhestandes?
Arbeite ich an meiner nächsten Vorlesung über Wilhelm Busch. Ich habe noch eine Honorarprofessur in Braunschweig.

Als Rentner keine Kreuzfahrt?
Es gab mal das Angebot, auf dem Schiff über Wilhelm Busch Vorträge zu halten. Meine Bedingung: nur Außenkabine.

Hat nicht geklappt?
Ich hatte mich informiert, wer da so mitfährt. War nicht mein Fall.