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Kultur NDR-Plaza-Festival: Rea Garvey über Bier, deutsche Sprache und politisches Engagement
Nachrichten Kultur NDR-Plaza-Festival: Rea Garvey über Bier, deutsche Sprache und politisches Engagement
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10:12 24.05.2019
Rea Garvey Quelle: dpa
Hannover

Rea Garvey im NP-Interview

Herr Garvey, Sie stehen seit 20 Jahren auf der Bühne, leben schon genauso lange in Deutschland. Warum singen Sie nicht auf Deutsch?

Weil es viele andere besser machen als ich. Englisch ist meine Muttersprache, mit der ich mich am wohlsten fühle. Um die Ehrlichkeit der Musik zu bewahren, sollte man in der Sprache singen, mit der man sich am wohlsten fühlt.

Von Wohlfühlen zu Heimatgefühlen. Auf ihrem aktuellen Album gibt es mit „Hometown“ ein Stück über Dublin.

Ich war als Student und als Musiker in Dublin, die Stadt hat damals richtig pulsiert. Das Lied habe ich geschrieben, als ich wieder einmal dort war. Ich war schockiert und enttäuscht. Das Dublin, das ich liebte, war nicht zu spüren. Seit die Riesenkonzerne Google und Facebook in der Stadt sind, denen gehören sogar ganze Viertel, ist der Fokus der Stadt irgendwie falsch. Doch nicht nur die Stadt, auch ich habe mich verändert. So ist das Leben nun mal, Dinge bewegen und verändern sich.

1998 haben Sie Irland verlassen und sind nach Deutschland gekommen. Hätten Sie in Großbritannien genauso viel Erfolg gehabt?

Ich glaube, dass ich den richtigen Weg gefunden habe. Ich bereue nichts und habe nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Ich liebe die Balance in meinem Leben, zwischen der Musik und meiner Familie. Das ist auch immer ein Balanceakt. Ich sehe das bei Freunden, die zwar international erfolgreicher sind, dafür aber weniger Zeit haben, das kostet die dann verdammt viel.

Sie sind mit sieben Schwestern aufgewachsen. War es schwer, sich in der Kindheit durchzusetzen?

Ja. Aber wir alle haben gelernt, uns durchzusetzen. Ich hatte eine schöne Kindheit, kann nicht von harten Zeiten berichten. Trotzdem war ich froh, als ich mit 17 Jahren von zu Hause weg ging. Wenn zehn Leute in einem Haus wohnen, ist jeder in alles involviert. Irgendwann bist du an einem Punkt, an dem du alleine was erreichen willst.

Vollbart, Tattoos, Lederjacke: Sie haben ein Rockstar-Image. Gleichzeitig waren Sie Jurymitglied von mainstreamigen Musik-Castingshows wie „The Voice of Germany“. Wie passt das zusammen?

Die wichtige Frage ist, welche Plattformen es für Musik gibt. Als ich ,The Voice“ gemacht habe, habe ich an einer Plattform mitgewirkt, die es vorher noch nicht gab. Das Format ist spannend, der Respekt für die Musiker wird großgeschrieben. Das Rockstarleben war schon als Kind ein Traum für mich. Ich will es nicht nur bedienen, sondern es auch genießen.

Musikerkollegen wie Fettes Brot richten sich mit Songs gegen populistische und rechte Tendenzen in der Bevölkerung. Werden wir auch von Ihnen bald politische Lieder hören?

Jeder Musiker, der sich positioniert, denkt mehrfach darüber nach. Es ist wichtig, über dieses Thema zu sprechen. Ich habe keine Angst vor einer politischen Meinung, ich habe mich schon sehr oft dazu geäußert. Ich setze mich aber eher für Menschenrechte ein, denn ich bin zu naiv für Politik. Und: Wenn wir uns nicht auf Politiker verlassen können, dann müssen wir uns auf uns selbst verlassen. Die Frage ist immer: Was kann ich in meinem Dunstkreis ändern? Man kann anderen Menschen den richtigen Weg zeigen, wenn man Dinge selber macht. Es ist leicht, den Finger zu erheben und zu behaupten, alle machen es falsch. Zuerst muss man sich selbst den Spiegel vorhalten.

Apropos selber machen. Sie engagieren sich viel für die Umwelt, sind Botschafter von Wasserprojekten. Wie versuchen Sie im Alltag, die Welt ein bisschen besser zu machen?

Wenn man ehrlich ist, ist das schwierig. Meine Eltern haben mir da aber viel mitgegeben. Ich versuche, kein Plastik mehr zu benutzen. Gut ist der Druck, der von der Bevölkerung auf die Industrie ausgeübt wird. Die Firmen merken, es ist wichtig, Plastik abzuschaffen, weil sonst die Marke ignoriert wird.

Auch die Jugendlichen nehmen ihre Zukunft derzeit in die Hand, gehen in vielen Städten bei „Fridays for Future“ auf die Straßen.

Die zeigen uns, wo es lang geht. Wir wären doof, wenn wir sie nicht anhören würden und uns verändern. Ob ich das Auto, die Bahn oder das Flugzeug nehme - allein schon, wenn man sich mit der Thematik beschäftigt, ist das ein erster Schritt. Wir haben leider inzwischen eine Einwegkultur. Wenn etwas kaputt ist, kommt es sofort in den Müll. Wir müssen nachhaltiger denken, sonst sind die Müllberge bald größer als unsere Städte.

Zurück zur Musik: „Supergirl“ von Ihrer ehemaligen Band Reamonn ist nach wie einer Ihrer größten Hits...

Ich bin immer noch mit meinem Supergirl zusammen. Das ist ein gutes Zeichen. Ich liebe es immer noch, das Lied zu spielen. Ich habe kein Zeitgefühl, es fühlt sich nicht so an, als ob der Song bereits vor 20 Jahren veröffentlicht wurde.

Die Frage aller Fragen. Was ist besser: deutsches oder irisches Bier?

Gott sei Dank kommen wir jetzt zu diesem Thema. (lacht) In Irland trinkt man ausschließlich Stout, in Deutschland hat man eine gute Auswahl. Ich trinke sehr gerne Pils, gerne auch lokales Bier. Das können die Deutschen einfach.

Hier alle wichtigen Infos zum NDR-Plaza-Festival

Von NP

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