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Kultur Movimentos-Festwochen in Wolfsburg werden noch größer
Nachrichten Kultur Movimentos-Festwochen in Wolfsburg werden noch größer
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22:10 14.01.2010
Von Uwe Janssen
Kommt nach Wolfsburg: Die Hofesh Shechter Company. Quelle: lni

Braucht ein Kulturfestival ein Motto? In Wolfsburg ist man der Meinung: ja! Und so stand den Movimentos-Festwochen in den vergangenen Jahren immer ein Leitsatz voran: Mal „Vertrauen“, mal „Verantwortung“, mal „Respekt“. Das klingt ein bisschen nach Appell und ein bisschen nach Gutmenschentum und birgt die Gefahr, sich in thematischer Illumination zu erschöpfen. Doch den Movimentos-Machern reicht das nicht. Sie wollen das jeweilige Motto im Programm verankern und suchen ihre Künstler in diesem Sinne zusammen.

2010 haben sie es sich damit nicht leicht gemacht. „Mut und Demut“ sind die 8. Movimentos-Festwochen vom 29. April bis zum 13. Juni überschrieben, die zum zehnten Autostadt-Jubiläum um eine auf stattliche sieben Wochen verlängert wurden. Auch das Spektrum der insgesamt 80 Veranstaltungen wächst, ein reines Tanzfestival ist Movimentos schon lange nicht mehr. Diesmal gesellt sich zu den Pop-, Jazz- und Klassikkonzerten, den Lesungen und Diskussionen auch die Disziplin Theater – mit einem Stück, das den roten Faden zu „Mut und Demut“ gut aufnehmen kann: Urs Widmers „Top Dogs“ über gescheiterte Manager.

Dennoch, der Tanz bleibt Mittelpunkt und Prunkstück der Festwochen. Sieben international renommierte Compagnien sind diesmal eingeladen. Besonders gespannt sein darf man auf die Kibbutz Contemporary Dance Company aus Israel, die gerade an einer Auftragsarbeit für die Festwochen feilt – zum Festivalmotto. „Im Moment heißt es ,In the Black Garden‘, das ist aber nur ein Arbeitstitel“, sagt Bernd Kauffmann, seit Jahren künstlerischer Leiter der Festwochen. Aus den USA kommen der New Yorker Tanztalenttiegel „Ailey II“ mit einer Europapremiere und das Diavolo Dance Theatre mit einem Spektakel aus Tanz, Akrobatik, Theater und Bühnenkunst. Auch die brasilianische Quasar Companhia de Dança baut Zirkus- und Sportelemente sowie neben heimatlichen auch europäische Bewegungstraditionen in ihre Choreografien ein.

Etwas lernen kann man beim Londoner Sadler’s Wells. Die Briten haben die Choreografen Russell Maliphant, Sidi Larbi Cherkaoui und Wayne McGregor (die beiden Letzteren sind Träger des Movimentos-Tanzpreises) beauftragt, sich mit dem Tanzerneuerer Sergej Diaghilev und seinen Ballets Russes zu befassen. Herausgekommen sind hundert Jahre Tanzgeschichte an einem Abend: „In the Spirit of Diaghilev“. Der schwierigeren Hälfte des Festivalmottos, der Demut, nimmt sich wiederum die Hofesh Shechter Company aus dem britischen Brighton mit ihrem Stück „Political Mother“ an. Und wer die Compagnien des Nederlands Dans Theater I und II bei einem ihrer seltenen gemeinsamen Auftritte erleben möchte, hat im Kraftwerk, wo wie immer die Tanzbühne steht, Gelegenheit dazu. Der Kontakt der Festwochen zu den Niederländern ist eng, „man kann das schon eine Partnerschaft nennen“, sagt Kauffmann.

In der Sektion Pop haben die Festwochen im vergangenen Jahr mit den Konzerten von Kraftwerk im Kraftwerk vermutlich ein lange währendes Highlight gesetzt. Zumindest in puncto Publikumsresonanz steht der stilwandlerische Sting den deutschen Elektronikpionieren nicht nach: Seine beiden Konzerte mit dem Bundesjugendorchester am 26. und 27. Mai waren binnen Stunden ausverkauft. Im Jazzprogramm versprechen die Konzerte der Sängerinnen Dianne Reeves (7. Mai) und China Moses, der Tochter von Dee Dee Bridgewater (14. Mai), besondere Spannung, ebenso das ehemalige Gitarristenwunderkind Biréli Lagrène aus Frankreich (4. Juni). Und eine Wundertüte ist das Stimmenkollektiv Vocal Sampling aus Kuba (11. Juni).

Das Lesungsprogramm kommt dem Festivalmotto naturgemäß am nächsten. Texte von Franz von Assisi (gelesen von Nicole Heesters und Willem Menne), Flaubert (Hannelore Hoger) oder Antoine de Saint-Exupéry (Jan-Josef Liefers) kreisen um Mut und Demut, und Klaus Maria Brandauer setzt sich am 3. Juni mit der Beziehung zwischen Faust, Prometheus und dem Menschen auseinander. Dazu spielt Daniel Hope Violine.

Diskussionen, unter anderem zum Thema Zivilcourage mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière, Iris Berben, Stephan Hilsberg und Thomas Thieme, runden das Programm ab. Damit sollte das Thema, wie es sich die künstlerische Leiterin Maria Schneider wünscht, ausreichend kritisch beleuchtet sein. Bleibt abzuwarten, ob auch den Besuchern ein Licht aufgeht.

Der Vorverkauf für alle Veranstaltungen (das bereits ausverkaufte Sting-Konzert ausgenommen) beginnt am 18. Januar. Karten und das gesamte Programm mit allen Terminen unter movimentos.de, ticket-online.de, der kostenfreien Servicehotline (08 00) 2 88 67 82 38 sowie an den Vorverkaufsstellen.

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