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Kultur Motörhead dreht in Hannover auf
Nachrichten Kultur Motörhead dreht in Hannover auf
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23:02 01.12.2010
Motörhead-Sänger Lemmy Kilmister beim Konzert in Hannover.
Motörhead-Sänger Lemmy Kilmister beim Konzert in Hannover. Quelle: von Ditfurth
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Von Evelyn Beyer

Hannover. Wolle grummelt überm Bier. „Hoffentlich drehen die diesmal richtig auf“ knurrt er, im letzten Jahr, da kam nicht so richtig Power aus den Türmen, fand er, dabei hatten Motörhead nach Publikumsbefragung schon mehr aufgedreht. Von wegen lauteste Band aller Zeiten: „Lemmy wird alt“, dröhnt sein Kumpel, „Quatsch“, nuschelt Wolle, doch überzeugt wirkt er nicht.

65 Jahre wird Lemmy „die Legende“ Kilmister an Heiligabend alt, 35 zählt Motörhead, und ebenso lange eröffnet auch derselbe Satz das Konzert: „We are Motörhead, and we play Rock ’n’ Roll!“, aus 3500 Kehlen grölt Zustimmung.

Von wegen alt, Lemmy stemmt wie eh die Stiefel in den Boden, ein Ventilator umweht den Hut mit Totenkopfemblem, er traktiert seinen Rickenbacker-Bass und knarzt die Songzeilen unter dem geschwungenen Bart ins überkopfhohe Mikro, whiskyscheppernd und reibeisenrau. Allein, dass die Stimmbänder durchgehalten haben, dass überhaupt ein menschlicher Organismus 35 Jahre lang in der rockigen Hölle lodern kann und dabei verdammt passabel erhalten wirkt, das ist nicht nur für Wolle und Kumpel in der AWD-Hall eine frohe Kunde.

35 Jahre Motörhead, fast 65 Jahre Lemmy: 3500 Fans feierten Mittwochabend in der AWD-Hall in Hannover Kilmisters Rockinferno.

„The Wörld Is yours“ steht an der Bühne. Motörheads 20. Studioalbum kommt demnächst auf den Markt, erstmals unter eigenem Label, zudem gibts sieben Live-Alben, reichlich Material, jede Tour ein bisschen neu aufgemischt. Zwischen dem blueshackigen „Stay Clean“ und dem heavy rockenden „Metropolis“, beides von „Overkill“ 1979, dröhnt die neue Kostprobe „Get Back in Line“, treibend daher stampfend, passt nahtlos; wo Motörhead draufsteht, ist Motörhead drin, Blues und Rock gehärtet. Doch als die Party überschwappt, ein halbvoller Bierbecher gen Bühne fliegt, wird Lemmy böse: „Noch eins und ich gehe.“ Und: „I’m no fucking Target“ – ,Ich bin kein Ziel’. Dann reißt er die Stimmung im Saal wieder hoch: „Sollen wir lauter aufdrehen?“ Weit über 2000 Hände gehen hoch.

Böse Zungen lästern, Motörhead hätten nur zwei Songs gemacht, einen schneller, einen langsamer, doch natürlich klingt für Fans das speedige „Over the Top“ völlig anders als das gitarrenknallige „The Thousand Names of God“. Die Show aber bleibt sich ähnlich, Lemmy rammt die Bassakkorde in den Boden, Phil Campbell tänzelt wollbemützt herum, während seine Gitarre stahlscharfe Riffs in die Gehörgänge fräst. Wozu mehr?

Seit 1995 spielen sie in dieser Formation und haben die stotternde Hardrock-Kiste wieder mächtig auf Touren gebracht. Im Saal viel Jungvolk, Rangeltanz, Teufelshörner werden hochgereckt. Haare fliegen, Biere fließen, aber auch Cola für den Nachwuchs: Hier zeigt Papa dem Sohne, was ’ne lebende Rocklegende ist, früher zur härtesten, schnellsten und hässlichsten Band der Welt gekürt, das müssen die Thrash-death-doom-gothic-nu-Metal-Bubis erstmal nachmachen.

Ach ja, apropos Bubis: Dass Ladys auch hart und heftig können und dabei mit 46 Lebens- und 27 Bühnenjahren in Nieten besetztem Schwarz groß aussehen und rotzig-rockig singen, das hatte Doro vorweg eindeutig geklärt.

Allerdings hat ihr Sound nicht die Schwärze und ihre Lyrics haben nicht die Tiefe von Lemmys. Von denen versteht man im Konzert zwar oft nicht mal die Titelzeile – wars „In the Name of Tragedy“ oder nicht? –, aber wer nachliest, findet poetisch Nachdenkliches über die Welt, die kein TV-Dinner ist, und das raue Gebaren, das man allzu oft zum Überleben in ihr braucht.

Rau genug gehts beim Konzert mittlerweile auch für Wolle zu, „Ace of Spades“ donnert zum regulären Ende, „Born to Raise Hell“ und „Overkill“ als Zugaben, Energie pur, dass der Magen vibriert und der Kopf sich bangig schüttelt. Wolles Mähne fliegt, Wolle findets geil. Nur‘n bisschen kurz und immer noch zu leise.
Bewertung: 4/5.

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