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Kultur Mónica Garcia Vincente will über Carmen sprechen
Nachrichten Kultur Mónica Garcia Vincente will über Carmen sprechen
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17:56 16.06.2019
Dekonstruktion: Szene aus der Performance „Hablando de Carmen“. Quelle: Rainer Hartge
Hannover

„Ich will über Carmen sprechen!“ Die spanische Choreografin Mónica Garcia Vincente hat Redebedarf und wagt mit „Hablando de Carmen“ den Versuch, mit Kunst Klischees zu überwinden.

Carmen ist die Femme Fatale mit schwarzem Haar und feuerrotem Flamencokleid. Sowohl in der literarischen Version Prosper Mérimées als auch in Georges Bizets Oper wird sie als eine heißblütige, attraktive und listige „Zigeunerin“ dargestellt, die sich ihrer Wirkung auf Männer bewusst ist und in jeder Situation ihren weiblichen Charme beim anderen Geschlecht ausspielt. Kurz: Sie ist Inbegriff der männlichen Begierde.

Dieses klischeereiche Carmen-Bild will Garcia Vincente dekonstruieren. Sie und ihr Ensemble (die erstmalig in der Eisfabrik künstlerisch zu Gast sind) möchten festgefahrene Geschlechterrollen tänzerisch aufbrechen oder zumindest hinterfragen und „einen Raum für eine Reflexion über existenzielle Menschheitsthemen, über Liebe und Sexualität, Leben und Tod und über Freiheit eröffnen“.

Die Tänzerinnen und Tänzer Alice Gaspari, Bettina Paletta und Loris Zambon winden sich umeinander und miteinander, sie drücken, ziehen, führen und stoppen sich sanft und doch mit eindringlicher Stärke. Der tiefe Sound vom Band vermischt sich mit der live performten Musik von Jürgen Morgenstern-Feise, der klopfend, ziehend, quietschend oder singend, mit Kontrabass, Ukulele und Mundharmonika einen einzigartigen Klangteppich webt.

Die Szenen und Momente, die sie gemeinsam darstellen sind in ihrer Bedeutung gleichermaßen eindeutig wie diffus. Mannshohe Holzstäbe dienen als Requisiten. Mal sind sie Ausdruck für martialisches Machtgehabe, mal rahmen, stützen oder grenzen sie ab, sind Gliedmaßenverlängerung oder dienen als Waffe oder Schutzwall. Die Stäbe trennen, verbinden und bilden das Grundgerüst der Schlussszene.

Das Tanztrio spannt Fäden über die gesamte Bühnenbreite, umspielt und umtanzt diese wie alarmauslösende Lichtschranken. Dann mischt sich auch das berühmte Motiv aus Carmens „Habanera“ dazu. Nach und nach werden immer mehr Worte und Satzbausteine auf Pappplakaten auf die gespannte Fäden- und Stabkonstruktion aufgesetzt. Die Durchgänge werden kleiner, die Musik lauter und höher, bis eine geschlossene Statementwand entsteht, mit der Garcia Vincente ihre Tanzperformance, ihr Gespräch“ über Carmen schließt.

Wieder am 16., 20., 21. und 22. Juni.

Von Aline Westphal

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