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Kultur Mit Dieter Thomas Kuhn endet die Open-Air-Saison 2013 im Gilde-Park
Nachrichten Kultur Mit Dieter Thomas Kuhn endet die Open-Air-Saison 2013 im Gilde-Park
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11:03 09.09.2013
Von Matthias Halbig
ER WAR 16, UND SIE 31: Dieter Thomas Kuhn singt Maffay auf der Parkbühne. Quelle: (Alexander Körner)
Hannover

Sie haben sich in Glitzerhosen, Rüschenhemden, Prilblumenkleider gehüllt, tragen angeklebte Elvis-Koteletten, wilde Hüte, irre Brillen und schwenken die Sonnenblume, das Wahrzeichen von Dieter-Thomas-Kuhn-Konzerten. Der Guss ist gut für die Blumen, schlecht für all die schönen Perücken. Kuhn singt positiv: „Schön ist es auf der Welt zu sein, sagt die Biene zu dem Stachelschwein ...“

Ein Lied über Kommunikation zwischen Insekten und Säugetieren? Für die einen ist das, was Roy Black da 1971 im Original mit Anita Hegerland verzapfte, poetischer Bankrott, der Beweis für die Trivialität des Schlagers bis hin zur kompletten Blödsinnigkeit - wobei diese bierernsten Betrachter eher nicht auf der Konzertwiese anzutreffen sind. Die deutlich bierlustigen Anwesenden kennen ihre Biene Maja, Donald und Micky, Märchen, Fabeln und so weiter dagegen genau, wissen, was unter Tieren so abgeht. „Du und ich wir stimmen ein“, grölen sie aus vollem Halse, „schööön ist es auf der Weeeelt zu sein.“ Ergebnis: Der Regen gibt auf.

Kuhn verfügt über keine große Stimme. Aber er hat diesen Schnulzenschluchzer in der Stimme und rollt das „r“, wenn er einen Maffay singt. Der Witz ist seit knapp 20 Jahren derselbe: Der Schlagerparodist aus Schwaben erscheint mit Fönwelle, Brusttoupet und einem funkelnden, weißen Anzug. Seine Musiker, die auf Decknamen wie Illic (Keyboard/Akkordeon) und Nino G-Punkt (Trompete) hören, tragen bunte Uniformen mit drei Goldstreifen, und sehen damit aus wie Sergeant Peppers Truppe auf Adidas. Sie spielen vorzugsweise 70er-Jahre-Stoff, oft gefühlt doppelt so schnell wie die Originale, geben ihm mit Hammond und Gitarre eine schmale Rock-Kante, und führen dazu merkwürdige Bühnenballette auf (zu „Amigo Charlie Brown“ rutschen Bassist Demi R. und Gitarrist Howie F. auf der Stelle wie im Alptraum eines Schlittschuhläufers). Der Schlager, durch den Kakao gezogen, erlaubt auch Menschen, die sonst erhabeneren Musikstilen lauschen, sich an den unbestritten großartigen Melodien der 70er Jahre zu erfreuen: „Griechischer Wein“, „Wunder gibt es immer wieder ...“, „Und es war Sommer“.

Kuhn wie immer also - kühn ist an diesem Abend nur ein Stück: „Das Model“, Kraftwerks computerkühle Modenschau. Die verwandelt sich per Ska-Rhythmus und einer Mariachi-Trompete in einen völlig anderen Song. Witzig. Der Applaus dafür bleibt dennoch dünn. In einem sind sich echte Schlagerfans und Freunde seines Vergackeiertwerdens nämlich einig: Experimente, nein danke!

Bewertung: 3/5

Dieter Thomas Kuhn am 25. Juli 2014, 20 Uhr, Gilde-Parkbühne. Karten in den NP-Ticket-Shops und unter Telefon 0511/12 12 33 33 für 29,90 Euro.

Wetter okay. Kunst schön. Eintritt frei. Bei Zinnober 2013 wurden - wie schon in den beiden Vorjahren - 10 000 Besuche gezählt.

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