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Kultur Melissa Etheridge begeistert im Capitol
Nachrichten Kultur Melissa Etheridge begeistert im Capitol
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18:34 08.03.2012
Strotzt vor Energie: Melissa Etheridge. Quelle: Herzog
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Hannover

Acht Jahre ist es her, dass Rocksängerin Melissa Etheridge in Hannover zu hören war. Jetzt gab es im seit Wochen ausverkauften Capitol ein herzliches Wiedersehen mit der 50-jährigen Amerikanerin: bei ihrer "Fearless Love"-Tour. Fast pünktlich um kurz nach acht kommt die vor Energie strotzende Rockerin mit paillettenbesetztem Shirt und Gürtel auf die Bühne. Bekannte Posen mit ihrer zwölfseitigen Akustikgitarre sorgen schon für Jubelstürme im Publikum, als sie noch keine Zeile gesungen hat.

Diese Begeisterung reißt auch in den folgenden zwei Stunden nicht ab. Denn so viel musikalischen Druck wie auf ihrem aktuellen Werk entfaltete die Frauenrechtlerin und politische Aktivistin zuvor nur in ihren Anfangsjahren, insbesondere bei ihrem Debüt, das vor 25 Jahren erschien und mittlerweile längst ein Klassiker ist. Über die Hälfte der Lieder an diesem Abend stammen von diesen beiden Alben. Zentrales Thema sind "Liebe, Furcht und sich ergebende Konsequenzen...".

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Nach schwierigen Jahren – unter anderem einer gescheiterten Beziehung und einer Brustkrebserkrankung – und nach zuletzt eher ruhigeren Alben zeichnen die gesundete und wieder glücklich liierte Musikerin im Capitol Kraft, Mut und die Lust auf Rock aus. "I want to come over - to hell with the consequence" singt sie trotzig. Sie genießt die "Hitze im kalten Hannover", dirigiert, liefert sich Wechselgesänge mit dem Publikum und gibt sich authentisch und emotional, so wie in ihren Liedern.

Zum Teil erinnert das stark an die Rock-’n’-Roll-Messen, die ihr Idol und Freund Bruce Springsteen gestenreich und pathetisch hält. Nicht umsonst präsentiert Etheridge auch eine eigene Version des Tom-Petty-Klassikers "Refugee", ebenfalls ein Aufruf dazu, sich nicht unterkriegen zu lassen. Doch neben den kämpferischen Eindrücken kommt auch der Spaß nicht zu kurz. Immer wieder ist die Protagonistin amüsiert über Einwände aus den ersten Reihen, ertappt sich beim Kichern oder nimmt sich selbst nicht zu ernst: "Yes, I have a greatest hits album and even some hits."

Richtig ruhig wird es nur einmal. Weitgehend solo – nur mit Gitarre und Mundharmonika – präsentiert Etheridge "Precious Pain". In epischer Breite, jeweils auf über zehn Minuten ausgedehnt, spielt sie ihre beiden größten Erfolge – "Bring Me Some Water" und "Like the Way I Do" –, ersteren sogar augenzwinkernd mit Deutschlandhymne im Bassteilsolo. Erfreulich an diesem Abend ist auch die gute Akustik, die die stimmlich bestens aufgelegte Sängerin mit Janis-Joplin-Einschlag noch mehr in den Fokus rückt. Die zwei Stunden verfliegen viel zu schnell. Aber sie wirken lange nach.

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