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Kultur Max Ernst im Sprengel Museum
Nachrichten Kultur Max Ernst im Sprengel Museum
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08:00 29.02.2012
Von Evelyn Beyer
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Hannover

Seine Berühmtheit sah Max Ernst skeptisch. "Jeder beflissene Kunstschüler verehrt ihn, bessere Damen lächeln ihm zuvorkommend zu", schrieb der Maler und Bildhauer 1962 - und das ihm, "dem eine einzige wilde Erdbeere tausendmal lieber ist als alle Lorbeeren der Welt".

"Lorbeeren und Erdbeeren" heißt die Ausstellung im SprengelMuseum, die bis 20. Juni Max Ernsts Spätwerk 1949-1976 präsentiert. 1949 besuchte er erstmals aus dem amerikanischen Exil wieder Europa, 1953 ließ er sich in Frankreich nieder. Dadaismus und Surrealismus sind da Geschichte, Max Ernst ist malerisch international orientiert - und pflegt seine grafische Produktion. Dem Neubeginn widmet er eine Radierungsfolge: "Das Schnabelpaar", acht Blätter, auf denen in schwingenden Linien Vogelwesen und Figuren miteinander spielen. "Schnabelmax" nannte Max Ernst sich selbst, der Vogel, ein Leitmotiv seines Schaffens, war oft auch sein künstlerisches Alter Ego.

Etliche Werke waren 2006 schon zu sehen, der Gipskopf "Mon ami Pierrot" von 1974 streckte damals auch den Besuchern die Zunge heraus, als das Haus unter dem Titel "Sprengel macht Ernst" seinen umfassenden, 1982 gegen ein Bild von Emil Nolde eingetauschten Bestand des druckgrafischen Werks vorzeigte. Der Akzent auf das Spätwerk jetzt aber stellt die Lust am Formenspiel heraus, Ernst bringt Linien und Buchstaben zum Tanzen und versetzt sie in flirrende Bedeutungsvielfalt, er experimentiert weiter mit der von ihm erfundenen Frottage-Technik, legt Äste oder Steine unters Papier und reibt mit Kreide oder Stift ihre Oberfläche nach. Tiere entstehen so, oder andere Figuren.

In seine hieroglyphische Geheimschrift bettet er die Bilderrätsel ein, die er als Illustrationen für "Maximiliana oder die illegale Ausübung der Astronomie" 1964 entwirft, eine Hommage an den deutschen Lithografen und Astronomen Ernst Wilhelm Lebe-recht Tempel (1821-1889). Ein eigener Kosmos scheint da auf, der sich stets der Deutung entzieht. 130 Werke zeigt die Ausstellung in drei Räumen, sie lohnen die genaue Betrachtung.