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13:48 27.09.2011
Hollywood-Star John Malkovich (als Casanova) und die Schauspielerin Ingeborga Dapkunaite spielen in dem Stück "The Giacomo Variations" mit. Quelle: dpa
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Hamburg

„I want a woman!“ Mit diesem Ruf nach einer Frau schleppt sich John Malkovich als altersschwacher Casanova zu Beginn des Stücks über die Bühne. Auch im greisen Alter hat der Frauenheld seine Lust nicht verloren, jagt im Hausmantel jedem Rock hinterher und erinnert sich beim Schreiben seiner Memoiren wehmütig an seine unzähligen Liebschaften. Musikalisch untermalt werden seine erotischen Bekenntnisse von diversen Mozart-Opern.

Mit „The Giacomo Variations“, einer Mischung aus Theater, Oper und Musical, wurde am Montagabend in Hamburg der Saisonstart der Elbphilharmonie-Konzerte gefeiert. Allerdings nicht in dem Prestigebau im Hafen, dessen Eröffnung sich immer weiter verschiebt und zuletzt auf 2014 datiert wurde, sondern in der Hamburger Staatsoper. Das Publikum zeigte sich von den Avancen des Casanova begeistert und spendete jede Menge Jubel und Applaus.

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In der unterhaltsamen Inszenierung von Michael Sturminger, die zu Jahresbeginn in Wien uraufgeführt wurde, ist das statische Bühnenbild von drei überdimensionalen Reifröcken geprägt. Zwischen Schlafzimmer und Schreibsekretär agiert der libidogesteuerte Womanizer. Nur vier Protagonisten sind dabei: Schauspielerin Ingeborga Dapkunaite und Sopranistin Sophie Klußmann verkörpern Casanovas zahlreiche Liebhaberinnen. Malkovich ist als Alter Ego der Bariton Florian Boesch zur Seite gestellt. Doch auch der 57-jährige Hollywood-Star schlägt sich wacker bei seinen vereinzelten Gesangseinlagen - wenn auch nicht mit perfekter Stimme.

Mal verführt er jugendlich mit geistreichem Charme, mal vergewaltigt er im Alter mit verzweifelter Brutalität

Die Texte basieren auf Casanovas unvollendeten Memoiren, welche er auf dem böhmischen Schloss Duchcov bis zu seinem Tod 1798 verfasste. In etwas wirren Rückblenden werden seine zahlreichen Eroberungen aufgerollt: Ob Elisa, Cecile, Despina, Leonilda oder Henriette. Mal verführt er jugendlich mit geistreichem Charme, mal vergewaltigt er im Alter mit verzweifelter Brutalität.

Der italienische Frauenheld liefert sich Duelle mit Rivalen und lässt gebrochene Herzen und zerstörte Leben zurück. Während die Verflossenen verzweifeln, öffnet Malkovich eine neue Champagnerflasche und begeistert das Hamburger Publikum mit seinen Trinksprüchen: „Lang lebe Neapel, lang lebe Pauli!“

Für die musikalische Untermalung bedienen sich Sturminger und der musikalische Leiter Martin Haselböck frei an Mozarts Opern „Figaros Hochzeit“, „Così fan tutte“ und „Don Giovanni“. Als Casanova eine neue Eroberung heiraten will und beim Anblick ihrer Mutter mit Schrecken feststellt, dass die junge Geliebte die eigene Tochter ist, wird etwa ein passendes Element aus „Figaro“ gesungen.

Natürlich stand Malkovich, der bereits in dem Oscar prämierten Film „Gefährliche Liebschaften“ den Verführer mimte, im Mittelpunkt des Geschehens. Dennoch kann er sich wunderbar in das kleine Ensemble integrieren. Sein Casanova ist keine Ein-Mann-Show.

dpa

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