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Kultur "Märchenmond"-Premiere am Aegi
Nachrichten Kultur "Märchenmond"-Premiere am Aegi
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10:51 30.11.2010
Sucht seine Schwester: Kim (Navina Heyne) auf hoher See.
Sucht seine Schwester: Kim (Navina Heyne) auf hoher See. Quelle: Hartmann
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VON STEFAN GOHLISCH

HANNOVER. Das Böse rockt: „Auf der Flucht“ singt der garstige Zauberer Boraas, während das Menschenkind Kim über Berg und Tal und reißende Flüsse das Weite sucht. Und manches Menschenkind im fast ausverkauften Theater am Aegi sucht voll wohligem Grusel lieber die Nähe: von Mutters oder Vaters Schoß.

Ja, er kann auch böse, der Jens Krause von der Musical-Company des Theaters für Niedersachsen (TfN). Er war einmal, im alten Herrenhäuser „Sommernachtstraum“, der tuntig-drollige Puck. Hier, im Musical „Märchenmond“, ist er ein Schuft, wie ihn nur das Märchen schreibt. Das Menschenmädchen Rebekka (Michaela Linck) hat dieser Bösewicht in sein finsteres Reich entführt; nun sucht er deren Bruder Kim (niedlich draufgängerisch: Navina Heyne).

Das TfN hat Wolfgang und Heike Hohlbeins Jugendroman-Debüt auf die Bühne gebracht, kein einfaches Unterfangen (siehe unten). Autor Christian Gundlach hat sich – sehr kindgerecht – auf das Menschliche im Fantastischen konzentriert, auf die Liebe zwischen Geschwistern, auf die Freundschaft, die auch Kabbeleien übersteht, auf den Mut, der der Leidenschaft entspringt.

Er hat – zum Glück – auch vieles von dem getilgt, wo sich die Hohlbeins deutlich an Vorbildern orientierten wie der „Unendlichen Geschichte“ und den „Brüdern Löwenherz“. Und er hat die Rolle der Rebekka deutlich erweitert, die nun als Erzählerin fungiert. Eine gute Entscheidung, zum einen, weil Linck eine famose leidenschaftliche Gesangsstimme für Gundlachs Musical-Pop hat (die E-Gitarren sind Boraas vorbehalten), zum anderen, weil es – abgesehen vom etwas holperigen Schluss – dem Verständnis der Handlung dient.

Fantastisch, in jeder Hinsicht, ist das flexible Bühnenbild aus kantigen, zu verschiebenden Kulissen, mal Gebirge, mal Festung, mal wohlige Behausung – der passende Hintergrund für Kim und seine Weggefährten, den Brummbären Kelhim (Annika Dickel) und den tölpelhaften Riesen Gorg (Frank Brunet), den Tümpelprinzen und den Regenbogenkönig (beides: Jonas Hein), den aufbrausenden Priwinn (kernig: Jens Pliwinski) und Boraas‘ bessere Hälfte Themistokles (ebenfalls Krause). Am Ende siegt die Freundschaft über die Verlockungen des Bösen.

Man kann diese Botschaft durchaus als weihnachtlich empfinden. Am Aegi sah man an diesem Premierennachmittag jedenfalls allüberall auf den Theatersitzen rote Wangen und glänzende Augen blitzen.

Bewertung: 4/5

Heute, morgen und übermorgen gibt es fünf weitere Vorstellungen im Theater am Aegi.

www.tfn-online.de